GEO schützt den Regenwald e.V.

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NEUES AUS DER INTAG-REGION UND ECUADOR

Juni 2017 - Carlos Zorrilla, der Direktor von DECOIN, berichtet hier vom Ergebnis der Nationalwahlen in Ecuador

Kopf-an-Kopf-Rennen um die Macht
Laut Verfassung durfte der ecuadorianische Staatschef Rafael Correa nach zwei Legislaturperioden nicht ein weiteres Mal kandidieren. So ging der konservative Kandidat und Ex-Banker Guillermo Lasso gegen Lenín Moreno von “Alianza País” – der seit 2007 an der Macht befindlichen linken Parteienkoalition Correas – ins Rennen. Da beim ersten Wahlgang kein eindeutiger Sieger ermittelt wurde, musste die Entscheidung in einer zweiten Wahlrunde fallen. In dieser Stichwahl vom 2. April errang Moreno den Sieg über Lasso, mit nur 2,3 Prozent Vorsprung. Lasso legte offiziellen Protest wegen Wahlbetrugs ein. Erst nachdem die Nationale Wahlkommission einen Teil der Wählerstimmen ein zweites Mal ausgezählt hatte, kühlten die Gemüter ab: Es blieb dabei – Moreno ist der neue Präsident. Nach diesem Sieg ist das Land ebenso gespalten wie vorher. Bis heute gibt es noch immer eine Menge Ecuadorianer, die davon überzeugt sind, dass die Wahlkommission das Ergebnis manipuliert hat, um der “Alianza País” weiterhin die Macht zu sichern. Zum Teil begründen sich die Zweifel darin, dass die meisten Wählerbefragungen Lasso den Sieg vorhergesagt hatten.

Strafe für Meinungsforscher
Die Macht der amtierenden Regierung ging so weit, dass sie Strafen gegen vier Fernsehkanäle verhängte, weil diese die Ergebnisse der Befragungen veröffentlicht hatten. Und sie zieht gegen einen Meinungsforscher vor Gericht, der die angeblichen Falschinformationen veröffentlicht hat. Dies illustriert ein zentrales Thema, das die Nation polarisiert: Die Bedrängung der unabhängigen Presse und Medien durch die Regierung. Nicht nur die UN, Human Rights Watch und andere Organisationen kritisieren dies scharf. Diese Handlungsweise der Regierung heizt auch die Opposition der meisten indigenen Gruppen, Gewerkschaften, Naturschützer, Journalisten und sozialen Verbände Ecuadors an.

Wenn die Rechte links ist und die Linke rechts
Zu den merkwürdigsten Aspekten dieser Wahl gehörten die Standpunkte der Kandidaten hinsichtlich sozialer, ökologischer und finanzpolitischer Themen. Der Kandidat der „Konservativen“ setzte sich für die Rechte der Gemeinden und gegen Bergbau- und Erdöl-Unternehmen ein (was die Regierung Correa von Anfang an abgelehnt hat). Und versprach darüber hinaus, Bergbau in Höhenlagen über 2.800 Meter über dem Meeresspiegel zu verbieten, sowie in Regionen außergewöhnlicher Artenvielfalt und in solchen, die reich an Wasserressourcen sind. All diese Aspekte werden üblicherweise mit der Linken assoziiert. Lasso betonte auch das Recht auf freie Meinungsäußerung und kündigte an, dass er die Staatsausgaben und –schulden mindern würde, die in den vergangenen zehn Jahren exponentiell angestiegen sind. Dagegen vermied es Moreno, der Kandidat der linken „Alianza País“, eine Position gegenüber dem sehr kritischen Thema Bergbau einzunehmen. Ecuador ist die einzige Andennation, in der noch keine großen Erzabbau-Vorhaben realisiert werden. Niemand jedoch erwartet, dass Moreno wesentlich von Correas aggressiven Öl- und Bergbau-Entwicklungsplänen abweichen wird. Moreno versprach, den autoritären Kurs von Correa zu verlassen, sagte auch zu, die freie Presse zu respektieren und offen zu sein für die Vielfalt an Meinungsäußerungen.

Ein Sklave von Schulden
Die Angebote von Lasso machten Mut hinsichtlich der umweltpolitischen Zukunft von Ecuador, speziell von Intag. Ich bin mir allerdings darüber im Klaren, wie schwierig es geworden wäre, die meisten der großen Bergbaupläne zu beschneiden. Was nun Moreno genau umsetzen wird, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die Regierung hat große Schulden aufgenommen, um für soziale Dienstleistungen zu bezahlen und Löcher im Staatshaushalt zu stopfen. Mit anderen Worten: um an der Macht zu bleiben. Es ist hilfreich sich zu vergegenwärtigen, dass China der Hauptgeldgeber Ecuadors ist – der größte Kupfer-Verbraucher weltweit. Und während der vergangenen Monate hat die Regierung die Bergbauindustrie drastisch dereguliert; es ist deutlich einfacher und kostengünstiger geworden Erze abzubauen. Höchst freizügig hat die Regierung Millionen von Hektar Land neu als Bergbau-Konzessionsgebiete ausgewiesen. Nach heutigem Stand sind hierfür 12 Prozent der Landesfläche vorgesehen – vier Mal mehr als noch vor einem Jahr. Die Intag-Region ist davon sehr stark betroffen: 85 Prozent der Wälder, Flüsse und Gemeinden liegen jetzt in Konzessionsgebieten. Völlig unklar bleibt jedoch, ob es auch nur in einer dieser Konzessionen Bergbau geben wird.

Fazit: Um die phantastische Artenvielfalt und die Flüsse und Bäche von Intag zu bewahren, werden die Gemeinden weiterhin auf ihre eigenen Anstrengungen vertrauen müssen und auf die wertvolle Unterstützung durch den Rest der Welt. So wie wir es in den vergangenen 22 ½ Jahren getan haben.

Mai 2017 - In diesem Bericht erzählt Carlos Zorrilla von DECOIN, wie sich das Kaffeeprojekt in Intag über die Jahre weiterentwickelt hat

Im vergangenen Monat habe ich berichtet, dass DECOIN 1998 mit dem Kaffeeverkauf begonnen hat, um Einkommen für die Bewohner der Intag-Region zu erwirtschaften. Wie sich herausstellte, war das jedoch schwierig: Der zeitliche Aufwand war groß, wir mussten also unsere übrige Arbeit in der Organisation vernachlässigen. Zudem war der Kaffee ungleichmäßig geröstet, weil wir keine professionelle Röstmaschine hatten. Dennoch glaubten wir weiterhin an den Erfolg des Produkts. Denn die Bedingungen für die Kaffeeproduktion in unserer Region – Höhenlage, Temperatur und Niederschläge – sind ideal. Und so entschlossen wir uns, die spanische Nichtregierungsorganisation „Ayuda en Acción“ um Hilfe zu bitten. Und wir gründeten eine neue Organisation, AACRI (Asociación Agroartesanal de Caficultores Río Intag), die sich um sämtliche Kaffeebelange kümmern sollte. Zum ersten Treffen kamen gerade mal ein halbes Dutzend Kaffeebauern aus Apuela sowie etliche Mitglieder von DECOIN und von Ayuda en Acción.

