GEO schützt den Regenwald e.V.

Naturschützer auf der Flucht

GEO 8/2006 berichtete vom Streit um den Intag, ein Nebelwald-Territorium in Ecuador. Nun ist der Kampf eskaliert: Carlos Zorrilla, einer der wichtigsten Naturschutz-Vertreter in der Region, berichtet, er werde von der Polizei massiv bedroht. Er ist untergetaucht

Carlos Zorilla ist einer der führenden Vertreter der Naturschutz-Organisation DECOIN, die sich gegen den Bau einer Kupfermine im Intag-Regenwald von Ecuador engagiert. In der Auseinandersetzung mit dem Bergbau-Konzern Ascendant habe er schon viele Einschüchterungsversuchen erlebt, sagt er - telefonischen Todesdrohungen etwa, auch anonyme Falschanzeigen gegen ihn bei den ecuadorianischen Polizei-Behörden. Trotzdem hatte Zorilla immer gehofft, es würde niemals zu Szenen kommen wie jenen vom 17. Oktober 2006:

Um 6.15 Uhr erhielt ich per Telefon eine Warnung: Eine große Gruppe von Polizisten sei auf dem Weg zu mir. Ich zögerte nicht lange: Oft schon hatte ich dieses Szenario mit meiner Familie besprochen, und weil uns klar war, dass die Beamten nur hinter mir her sein konnten, versteckte ich mich in der Nähe im Wald.

Es waren 17 Polizisten in kugelsicheren Westen, einige trugen Maschinenpistolen, manche waren maskiert. Sie bedrohten meine Frau, meinen Sohn und meinen Angestellten Roberto, der mir auf der Farm hilft, und erklärten ihnen, sie hätten einen Haftbefehl gegen mich, den sie meiner Familie aber nicht aushändigten, sondern nur vorlasen. Darin wurde ich des Diebstahl beschuldigt, ohne dass genauer spezifiziert wurde, was ich gestohlen haben sollte.

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Musste untertauchen: Carlos Zorilla

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Umweltschützer mit Weitblick: Carlos Zorilla kämpft für die Bergregion

Die Polizisten durchsuchten mein Haus, warfen Hunderte von Büchern aus dem Regal, nahmen CD-ROMs und DVDs mit, einige Tausend Dollar in bar und eine Bankkarte. Nach einer Stunde etwa beendeten die Polizisten die Suche und sagten sinngemäß, sie hätten nichts finden können und müssten sich auch noch um andere Dinge kümmern. Daraufhin ging einer der Polizisten noch einmal ins Haus. Als er wiederkam, hielt er eine Pistole sowie einen Plastikbeutel mit Marihuana in der Hand. Er gab vor, beides im Zimmer meines Sohnes hinter Büchern gefunden zu haben.

Da ich diese Gegenstände noch nie gesehen habe, gehe ich davon aus, dass der Polizist sie gezielt dort platziert hat, um mich belasten zu können. Ich vermute, dass Mitarbeiter des Bergbaukonzerns "Ascendant" hinter dieser Aktion stehen. Ich möchte Sie bitten, mir dabei zu helfen, diesen abscheulichen Justizmissbrauch an die Öffentlichkeit zu bringen und juristisch dagegen vorzugehen."

Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" und der Verein "GEO schützt den Regenwald e.V." setzen sich dafür ein, die Umstände und Hintergründe des Vorfalls genauer aufzuklären und dem Naturschützer Rechtsbeistand zukommen zu lassen.

Spenden für Anwalts- und Gerichtkosten erbitten wir unter dem Stichwort "Zorilla" auf das Spendenkonto von "GEO schützt den Regenwald" Deutsche Bank Hamburg, Konto-Nr. 0 544 544, BLZ 200 700 00. Weitere Infos unter www.decoin.org.

Vorformulierte Protestschreiben als PDF