GEO schützt den Regenwald e.V.

Mangrovenschutz in den Sundarbans, Indien

Dieses Projekt mit der Karl Kübel Stiftung verbessert die Lebensumstände der Bevölkerung und sorgt für Küstenschutz durch Mangroven.

Über die Region

Die Sundarbans (dt.: "schöner Wald") sind das größte weltweit noch existierende Mangrovengebiet. Es erstreckt sich zwischen Indien und Bangladesch im Mündungsdelta des Ganges und anderer großer Ströme über eine Fläche von 10.000 Quadratkilometern.

Mangroven spielen eine wichtige Rolle als Kinderstube für viele Meereslebewesen, die dort Schutz und reichlich Nahrung finden. Mangroven schützen vor allem auch das Hinterland vor der zerstörerischen Kraft von Sturmwinden und Tsunamiwellen.

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Erodierte Uferzonen müssen dringend durch Bäume gefestigt werden

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Die Menschen von Rangabelia sind Kleinbauern und Fischer

Das Projektgebiet liegt auf der Insel Satjalia im indischen Teil von Sundarbans. Die fünf Dörfer der Insel gehören zum Distrikt South 24 Paraganas. In Rangabelia ist das Projektbüro der implementierenden Organisation, Tagore Society For Rural Development. Abgesehen von Landwirtschaft und Fischerei, gibt es so gut wie keine Einkommensmöglichkeiten. Daher ist der Erhalt des natürlichen Lebensraums für die Menschen von besonderer Bedeutung und Dringlichkeit.

In der Region sind aufgrund der Bodendegradierung die Anbaubedingungen erschwert, die landwirtschaftlichen Erträge gering, das Einkommen als Tagelöhner unsicher. Die Menschen vor Ort gehören den niedrigsten Kasten Indiens an ("Scheduled Casts") und sind so auch im Landesvergleich benachteiligt.

Hintergrund des Projekts

Trotz vieler Schutzbemühungen hält weltweit die Zerstörung von Mangrovenwäldern an - vor allem aufgrund des erhöhten Bevölkerungs- wachstums. Die Mangroven schwinden durch illegale Gewinnung von Feuer- und Bauholz, Infrastruktur- maßnahmen und die Errichtung von Aquakulturbetrieben (wie etwa in Ecuador).

Die Gesamtfläche der globalen Mangrovenwälder ist nur schwer zu bestimmen. Eine Studie der FAO (2001) ergab, dass weltweit weniger als 15 Millionen Hektar von Mangroven bedeckt sind - 1980 waren es noch 19,8 Mio Hektar, also 25 Prozent mehr. Die größten Verluste in den 1980er Jahren gab es in Brasilien, Indonesien, Pakistan und Mexiko. In jüngeren Jahren hat sich der dramatische Schwund der Mangrovenflächen wieder verlangsamt.

Dauer

Dezember 2007 bis Dezember 2010 (Projekterweiterung ab 2012)

Ziele

  • Erhalt der Schutzfunktion der Mangroven
  • Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge
  • Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten

Aktivitäten

Aufforstung und Verdichtung von Mangroven

Auf einer Fläche von 125 Hektar sollen Mangroven neu gepflanzt werden. Hierzu sammeln freiwillige Helfer und Kinder die angeschwemmten Samen von Mangroven, die dann in Baumschulen zum Keimen gebracht werden. Auf einer Fläche von zehn Hektar werden spezielle Nutzbaumarten wie Bäume zur Feuerholzgewinnung und heimische Fruchtbaumarten gepflanzt.

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Kleiner Junge mit Mangrovensamen

Renovierung von 120 Bewässerungsteichen

Große Teiche fangen das Regenwasser während der Monsunmonate auf und speichern es, denn eine Ertragssteigerung in der Landwirtschaft ist nur durch eine zuverlässige Zufuhr von Süßwasser zu erreichen. Mithilfe der Teiche können zusätzlich 100 Hektar Fläche bewässert werden, wovon etwa 250 Familien profitieren.

Vergabe von Saatgut

Zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge und der Ernährung soll Saatgut verteilt werden.