Grüner Kaffee
Gleich bei unserem ersten Treffen beschlossen wir, den Namen “Café Río Intag” beizubehalten. Außerdem sollte AACRI sich für Umweltbelange engagieren. Natürlich bedeutete das auch, dass der Kaffee unter großen Schattenbäumen wachsen musste, dass er soweit wie möglich nach Bio- und Fair-Trade-Maßstäben produziert werden sollte. Die Mitglieder der Organisation durften außerdem keine Bergbauvorhaben unterstützen.

Halleluja - Schluss mit verbranntem Kaffee!
Dank finanzieller Unterstützung der spanischen Hilfsorganisation konnten wir endlich eine professionelle Röstmaschine anschaffen, Räumlichkeiten mieten und die Kaffeeproduktion langsam steigern. Zu Beginn produzierten die wenigen Kaffeebäume hinter den Häusern der Mitglieder nur ein paar Dutzend 100-Pfund-Säcke; heute beträgt die Gesamtproduktion der 162 Socios von AACRI rund 1.400 Säcke!

Als Erstes begann die Assoziation mit der intensiven Weiterbildung der Bauern. Sie lernten, wie die Produktion nachhaltig gesteigert werden konnte und begannen, mit anderen Kaffee- varietäten zu experimentieren, die resistenter gegen Krankheiten sind. 1998 wurde in Intag fast nur die Sorte “Typica” angebaut – eine große Pflanze, die gut an das feuchte Klima angepasst ist. Die Sorte Typica hat zwar vergleichsweise geringe Erträge, und sie ist auch nicht so resistent gegen Krankheiten wie etwa „Caturra“. Andererseits schmeckt Typica vorzüglich; viele Kaffeekenner mögen diese Sorte am liebsten. Sie ist auch mein Favorit und die Varietät, die auf meiner Finca am häufigsten verbreitet ist.

Dann kamen die Japaner
Die Gründung von DECOIN, genauso wie die von AACRI, erfolgte als Antwort auf das Kupferbergbau-Vorhaben, das die Region ab Mitte der 1990er Jahre bedrohte. Damals finanzierte die japanische Regierung dieses Projekt. Und bei den Probebohrungen wurde leider festgestellt, dass sich ein großes Kupfervorkommen hunderte Meter tief unter ursprünglichem Bergnebelwald erstreckte, in dem Dutzende vom Aussterben bedrohte Tierarten leben.

Die Bedrohung unserer Gemeinden, Nebelwälder, Flüsse und Bäche hält bis heute an. Und das, obwohl zuerst die Japaner, später dann das kanadische Bergbauunternehmen Ascendant Copper, ihre Vorhaben aufgeben mussten. Heutzutage sind es zwei staatliche Bergbauunternehmen, Codelco aus Chile und Enami aus Ecuador, die die Exploration im Regenwald weiterführen.

Der japanische Importeur „Organic Coffee“ erfuhr von dem Bergbauprojekt seines Heimatlandes und von unserer Kaffeeinitiative und beschloss, die Intag-Kaffeebauern zu unterstützen. Organic Coffee war 1998 der erste Kaffeekäufer aus Übersee und bezahlte Fair-Trade Preise für den Café Río Intag von AACRI, obwohl die Assoziation nicht offiziell zertifiziert war. Der Besitzer, Herr Nakamura, hat AACRI auch dazu ermuntert, den Kaffeeanbau auf organische Produktion umzustellen. Zweifellos war die bis heute andauernde Kooperation mit Organic Coffee immens wichtig, um einer kleinen Produzentenorganisation wie AACRI weitere internationale Märkte zu erschließen und unser Ziel zu erreichen, einen der besten Kaffees von Ecuador, und der Welt, zu produzieren. 

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Die Goldtangare ist eine in Südamerika beheimatete Vogelart aus der Familie der Tangaren. Sie lebt in tropischen und subtropischen Regenwäldern

April 2017 - Carlos Zorrilla von DECOIN berichtet heute vom Beginn der Geschichte des berühmtesten Exportprodukts aus der Intag-Region:

„Café Río Intag” ist der Markenname von Arabica -Kaffee, den Kleinbauern im Intag-Tal von Ecuador  produzieren. Die Vermarktung übernimmt seit 1998 eine Organisation namens AACRI , so ihr spanischer Kurzname. Die Ernte 2017 wird auf 65 Tonnen geschätzt. Bedeutende Mengen dieses Kaffees werden in Ecuador vermarktet, doch ein Großteil wird auch nach Frankreich, Kanada  und Japan, sowie in die USA exportiert. Der Export-Kaffee ist größtenteils mit dem BIO-Siegel der deutschen Organisation Öko Garantie BCS ausgezeichnet. Zusätzlich bemüht sich AACRI, das Fair Trade-Siegel zu erhalten.
 
Ein Kaffee mit Geschichte
Café Río Intag und die AACRI sind beide eng verknüpft mit der Umweltschutzorganisation DECOIN und mit dem 22 Jahre andauernden Kampf der Intag-Bewohner gegen die Genehmigung eines großen Kupfer-Bergbauvorhabens. Und doch findet dieser interessante Aspekt der Entstehungsgeschichte von AACRI bei der Vermarktung des Kaffees keinerlei Erwähnung. Hier der erste von zwei Berichten über den Kaffee aus Intag. Übrigens: Ich bin einer der Begründer des Kaffee-Projekts und sein Mentor.

