GEO schützt den Regenwald e.V.

17. Oktober 2006

Für Torsten Lubenow geht die Zeit in Ecuador zu Ende. Doch vorher wird er noch in die Kunst der Schokoladenherstellung eingewiesen

Meine Zeit im Regenwald geht zu Ende! Ich nehme den Bus von Tena nach Ambato, vorbei an dem vor kurzem ausgebrochenen Vulkan Thungurahua. Mein Ziel ist das kleine Andendorf Salinas in der Nähe von Guaranda. Dieses Dorf liegt auf etwa 3500 Metern, am Ende einer kleinen Staubpiste. Abends fährt von Guaranda aus kein Bus mehr dorthin. Also muss ich auf irgendeine andere Art und Weise in das Dorf gelangen. Aber ich bin ja in Ecuador. Hier sind die Leute hilfsbereit.

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Torsten Lubenow arbeitet in der Schokoladenfabrik in Salinas

Allein auf einer Staubpiste

Der Bus bringt mich abends im Dunkeln zum Anfang der Staubpiste. Dort stehe ich und weiß nicht weiter. Ein alter Mann kommt auf seinem Esel vorbei und erzählt mir, dass der Weg zu Fuß wohl mehr als zwei Stunden dauern würde. Es dauert aber nicht lange und es kommt ein Pick-up herangerollt. Nach einigem hin und her sind wir uns über den Preis einig und die Reise kann beginnen. Es ist bitterkalt. Nach einer schaukeligen Fahrt erreiche ich endlich Salinas. Aber was will ich hier? Ich bin von der Amerikanerin Judy, der Gründerin von Kallari, eingeladen worden, bei der Schokoladenproduktion zu helfen.

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Die flüssige Schokolade muss langsam auskühlen bevor sie in die Formen gegossen wird

Die Schokoladenfabrik überrascht mich. Ich erwartete große Anlagen und Fließbänder, die die Tafeln vollautomatisch gießen. Doch es gibt nur einen Raum, der eher einer sehr großen Küche gleicht mit vielen metallischen Tischen in der Mitte - alles aber blitzsauber, was eher untypisch für Ecuador ist. Umgehend werde ich in die Arbeit eingespannt: Mit Haarnetz auf dem Kopf, gewaschenen Händen und Handschuhen, stehe ich mit fünf weiteren Helfern an einem Arbeitstisch und verpacke fertige, in Blöcke gegossene Kakaomasse zur Einlagerung und späteren Verarbeitung. In einer Maschine werden die zuvor geschälten, gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen zu einer Kakaopaste erhitzt und viele Stunden von großen Walzen zermalmt. Diese Masse füllen wir in Plastikschalen, in denen die Paste später zu festen Blöcken erstarrt.

Schokolade verursacht Kribbeln am ganzen Körper

In einem weiteren Raum sind kleinere Maschinen, die zuvor mit den Zutaten für eine Edelbitterschokolade befüllt wurden. Temperaturen um die 75 Grad Celsius und ein ständiges Durchmischen lassen die einzelnen Zutaten wie Brauner Rohrohrzucker, Kakaobutter und Kakaomasse zu einer homogenen Masse werden, die nur noch auf die richtige Temperatur gebracht werden muss, um eine knackige Tafelschokolade zu ergeben. Zunächst ist die Schokoladenmasse viel zu heiß und muss auf etwa 37 Grad Celsius abgekühlt werden, bis sie in die Formen gegossen werden kann. Diese Formen müssen noch einmal gehörig durchgeschüttelt werden, um die Luftbläschen zu entfernen. Dann härtet die Schokolade aus. Dabei zieht sie sich etwas zusammen, was die fertige Tafel aus ihrer Form löst. Anschließend wird sie verpackt. In diesem Arbeitsprozess habe ich die Aufgabe die Formen kräftig auf den Tisch zu schlagen, um die Luftblasen zu entfernen. Ich nehme die Form in beide Hände und schlage sie immer wieder kräftig auf den Tisch. Die Nebenwirkung: nach fünf Minuten beginnt mein ganzer Körper zu kribbeln.

Eine Woche später wird "unsere" Schokolade von mehreren Schokoladenexperten in Quito verkostet. Unter den Experten ist ein kanadischer Botschafter, der gleichzeitig gelernter Sommelier ist und eine Schokoladenproduzentin. Sie zeigen sich höchst beeindruckt über die Qualität und geringe Bitterkeit. Sie reden sogar davon, dass die Kallarischokolade eine der besten Schokoladen der Welt, oder zumindest Südamerikas sei, was bestimmt nicht nur als Schmeichelei gedacht war.

Es kommt immer anders, als man denkt

Mit dieser kleinen Exkursion in den Bereich der Schokoladenherstellung endete mein offizieller Aufenthalt in Ecuador. Zeit für ein Fazit: Als ich in Ecuador ankam, hatte ich vor 22 Comunidades zu kartieren, was von vorneherein zum Scheitern verurteilt war. Aber selbst die danach ausgewählten fünf Beispielgemeinden waren nicht zu schaffen. Es war mir in meiner Zeit lediglich möglich, zwei Comunidades zu kartieren und selbst das war in anbetracht der extrem schwierigen Koordination kein Zuckerschlecken.

Stattdessen verbrachte ich viel Zeit damit auf Leute und Transportmöglichkeiten zu warten, Leute zur Mitarbeit zu motivieren, meine Arbeit und deren Notwendigkeit zu erklären und mit unmöglichen Situationen umzugehen. Das Sprichwort: "Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt" ist eine Erfindung Ecuadors und machte meine Arbeit äußerst spannend. Was mich immer wieder erstaunte, war die Hilfsbereitschaft fremder Leute.

Diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist es auch, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. In diesem Land ist es möglich, dass man den Busfahrer fragt, ob er wisse wo das nächste Hotel gelegen ist und man anstelle einer Antwort im seinem Bus durch die Straßen gefahren wird - zum nächsten verfügbaren Hotel.

Mehr Gelassenheit und Toleranz

Jedem, der Abenteuerlust verspürt, kann ich dieses wunderbare Land bestens empfehlen. Dabei sollte man aber den Kontakt mit der Bevölkerung nicht scheuen. Gerade im ländlichen Bereich wird man nicht enttäuscht werden. Zurück in Deutschland und mit der wachsenden Dinstanz betrachtet, vermisse ich immer noch einige Eigenarten der ecuadorianischen Gesellschaft. Vieles nimmt man dort einfach viel gelassener und mit viel mehr Toleranz, während das Leben hier in geordneteren Bahnen verläuft. Etwas mehr Gelassenheit täte uns ganz gut und etwas mehr geordnete Bahnen der Entwicklung in Ecuador.

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