GEO schützt den Regenwald e.V.

Eskalation im Kupferminen-Konflikt um Intag/Ecuador

Minengegner halten Paramilitärs nach Anschlag auf Regenwalddorf sechs Tage in Kirche gefangen. Um die Situation zu entspannen, verbietet die ecuadorianische Regierung dem beteiligten kanadischen Unternehmen weitere Bergabau-Aktivitäten für einen befristeten Zeitraum

Der Konflikt um eine mögliche Kupfermine im Nordwesten Ecuadors (siehe GEO 8/2006 und den GEO.de-Artikel über Carlos Zorilla) verschärfte sich im Lauf der vergangenen Monate, als der Bergbau-Konzern Ascendant Copper versuchte, das entsprechende Territorium im Nebelwald des Intag unter Kontrolle zu bekommen. Den Höhepunkt und das vorläufige Ende der Gewaltausschreitungen im mittlerweile zweijährigen Konflikt verzeichnete die erste Woche im Dezember. Nach einer Reihe von Anschlägen auf die Minengegner und Geiselnahmen beider Seiten gelang es Vertretern der nationalen Regierung schließlich zu vermitteln.

Der Streitpunkt der Unruhen, das Kupfer, gehört nach Expertenschätzungen zu den größten noch nicht ausgehobenen Vorkommen der Welt. Würde es ausgehoben, bedeutete dies ein aufgerissenes und bebautes Gebiet von 1.351 ha in einer Region, die mit ihrer großen Artenvielfalt, einen der vorderen Plätze auf der weltweiten Biodiversitaetsliste einnimmt. Von den ca. 15.000 Bewohnern Intags sind nach Vermutungen der lokalen Institutionen zwei Drittel gegen diese Kupfermine.

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Sicherheitsleute gehen mit Waffen und Tränengas gegen Naturschützer vor

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Minengegner und Paramilitärs auf dem Weg zur Entwaffnung

Denn die Rechte auf die Aushebung des Kupfers hatte die Regierung Ecuadors schon 2004 verkauft ohne die betroffenen Gemeinden und Institutionen zu konsultieren, wie es Artikel 88 der Verfassung vorschreibt. Später organisierten die übergangenen Gremien entsprechende Abstimmungen. Die Mehrheit der Bewohner stimmte gegen eine Aushebung. Die Gemeinden zogen vor Gericht und verloren. Seitdem schützen sie eigenständig ihr Gebiet mit Straßensperren.

Das kanadische Bergbau-Unternehmen versuchte schon Mitte September und Anfang November gewaltsam auf die von ihm, laut DECOIN, illegal erworbenen Grundstücke vorzudringen. Am Samstag, dem zweiten Dezember, rückten nun erneut ca. 25 bewaffnete Männer einer Sicherheitsfirma zum Kontrollposten an der Grenze der Gemeinde Junín im Zentrum der Konfliktregion vor. Die bezahlten Sicherheitsleute versuchten gewaltsam einzudringen. Sie schossen um sich und sprühten Tränengas in die Menge der Naturschützer. Nach wenigen Minuten zogen sie sich zurück, ein Bauer erlitt einen Streifschuss am Bein.

Eine weitere Gruppe von bewaffneten Männern wurde im umliegenden Regenwald entdeckt und die Polizei um Hilfe gebeten. Am darauffolgenden Tag entwaffnete eine Gruppe von mehr als 100 Minengegnern die 56 Paramilitärs und Sicherheitsleute, führte sie aus dem andienen Dschungel nach Junín und schloss sie wiederum in der Kirche ein. Die Polizei hatte sich nicht beteiligt, da sie ihre Neutralität wahren wollte.

Seit dem Sieg des linksliberalen Rafael Correa in den Präsidentschaftswahlen Ende November rechneten die Minengegner mit massivem Druck von Ascendant Copper. Es war zu erwarten, dass sie versuchen würden in der Region Fuß zu fassen, bevor die neue Regierung Mitte Januar vereidigt werde.

Sofort nach bekannt werden des Vorfalls am 2. Dezember 2006 machten sich Dutzende von Minengegnern aus der Region auf den teilweise tagelangen Weg nach Junín. Minenbefürworter nahmen fünf dieser Umweltaktivisten und Vertreter der lokalen Regierung vor den Augen der Polizei als Geiseln und gaben sie erst im Austausch gegen zuvor von der Gemeinde festgehaltene Männer frei.

Nach einer Woche heftiger Auseinandersetzungen zwischen Minengegner und -befürwortern gelang es dem international renommierten Bürgermeister von Cotacachi, Auki Tituaña, Yolanda Viteri vom Ministerium für Energie und dem Vizeminister für Arbeit den Konflikt zu schlichten.

Am 9. Dezember schließlich unterzeichneten sie ein Dokument, das Ascendant Copper jegliche Bergbau-Aktivitäten in der Region verbietet, bis die vom Gesetz vorgeschrieben Schritte unternommen sind. Die Polizei führte die Paramilitärs und Angestellten der Sicherheitsfirma ab.

Die Euphorie über die Auflösung war zwar groß, aber die Situation ist immer noch explosiv. Der Menschenrechtsbeobachter Luis Guerra der ecuadorianischen Organisation COSDHI ist vorsichtig mit einer positiven Prognose für die Zukunft: "Es ist noch lange nicht zu Ende. Ascendant Copper wird weiter angreifen; mit legalen Mitteln. Sie werden Gerichtsverfahren gegen die Aktivisten einleiten und versuchen, die Bevölkerung mit Geschenken und Geld von ihrem Plan zu überzeugen. Was die Leute jetzt tun müssen ist, Alternativen für nachhaltige Entwicklung bieten, die Machenschaften der Firma an die Öffentlichkeit bringen und vor allem Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten."

Auch im Januar hat Ascendant Copper noch nicht alle bewaffneten Männer abgezogen. Es gibt kein verstärktes Polizeiaufgebot in Intag, wie es in Aussicht gestellt worden war. Übergriffe von Schlägertrupps hat es bereits gegeben. Die Bevölkerung in Junín fühlt sich nach wie vor stark bedroht und rechnet mit weiteren Anschlägen.