1996: Ein schwieriges Jahr
Anfangs war das Kaffeeprojekt Teil jener Aktionen, die eine Tochtergesellschaft des japanischen Unternehmens Mitsubishi daran hindern sollten, im Toisan-Gebirge von Intag Kupferabbau zu betreiben, denn dieses Gebirge ist für seine bedeutende biologische Vielfalt bekannt. 1996 war das zweite Jahr des Widerstands gegen das Bergbauvorhaben. Mit DECOIN suchte ich nach Mitteln und Wegen, Kosten zu decken, die den Gemeinden durch ihre Widerstandsaktionen entstanden. Kaffee schien eine gute Option zu sein. Viele Menschen in der Region bauten auf ihrem Land Kaffee an, verfügten bereits über Erfahrungen mit der Kultur. Zudem ernten die Intag-Bewohner auch nur die reifen, roten Kaffeekirschen– das ist sehr wichtig, denn nur die Verwendung reifer Kirschen garantiert optimale Kaffeequalität. In vielen Kaffee produzierenden Regionen werden dagegen alle Kaffeekirschen der Pflanze, ob reif oder nicht, geerntet, ganz einfach, weil das die Arbeit erleichtert! Außerdem liegt Intag größtenteils auf mehr als 1200 Meter ü.d.M. – die perfekte Höhe für eine gute Arabica-Kaffeekultur. Zudem wird fast der gesamte Kaffee der Region im Schatten von Baumkronen Bäume kultiviert, was im Einklang mit dem Zielen von DECOIN steht, die biologische Artenvielfalt zu schützen. Zu guter Letzt war auch wichtig, dass ich selbst schon damals Kaffee produzierte und meine Freunde bei ihren Besuchen immer feststellten, dass mein Kaffee wunderbar schmeckte.

Erste Verkäufe
Mit dem Verkauf von Intag-Kaffee begann DECOIN 1997; Bekannte und zwei Restaurants in Otavalo waren die ersten Abnehmer. Anfangs kauften wir nur den Kaffee einiger Freunde in Apuela. Die Frauen übernahmen die Aufgabe, die Kaffeebohnen zu rösten. Doch es war knifflig, in den großen Lehmschüsseln („tiestos“) über offenem Feuer eine gleichmäßige Röstung hinzukriegen. Oft wurden die Bohnen überröstet. Und es war nicht einfach, den Kaffee zu verkaufen.
Schon damals wurde uns klar, dass wir einen Markennamen brauchten, um unser Produkt von den übrigen zu unterscheiden. Und so wurde die Idee von Café Río Intag geboren. Auf dessen Logo: der Blattschnabel-Blautukan. Diese Tukan-Art kommt nur im Südwesten Kolumbiens und im Nordwesten Ecuadors vor. Auf diese Weise betonen wir die Bedrohung der Artenvielfalt durch Kupfer-Bergbau. Als Verpackung nutzen wir handgewebte Säckchen aus Sisal, die eine Frauengruppe aus Intag herstellte. Die Naturfaser Sisal wächst in der Region. Auch 20 Jahre später wird Café Río Intag in Ecuador noch in der schönen Verpackung angeboten.

Die Geburt der Kaffee-Vereinigung
Und so ging es bei DECOIN weiter bis der Kaffeeverkauf für uns zu zeitraubend wurde. Außerdem wollten wir das Kaffeegeschäft weiter ausbauen – als wirtschaftliche Alternative zum Bergbau. Zum Zweck der Vermarktung wurde 1998 also eine Organisation namens AACRI , so ihr spanischer Kurzname, ins Leben gerufen. Die AACRI hat heute 162 Mitglieder und insgesamt profitieren vom Kaffeeanbau und –verkauf rund 400 Familien.

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Auch 20 Jahre später wird Café Río Intag in Ecuador noch in der schönen Verpackung mit dem Blattschnabel-Blautukan angeboten

März 2017 - Projektpartner Carlos Zorrilla schreibt über den Weltwassertag und die Reaktion der Intag-Bewohner auf die Wasserkrise

Vor fast 40 Jahren, 1978, als ich mich in Intag niederließ, erhielten die rund 16.000 Bewohner der Region ihr Wasser aus ungeschützten Flüssen und Bächen. Das Wasser wurde nicht mit Chlor desinfiziert. Tausende tranken also Wasser, das über Viehweiden oder Ackerflächen geflossen war, verschmutzt war mit Tierexkrementen oder Pestiziden aus der Landwirtschaft. Der Großteil der Bevölkerung war geradezu haarsträubend desinteressiert, wo ihr Wasser herkam, selbst die lokalen Regierungen hatten kein echtes Interesse, die Bewohner mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Möchte jemand Wasser mit Schaum?

Einmal sagte mir jemand, das Wasser aus dem Hahn in Apuela sei schaumig, weil der Besitzer des Landes, wo das Wasser seinen Ursprung nimmt, gerade Sisalfasern waschen würde. Die Sisalpflanze enthält Saponine, natürliche Giftstoffe! Für mich war es unglaublich, dass niemand den Landbesitzer zur Rechenschaft zog. „Es ist sein Land, was können wir schon dagegen machen!” kommentierten die meisten meiner Mitmenschen, als ich meiner Wut Ausdruck verlieh. Ich erinnere mich auch noch genau an den Du-musst-verrückt-sein-Gesichtsausdruck als ich zum ersten Mal fragte, ob ich das Leitungswasser problemlos trinken könne. „Aber nein, du musst das Wasser vorher 15 Minuten lang kochen!”, war die Antwort – das war damals die Standardempfehlung der Gesundheitsberater an die Gemeinden. Genug Menschen sind dem Rat nicht immer gefolgt, oder sie hatten nicht immer genug Zeit, um es zu tun. Die Folge: Parasitenbefall war bei Kindern aus Intag die häufigste Krankheitsursache. Ein Problem, das auch viele andere Länder, im “unterentwickelten” Teil der Welt haben.

Doch verschmutztes Trinkwasser war nicht das einzige Wasserproblem in Intag. Schon damals litten viele Gemeinden jedes Jahr unter Wasserknappheit, während der drei bis vier Monate andauernden Trockenzeit. Das lag überwiegend am Bevölkerungswachstum, das den Druck auf die Wasserquellen erhöhte, vor allem aber an dem fehlenden Wissen über die Verbindung zwischen Abholzung und Wasserversorgung. Kurz gesagt: Die Menschen beschwerten sich über den Wassermangel in der Trockenzeit, während sie in den Wassereinzugsgebieten ihrer Gemeinde selbst zur Abholzung beitrugen.  

Die Vereinten Nationen mischen sich ein

Es war 1993 als die Vereinten Nationen den 22. März zum “Weltwassertag” erklärten, um die Aufmerksamkeit der Welt auf jene Probleme zu lenken, mit denen Intag und die meisten Länder der Welt zu kämpfen hatte. Obwohl seither tatsächlich bedeutende Fortschritte gemacht worden sind, sterben jeden Tag 1800 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die auf verschmutztes Wasser zurückgehen1. Das entspricht ungefähr 50 Busse voll mit Kindern! Schmutziges Trinkwasser, zu wenig Wasser, schlechte Hygiene und fehlende Toiletten sind die Hauptschuldigen für dieses nicht zu entschuldigende Verbrechen.