Fortschritte

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Hier werden die Mangroven-Setzlinge gezogen

Nach kurzer Verzögerung aufgrund der Wahlen im März 2008 entwickelte sich das Projekt in allen Aspekten sehr gut - bis Ende Mai 2009 der Zyklon AILA zu verheerenden Verwüstungen führte. Deichanlagen wurden zerstört und Felder überflutet. Die Karl Kübel Stiftung leistete daraufhin Nothilfe.

Die Folgen des Wirbelsturms AILA haben sowohl der lokalen Bevölkerung als auch der indischen Regierung dramatisch vor Augen geführt, wie extrem gefährdet die Siedlungen in den Sundarbans sind: Ohne Mangrovenbannwälder ist ein Überleben der Menschen hier nicht möglich.

Trotz dieses schweren Rückschlags, der auch die ersten Projekterfolge zunichte machte, war die weitere Entwicklung des Projekts sehr gut.

Die Gemeinden haben Aufforstungskomitees gegründet, deren Mitglieder regelmäßig in Umwelt- und Mangrovenschutz fortgebildet worden sind. Die Komitees sind für die Organisation und Überwachung der Neuanpflanzung von Setzlingen und die Verdichtung in bereits ausgedünnten Mangrovenbeständen zuständig. In den Baumschulen kommen rund 70 Prozent der Mangrovensamen zum Auskeimen. Nach drei bis vier Wochen werden die Schößlinge in kleine Plastikbehälter gepflanzt, in denen sie im Verlauf von zwei bis drei Monaten zu Setzlingen heranreifen.

Zwischen 2008 und 2010 wurden insgesamt mehr als 205 Hektar Mangroven gepflanzt, um die Ufer und Dämme zu schützen. Die Überlebensrate der Mangroven liegt bei 85 Prozent.

Außerdem wurden 13.590 Baumsetzlinge an 1510 Familien verteilt. Im unmittelbaren Umfeld ihrer Häuser ausgepflanzt, sollen sie die Menschen mit Obst, Brennmaterial und Futter für das Vieh versorgen.

Aufgrund der intensiven Mitarbeit der Dorfbewohner, die alle Ausschachtungs- und Säuberungsarbeiten übernommen haben, waren bei Projektende 120 Wasserbecken restauriert; 45 von ihnen mussten nach AILA von eingedrungenem Salzwasser befreit werden.

In allen Projektdörfern wurden "Spargruppen" für die Vergabe von Kleinkrediten sowie etliche Projekt-Arbeitsgruppen gegründet. Hervorzuheben ist, dass auch die Frauen der Region an den Treffen aktiv teilnehmen. Bedenkt man die Zerstörung durch den Tropensturm AILA, ist es erstaunlich, dass bereits 20 Prozent der Kleinkredite zurückgezahlt worden sind. Die Laufzeiten der Kredite sind bis Ende 2012 terminiert. Die Kreditnehmer zahlen weiter in kleinen Raten zurück - in einen Fond aus dem dann künftig weitere Kredite vergeben werden können.
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Die Vergabe von Kleinkrediten wird genau dokumentiert

Fazit: Wie Michael Holländer von der Karl Kübel Stiftung bei seinem Besuch im Februrar 2010 feststellen konnte, sind inzwischen auch die größten Skeptiker vor Ort von der Bedeutung des Küstenschutzes durch Mangroven überzeugt. Seit dem Wirbelsturm AILA ist das Interesse der Bevölkerung enorm: Denn nur dort, wo Mangroven vor den Dämmen wachsen, haben die Deiche selbst der Jahrhundertflut standgehalten.

Unsere Partner

Implementiert wird das Projekt vor Ort durch die "Tagore Society For Rural Development", Partner der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, mit der GEO schützt den Regenwald e.V. seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet.

Das Projekt erhält auch Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Letzte Aktualisierung: Dezember 2011

Mehr zur Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

Die Fotos einer Mitarbeiterin der Karl Kübel Stiftung dokumentieren, wie die Projektarbeit des Mangrovenschutzprojektes auf Rangabelia vor Ort aussehen und voranschreiten. Liebevoll eingefangene Momentaufnahmen vermitteln einen leisen Eindruck über das Leben der Menschen und wie erste Schritte zur Verbesserung ihrer Situation umgesetzt werden

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