Intag’s Antwort

Im Jahr 1995 half ich mit, DECOIN zu gründen, die Bürgerinitiative, die hier in Intag aktiv ist, um die bedrängten Wälder und deren bedrohte Bewohner zu schützen. Und obwohl unser wichtigster Feind der Kupfer-Bergbau war – eine Gefahr, die bis heute Intag zu entwalden droht und die Flüsse und Bäche mit Schwermetallen verseuchen würde – haben wir uns auch um die Wasserversorgung gekümmert.  Wohl wissend, dass wir ohne die Bewahrung der Wälder im Intag, auch für die Sicherung des Trinkwassers keine dauerhafte Lösung finden würden.  Im Jahr 1997 begann endlich das Projekt zur Schaffung von Gemeindewäldern und den Schutz der Wassereinzugsgebiete. Dank dieser Initiative haben nun die meisten Intag-Bewohner sicheres Trinkwasser zur Verfügung, zudem besitzen und schützen 41 Gemeinden 12.000 Hektar Wald und Wassereinzugsgebiete, aus denen das jetzt sichere Wasser stammt. Gleichzeitig sind diese Gebiete Rückzugsgebiet für die dutzenden von Pflanzen- und Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Die beiden Initiativen sind eng miteinander verquickt. Und dank unserer Umweltbildungsprogramme verstehen die meisten Menschen in Intag inzwischen den Zusammenhang zwischen Wald- und Wasserschutz.

Intag’s Antwort auf die Wasserkrise geht weit über die Versorgung mit sicherem Trinkwasser und den Schutz bedrohter Arten hinaus. Vielleicht der wichtigste Aspekt der Zusammenarbeit mit Projektpartnern wie LichtBlick und “GEO schützt den Regenwald” ist, dass wir zum Modell für andere Teile der Welt geworden sind, wo ähnliche Probleme herrschen. An diesem 22. März wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass weitere Gemeinden weltweit unserem Beispiel folgen – um das Leben von Kindern zu retten.

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Februar 2017 - Carlos Zorrilla, Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier über die Bergbaupolitik in Ecuador und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit:

In jüngster Zeit erregte das Vorgehen der Regierung von Ecuador gegen Nichtregierungs-Organisationen, die die Landespolitik kritisieren, weltweit Aufmerksamkeit – auch bei fünf Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen, die im Januar 2017 die folgende Stellungnahme veröffentlichten:

“Wie es scheint, löst die Regierung Ecuadors systematisch Organisationen auf, sobald sich diese zu deutlich äußern oder durch Infragestellung der offiziellen Landespolitik auffallen. Diese Strategie die Zivilgesellschaft zu ersticken, wurde mithilfe zweier Erlässe umgesetzt – Nr. 16 und 739 – die es den Machtinhabern ermöglichen, jede Art von Organisation aufzulösen.”

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

Diese ungewöhnlich scharfe Kritik durch die Vereinten Nationen folgte auf den Versuch der Regierung, die älteste Umweltorganisation des Landes, „Acción Ecológica“, aufzulösen. Die Organisation wurde falsch beschuldigt, soziale Medien benutzt zu haben, um die Gewaltbereitschaft beim Aufstand der Shuar-Indianer gegen ein großräumiges Kupferbergbau-Vorhaben im Süden des Landes zu schüren. Der Aufstand erfolgte im Dezember 2016 und hatte den Tod eines Polizisten zufolge. Ein Verbrechen, das noch nicht aufgeklärt worden ist. Die Shuar versuchten, einen Teil ihres angestammten Landes von einer chinesischen Bergbaufirma zurückzufordern, nachdem die Regierung die Bewohner gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben hatte, um Platz für die chinesische Infrastruktur zu machen.

Das Vorgehen der Regierung

Die Regierung antwortete mit der vorübergehenden Außerkraftsetzung sämtlicher Bürgerrechte in der ganzen Provinz Zamora Chimchipe, in der sich die Konfrontation abspielte, und schickte tausende Elitepolizisten und Militärs in die Region. Mehrere Häuser wurden durchsucht, und etwa ein Dutzend Führungspersönlichkeiten der Shuar und Kleinbauern wurden ohne Haftbefehl verhaftet, und ein kompletter Nachrichtenstopp verhängt. Aufgrund in- und ausländischer Proteste gegen das Vorgehen der Regierung und Unterstützung für Acción Ecológica, stoppte die Regierung Anfang Januar schließlich die Auflösung der Organisation. Doch selbst Ende Januar herrschen in der Provinz noch immer besatzungsähnliche Bedingungen.

Acción Ecológica ist nicht die einzige Umweltorganisation, die die Regierung im Visier hat, weil sie gegen die Bergbaupolitik Widerstand leistet. Im Dezember 2013 wurde die Stiftung Pachamama geschlossen, da diese den Widerstand indianischer Volksgruppen gegen die Öffnung neuer Ölförderungsgebiete in der Amazonas-Region unterstützte. Gegen Acción Ecológica und Pachamama kamen die gleichen Regierungserlässe zum Einsatz3. Was diese NROs gemeinsam haben ist, dass sie die Rechte von Gemeinden und Urvölkern unterstützen, um friedlich gegen das aggressive Vorantreiben von Öl- und Bergbauvorhaben auf dem Land der Urbevölkerung, Widerstand zu leisten.

Im Intag - eine andere Taktik

DECOIN ist eine weitere Organisation im Visier der Regierung aufgrund ihres Widerstands gegen die Umsetzung von Bergbauvorhaben. Während der vergangenen 22 Jahre hat DECOIN mit sieben Bezirksregierungen und 36 Gemeinden zusammengearbeitet, um 12.000 Hektar Nebelwald im Intag, dessen Artenvielfalt sowie die Trinkwasserversorgung tausender Bewohner zu bewahren. Obwohl die in der Veröffentlichung der Vereinten Nationen genannten Erlässe nicht gegen uns gerichtet worden sind, haben wir den Unmut der Regierung auf andere Weise erfahren. Bislang bestand die Taktik der Landesregierung darin, die Mitglieder des Führungsgremiums von DECOIN öffentlich zu verleumden. Denn im Intag möchte die Regierung großräumige Bergbauvorhaben vorantreiben, koste es was es wolle.

Aufgrund der bekannten Auswirkungen auf die Umwelt in dem fragilen Ökosystem des Nebelwalds mit hoher Artenvielfalt, ist unser Widerstand gegen Bergbau selbstverständlich. Unseren Widerstand vertreten wir offen und wir unterstützen das Recht der Gemeinden, gegen diese Form der “Entwicklung“ aufzustehen. Zurzeit sind dutzende neue Bergbaukonzessionen durch Firmen beantragt, die die meisten Wälder, Flüsse und Gemeinden in der Intag-Region betreffen – auch viele Schutzwälder.

Obwohl nur wenige Bergbaupläne je in Abbau münden und es unsicher ist, ob die Konzessionen bewilligt werden, müssen wir wachsam bleiben und unsere Arbeit weiterführen. Gerade jetzt stehen wir in Verhandlung mit den Besitzern von 1300 Hektar Wald und Wassereinzugsgebieten, die wir für Gemeinden und Lokalregierungen käuflich erwerben möchten.

Am 19. Februar wird in Ecuador ein neuer Präsident gewählt. Zwei der führenden Gegenkandidaten zur derzeitigen politischen Führung haben ihre Bereitschaft erklärt, die jetzige Bergbaupolitik zu überprüfen, und sie haben versichert, dass sie den Willen von Gemeinden hinsichtlich Erzabbau und Ölförderung zu respektieren. Wir können nur hoffen, dass sie die verfassungsmäßigen Rechte wahren werden - wie Menschenrechte, Gemeindekonsultation, die Rechte der Natur sowie Meinungsfreiheit – und eine nachhaltige Entwicklung tatsächlich unterstützen werden.

Das Ergebnis der Wahl wird für uns ungeheuer wichtig.

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Demonstration in Quito gegen die Bergbauvorhaben im Intag (Februar 2017)

Januar 2017 - Zu Beginn des neuen Jahres berichtet Carlos Zorrilla, der Projektpartner von LichtBlick und „GEO schützt den Regenwald“, von seinen wilden Nachbarn:

Zu jeder Morgendämmerung in dieser Zeit des Jahres, wache ich zum Gesang des Gelbbauch-Kernknackers auf - ein leuchtend gelber Vogel mit schwarzen Flügeln und einem Lied, dass mir das Herz erwärmt und dabei hilft, schnell aus dem Bett zu kommen. Wenige Minuten bevor der Gelbbauch-Kernknacker sein Konzert beginnt und die übrigen Vögel in sein Lied einstimmen, um den Tag einzuläuten, höre ich manchmal von meiner Terrasse aus noch den melancholischen Gesang des nachtaktiven Urutau-Tagschläfers. Dieser Vogel begrüßt den beginnenden Tag von seinem Nachtplatz aus. Oft bin ich wach und höre bei einem Kaffee die letzten Töne seines Liedes, bevor er dann zu seinem Tagessitz in wenigen Metern Entfernung von meinem Haus fliegt. Er ist so perfekt an seine Umgebung angepasst, dass er wie die Verlängerung eines abgebrochenen Aststücks aussieht.

Um diese Jahreszeit sind die Zugvögel aus den USA bei uns zu Gast. Ihre Ankunft fällt in die Zeit, in der die Früchte einiger Baumarten zu reifen beginnen. Die Bäume habe ich gepflanzt, um Vögel anzulocken - inzwischen wohne ich in einem Paradies für Vogelbeobachter. Arten wie der knallrote Sommertangar, der Rosenbrust-Kernknacker und die Zwergdrossel konkurrieren mit zwanzig heimischen Tangar-Arten um die unwiderstehlichen Früchte von Ameisenbaum, Trompetenbaum oder Guarumbo (ein Nachtschattengewächs) und Bananenstauden. Gleichzeitig öffnen sich einige Blüten der Passionsblumen, die verschiedene Kolibri-Arten anlocken. Wenn die Früchte reifen, spricht sich das unter den Vögeln herum und immer mehr Arten erscheinen, um das Festessen nicht zu verpassen. Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Guarumbo innerhalb einer einzigen Stunde dreißig Vogelarten gezählt! Schließlich kam ein Blutbürzel-Arassari angeflogen, und alle übrigen machten sich fluchtartig auf und davon. Dafür gibt es einen guten Grund, denn dem leuchtend grünen Tukan mit dem roten Fleck an seinem unteren Rücken sagt man nach, dass er kleine Vögel frisst.

Es ist Vorteil des Ortes, an dem ich lebe und vor allem von meiner Freiluftterrasse, dass ich meine Kamera auf ein Stativ montieren kann und während des Kaffeetrinkens Vögel fotografieren kann.

Natürlich habe ich auch wilde Nachbarn, die keine Vögel sind. Bei Neumond ist es mir praktisch unmöglich, mein Haus von Nachtfaltern frei zu halten. Angezogen vom Licht scheinen sie sogar Öffnungen in mein Wohnzimmer zu finden, von denen ich nicht einmal ahnte, dass es sie gibt! Sitzen die Falter erst einmal auf der Wand, sind sie atemberaubend schön. Vor zwei Nächten besuchte mich im Haus eine Kröte mit einem auffallenden, goldenen Strich auf dem Rücken. Da ich sie nie zuvor gesehen hatte, steckte ich sie in einen Behälter, um sie am nächsten Tag zu fotografieren; sie scheint der großen Gruppe der Regenkröten anzugehören (Gattung Pristimantis). Und vergangene Woche entdeckte ich beim Abwasch, gleich neben der Geschirrablage, eine trockene Haut, die eine ziemlich große Schlange hinterlassen haben muss!

Säugetiere sind im Bergnebelwald weitaus seltener als im Tieflandregenwald, dennoch gibt es welche. Am häufigsten sehe ich Eichhörnchen. Die verspeisen wahrscheinlich mehr von meinen Avocados als ich selbst, und sie lieben auch meinen Bananen. Meine Maniok-Ernte teile ich mit den Agutis. Der Aguti ist ein Nagetier, das einem überdimensionalen, merkwürdig aussehenden Hamster ähnelt.  

In der vergangenen Woche erschrak eine Frau, die unterwegs nach Santa Rosa war, als plötzlich ein ausgewachsener Puma vor ihr auf den Weg sprang. Ich hatte auch mal das Glück, einem dieser großartigen Tiere im Wald zu begegnen. Ein Nachbar traf letztes Jahr ein Brillenbär-Weibchen mit ihrem Nachwuchs an der gleichen Stelle, an der ich selbst einem kleinen roten Mazama, einem Zwerghirsch, begegnet bin - zwei der Arten, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion stehen.

Das sind nur einige meiner wilden Nachbarn. Menschliche Nachbarn habe ich auch, nur sind die nicht ganz so wild.

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[1] Eine Hörprobe des Gelbbauch-Kernknackers gibt es hier: http://bit.ly/2iaTkki

[2] Hörprobe des Urutau-Tagschläfers: http://bit.ly/2hrFTIr

Dezember 2016 - Projektpartner Carlos Zorrilla schreibt über seine Spaziergänge zum Wasserfall und eine Kröte namens Langnasen-Stummelfuß:

Ein Wasserfall voller Überraschungen

Mein Zuhause ist nur zehn Minuten zu Fuß von einem wunderschönen 20 Meter hohen Wasserfall entfernt. Fast jeden Tag mache ich einen Spaziergang dorthin, mit meinem Golden Retriever Monte, der sich auf die tägliche Abkühlung freut. Abgesehen von kurzen Unterbrechungen, gehören diese Spaziergänge seit 37 Jahren zu meiner täglichen Routine. Fast nie verlasse ich das Haus ohne Kamera und von allem, was ich entdecke, mache ich Bilder. Nun könnte man meinen, dass ich als routinierter Naturbeobachter nach fast vier Jahrzehnten nichts Neues mehr vorfinde. In einem anderen Ökosystem wäre das möglich. Aber nicht im Nebelwald von Intag, wo ich lebe und arbeite.

Vor ein paar Tagen sah ich an der Kaskade zum Beispiel eine Eidechse, die mir im Wald um mein Haus vorher nie begegnet war. Zwei Tage vorher habe ich eine neue Art von Laubheuschrecke fotografiert. Meiner Meinung nach ist sie der Wissenschaft bislang unbekannt. In diesem Jahr habe ich auch Lurche gesehen, die mir in früheren Jahren entgangen sind, und das gleiche gilt für Nachtfalter-Arten. Seit Jahren locke ich Nachtfalter mit einer Lichtfalle an, um sie zu fotografieren - und fast jede Nacht begegnet mir eine Art, die ich zum allerersten Mal sehe. Diese ungewöhnliche Artenvielfalt beruht auf der Lage von Ecuador in den Tropen, auf den riesigen Höhenunterschieden und verschiedenen Niederschlagsmustern im Land. Ecuador ist so interessant, dass jeder einzelne Spaziergang durch den Wald aufs Neue Freude macht!

Spitze in Artenvielfalt und -Gefährdung

Aus den genannten Gründen gehört Ecuador zu den 17 „mega-vielfältigen“ Ländern der Erde. Beispielsweise gibt es hier mehr Orchideen- und Kolibri-Arten als selbst in Brasilien - das 32 Mal größer ist. Doch in der Andennation Ecuador sind auch mehr Pflanzen- und Tierarten gefährdet als in jedem anderen Land der Erde: Laut der neuesten Statistik sind 2.306 Arten sogar vom Aussterben bedroht – mehr als in Brasilien, Mexiko und den USA. Dafür verantwortlich sind vor allem Abholzung und Erosion. Die Tatsache, dass die ecuadorianischen Ökosysteme in den Tropen zu denen gehören, die am besten untersucht worden sind, macht es natürlich leichter, Verluste von Arten zu dokumentieren.

Zu den bedrohten Tieren zählen alleine 174 Arten von Amphibien, Froschlurchen. Und das bringt mich zu einer Kröte, die im März 2016 wiederentdeckt worden ist.

Der Langnasen-Stummelfuß lebt!

Bis die Daten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN aktualisiert werden, gilt die Langnasen-Stummelfuß-Kröte (lateinischer Artname: Atelopus longirostris) als ausgestorben. Das liegt daran, dass sie zuletzt im Jahr 1989 gesichtet worden war. Der Name ist schon merkwürdig für eine Kröte. Das Tier ist nur 35 Millimeter lang von der „Nasenspitze“ bis zum Hinterteil. Doch als man es nach 27 Jahren erstmals wieder zu Gesicht bekam, war das eine großartige Nachricht für die Biologen, die mit dem Artensterben der Amphibien befasst sind. Besonders, weil dies weltweit der einzige Ort ist, wo diese Krötenart gesichtet worden ist.

Die Langnasen-Stummelfuß-Kröte hat ein Experte entdeckt, den DECOIN angeheuert hatte, um einen Artenkatalog für das Waldschutzgebiet der Gemeinde Junín zu erstellen. Dieser Wald – den DECOIN 1998 gekauft und als Gemeindewald unter Schutz gestellt hat – ist durch ein großes Kupferbergbau-Vorhaben in seinem Erhalt gefährdet. Waldschutzgebiete sind wichtig

Der Fund unterstreicht die Bedeutung von Waldschutz in diesem Hotspot der Artenvielfalt, zu dem die Intag-Region gehört – und die Unterstützung durch LichtBlick, im Intag so viel Wald und Tier- und Pflanzenarten zu erhalten wie irgend möglich.

Sie, die LichtBlick-Kunden, helfen mit, den kostbaren Nebelwald zu erhalten. Während ich diesen Bericht schreibe, ist das Team von DECOIN damit befasst, die Dokumentation für drei neue Waldschutzgebiete abzuschließen. Damit Arten wie der Langnasen-Stummelfuß und zahllose andere weiterhin eine Chance zum Überleben haben.

Herzlichen Dank für Ihr Engagement und alles Gute zum Jahreswechsel,

Carlos Zorrilla

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November 2016 - Carlos Zorrilla berichtet hier von der Frauenkooperative der kleinen Intag-Gemeinde El Rosal

Seit einigen Jahren hat LichtBlick an Weihnachten jeweils Vorhaben von Organisationen der Intag-Region mit einer speziellen Spende bedacht. Die Weihnachtsspende 2015 wurde geteilt zwischen zwei Organisationen, die beide im Intag-Tal wichtige Arbeit leisten, zwischen der Casa Palabra y Pueblo (über sie wurde bereits in einem vorangehenden Newsletter berichtet) und der Frauengruppe von El Rosal. Die Entscheidungsfindung, welche Anschaffungen mit der Spende finanziert werden sollen, hat einige Zeit in Anspruch genommen, doch seit einigen Monaten ist die neue Ausrüstung in Betrieb nehmen.

Erfolgreiche Kleinunternehmerinnen

In Intag – wie in praktisch allen ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern – haben es Frauen besonders schwer, eine bezahlte Arbeit zu finden. Um 2004 kamen einige Frauen der kleinen Ortschaft El Rosal auf die Idee, ihre Familien durch den Verkauf handgemachter Seifenstücke, Cremes und Shampoos zu unterstützen. Der Name, unter dem die Kooperative heute registriert ist, lautet übersetzt „Handwerkliche Vereinigung der Landfrauen von El Rosal. Laut Gründungsmitglied Carmen Ruiz sind sechs Frauen ständig mit von der Partie; wenn viel zu tun ist, sind es sogar zehn. Ihrer Produktreihe gaben sie den Namen “Naturaloe”. Die namensgebende Aloe vera-Pflanze wächst in den Gärten der Gemeinde, gleich vor der Haustür. Die Produkte werden selbst in Übersee, in den USA und in Spanien geschätzt, doch der Großteil der Produktion wird in Ecuador vermarktet.

Produkte für den Fair Trade-Markt

Die Großabnehmer sind allesamt Fair Trade-Organisationen, so in Spanien „Xarxa Consum Solidari“, die die Produkte von El Rosal in ganz Katalonien verkauft; der „Kassenschlager“ ist dort das Aloe Vera-Seifenstück. Zuhause in Ecuador hat die Vereinigung El Rosal dutzende Abnehmer, darunter die “Casa de Intag” in Otavalo, die speziell Handgefertigtes aus dem Intag verkauft und FEPP in Quito. Vor mehr als vier Jahrzehnten wurde FEPP durch katholische Priester gegründet. Deren Absicht: das Leben der Armen zu verbessern, auf eine solidarische Entwicklung der Menschheit hinzuarbeiten. Camari, einer der Partner von FEPP, hilft der Kooperative beim Export ihrer Produkte und verkauft sie in drei eigenen Läden mit einem Umsatz von fast 20.000 Dollar im Jahr 2015.

Riesentöpfe bringen große Erleichterung

Die Frauen investierten die Spendensumme in zwei 115 Liter-Stahltöpfe, die sie dringend benötigen, um ihre Produktion an Seife zu erhöhen. Die durch die Lichtblick-Spende ermöglichten Anschaffungen erleichtern die Arbeit der Frauen deutlich - bei jeder Seifenproduktion macht sie sich aufs Neue bezahlt. Denn die Kleinunternehmerinnen können in den Riesentöpfen viel mehr Seife auf einmal kochen, können größere Bestellungen viel schneller abarbeiten als bisher. Die stählernen Töpfe sind zudem viel leichter zu reinigen. Und auch über einen ganz anderen Aspekt freuen sich die Nutzerinnen: Als sie die Seife mit den alten Aluminium-Töpfen kochten, füllte fast unerträglicher Rauch den Raum – das ist jetzt zum Glück vorbei.

Vorbild für die Jugend

Die Frauen möchten in ihrer Arbeit und der Kooperative ein konkretes Angebot für die junge Generation in der Gemeinde sehen, denn viele verlassen die Gemeinde nach Abschluss der Schule, in der Hoffnung einen besser bezahlten Job in der Stadt zu finden. Natürlich stärken die Mitglieder der Kooperative mit ihren Aktivitäten auch die finanzielle Situation der Familien. Und sie spüren, dass sie durch ihr selbst erwirtschaftetes Einkommen eine bessere Kontrolle über ihr Leben haben – unabhängiger sind von den Launen ihrer Ehemänner.

Pläne, Wünsche und Träume

Natürlich würden sie sich über wirtschaftlichen wachsenden Erfolg ihrer Produkte freuen. Doch in erster Linie wünschen sie sich, dass die Intag-Region dauerhaft von Bergbau verschont bleibt. Sie haben Pläne, ein kleines Orchidarium in Ihrer Gemeinde zu errichten, um mehr Touristen in ihre Gemeinde zu locken. Sie spielen auch mit dem Gedanken, einen Laden oder Café in der Bezirksstadt García Moreno zu eröffnen, um dort die eigenen Produkte und die anderer Organisationen der Region anzubieten. Und sie möchten alleinerziehende Mütter einstellen, um deren Leben zu erleichtern.

Freiwillige willkommen

El Rosal bietet Freiwilligen aus aller Welt die Möglichkeit, den Alltag in ihren Familien mitzuerleben, bei ihrer Arbeit mitzuwirken. Etliche Freiwillige hatten bereits das Glück, Zeit mit den Frauen und ihren Angehörigen zu verbringen, sie bei der Herstellung von Seife und anderen Produkten zu unterstützen. Viele der Freiwilligen kommen aus Deutschland. Es ist ein Gewinn für beide Seiten. Und es spiegelt ihre Lebensphilosophie der Frauen von El Rosal wider.

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Germania Haro, Gründungsmitglied von El Rosal, mit Aloe Vera

Oktober 2016 - Der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, berichtet hier über die aktuellen Herausforderungen und Erfolge beim Waldschutz

Schutzwald wächst weiter

In den vergangenen neun Monaten gab es reichlich Frustration und harte Arbeit, aber auch Triumpfe für den Naturschutz in der Intag-Region. Dank der Kooperation mit LichtBlick und “GEO schützt den Regenwald” konnte DECOIN allen bürokratischen Hürden zum Trotz zwei weitere Waldkäufe für Gemeindeschutzgebiete abwickeln. Seit Beginn des LichtBlick-Projekts im Jahr 2005 konnten bislang mehr als 6.500 Hektar als Gemeindewald dauerhaft unter Schutz gestellt werden – Wald, der zu den artenreichsten und am meisten bedrohten der tropischen Welt gehört und der nun durch Gemeinden und lokale Regierungen geschützt wird.

Privileg der Intag-Bewohner

Wirklich bemerkenswert ist, dass dank Lichtblick, “GEO schützt den Regenwald” und Partnern aus anderen Projekten die Intag-Bewohner pro Kopf über mehr geschützte Waldfläche verfügen als die irgendeiner anderen Region, die mir bekannt ist. Insgesamt schützen 47 Gemeinden und Lokalregierungen fast 13.000 Hektar Wald und Wassereinzugsgebiete in Intag. Für bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist dieser Schutz des Lebensraumes von allergrößter Bedeutung. Die Gemeindemitglieder selbst profitieren durch die Versorgung mit sauberem, kostenlosem Trinkwasser sowie durch Gebiete, die einerseits für Ökotourismusaktivitäten genutzt werden können und andererseits eine natürliche Samenbank für heimische Arten darstellen.

Landkäufe mit Hürden

Für die über 6.500 Hektar Wald, die bislang im LichtBlick-Projekt verhandelt und gekauft worden sind, mussten 44 separate Landkaufprozesse abgewickelt werden. Diese Prozesse sind mit den Jahren immer komplizierter und langwieriger geworden. Während früher bei Kauf und Legalisierung der Flächen nur ein oder zwei Schritte durchlaufen werden mussten, sind es inzwischen neun bis zehn! Vieles hängt davon ab, ob die in der Urkunde des Verkäufers genannte Flächengröße der tatsächlichen Größe des Waldgebiets entspricht. Doch in Intag gibt es zwischen den beurkundeten und den realen Flächengrößen so gut wie immer Diskrepanzen! Zudem muss unser Team häufig Grenzkonflikte zwischen Nachbarn lösen und sicherstellen, dass die Verkaufsurkunde zu 100 Prozent legitim ist, bevor dann der lange Legalisierungsprozess begonnen wird, der Monate in Anspruch nehmen kann.

Wichtige Umweltbildung

Doch nicht nur Waldkäufe werden durch das Projekt finanziert. Seit Beginn unserer Arbeit haben wir Naturschutz ohne Umweltbildung für eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld gehalten. Die Menschen müssen die Gründe kennen, weshalb das Land unter Schutz gestellt werden muss. Auch in diesem Jahr unterstützt LichtBlick unsere Bildungsaktivitäten. Diesmal fördert das Projekt Aktivitäten in der Oberstufe: Die Schüler machen Feldbesuche in Schutzwälder, sie lernen und diskutieren über die biologische Bedeutung des großartigen Nebelwaldes in der Region und die Bedrohungen, denen er ausgesetzt ist. Außerdem haben wir in Sendezeit bei dem lokalen Sender „Radio Intag“ investiert und nutzen diese, um die Bewohner über verschiedene kritische Themen zu informieren. In diesen Radiobeiträgen geht es etwa darum, die Folgen von Bergbau zu schildern oder vor der schädlichen Praxis des Abbrennens von Feldern zu warnen. Einer der Erfolge ist, dass Bauern in diesem Jahr deutlich weniger Flächen abgebrannt haben als in früheren Jahren.

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Der Blick auf die nebelverhangenen Wälder ist einzigartig

September 2016 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier von den Entwicklungen rund um das Erdöl im Nationalpark Yasuní

Im August 2013, vor drei Jahren, erklärte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa die “Yasuní Initiative” für gescheitert. Er gab so den Weg frei für die Gewinnung von Erdöl im 9.800 Quadratkilometer großen Nationalpark Yasuní in Amazonien, in einer der artenreichsten Regionen der Erde. Im Verlauf mehrerer Jahre waren Millionen Dollar dafür ausgegeben worden, um für diese Initiative Werbung zu machen – als idealer Weg zur Überwindung der Klima-Krise.

Der ursprüngliche Plan: Der Urwald bleibt intakt

Laut der Yasuní-Initiative sollten 842 Millionen Barrel Rohöl unter der Erde des Nationalparks bleiben. Im Gegenzug sollte die Weltgemeinschaft 50 Prozent des geschätzten Gewinns aus dem (verhinderten) Ölverkauf an Ecuador bezahlen – insgesamt 3,6 Milliarden Dollar. Die Projektidee wurde als herausragende Umweltinitiative gepriesen. Das Vorhaben würde verhindern, dass 400 Millionen Tonnen schädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangten; die Zahlungen der internationalen Gemeinschaft sollten nachhaltige Einkommensquellen fördern. Zudem würden zwei, in freiwilliger Isolation lebende ethnische Gruppen geschützt, und die unvergleichliche Artenvielfalt der Region Yasuní bliebe erhalten.

Nach Ende der Yasuní-Initiative: Landesweite Proteste

Mit dem Scheitern der Initiative begann eine Zeit polemischer Debatten. Eine davon rankte sich um den  „ökologischen Pfad“, den die Regierung geschaffen hat, um Arbeiter und schweres Gerät zu den abgelegenen Bohrplätzen im Urwald zu transportieren. Wie sich herausstellte, war der “Pfad” bis zu 26 Meter breit. Straßenbau durch unberührte Regionen bringt zwangsweise Entwaldung und Umweltschäden mit sich; er hat außerdem drastische Auswirkungen auf jene Waldbewohner, die bislang kaum Kontakt zur Außenwelt hatten. Dann wurde um den Aufwand gestritten, den eine Volksabstimmung mit sich bringen würde, die endgültig über das Schicksal von Yasuní entscheiden sollte. Yasunidos, die wichtigste Bürgerbewegung gegen die Ölbohrungen, sammelte Unterschriften für ein solches Referendum, sogar 25 Prozent mehr Unterschriften als nötig. Doch die Nationale Wahlkommission erklärte die Hälfte dieser Stimmen für ungültig. Somit hatte sich das Thema Volksabstimmung erledigt – obwohl zuvor nationale Umfragen gezeigt hatten, dass 76 Prozent der Ecuadorianer für ein Referendum waren! Diese Entscheidung führte zu großen, teilweise gewalttätigen, Protesten im ganzen Land. Im Anschluss gingen mehr und mehr Bürger auf die Straße, um auch gegen andere Regierungsvorhaben zu protestieren. Und oft waren es indigene Gruppen, die die Demonstrationen organisierten, da sie ihre Rechte in Gefahr sahen.

Ölgewinnung in Yasuní: Zu hohe Kosten?

Inzwischen sind die Ölbohrtürme installiert. Noch im August hat das erste Barrel Öl aus Yasuní Amazonien verlassen. Yasunidos ist zu einer bedeutenden Oppositionsbewegung gegen die Regierung von Correa geworden. Zudem durchlebt das Land eine schwere Wirtschaftskrise. Denn ein großer Teil seiner Einkünfte basiert auf Erdöl. Der Preis für Rohöl ist auf einem Niedrigstand. So lag der Ölpreis pro Barrel im Jahr 2013, als Correa die Yasuní-Initiative aufkündigte, noch bei 100 Dollar, heute jedoch erreicht er nur 40 bis 50 Dollar. Viele Experten zweifeln, ob die Ölgewinnung in Yasuní – selbst aus rein finanzieller Sicht – sinnvoll ist. Denn in einer so abgelegenen Region wie Yasuní Schweröl zu gewinnen, dieses über weite Strecken zu transportieren und dann zu verarbeiten, bringt sehr hohe Extrakosten mit sich. Unverdrossen gibt Correa im Juli 2016 bekannt, dass die Yasuní-Ölvorkommen 40 Prozent größer seien als ursprünglich geschätzt und lässt weiter nach dem Öl bohren.

Trotz Protest: Die Regierung bleibt bei ihrem Kurs

Jedenfalls war die Regierung Correa noch nie so unpopulär wie heute. Die Öffnung des Urwalds für die Ölgewinnung im Südosten des Landes und hunderte von Anträgen für neue Bergbaukonzessionen in Ecuador zeigen eines sehr deutlich: Correa beabsichtigt weiter auf dem Kurs der Ausbeutung von Bodenschätzen zu bleiben. Traurig nur, dass Ecuador vor dem Ende der Yasuní-Initiative auf gutem Weg war, sich ein neues Entwicklungsmodell zu eigen zu machen, eines das teilweise auf seiner biologischen und kulturellen Vielfalt basiert. Mit jedem Tag wird diese Hoffnung kleiner.

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Der Nationalpark Yasuní gilt als einer der Orte mit der größten Artenvielfalt weltweit

August 2016 - Eva Danulat, Geschäftsführerin von „GEO schützt den Regenwald“ lernt wie Panela, der köstliche Rohrzucker, produziert wird

Gesunde Süße in Lateinamerika

Wenn ich auf meinen Besuchen bei DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla frühstücke, begeistern mich immer wieder aufs Neue die Pfannkuchen mit „Panela“. Der karamellfarbene Rohrzucker ist typisch für unsere Projektregion, duftet ebenso intensiv wie er schmeckt – ich mag wirklich alles daran! Umso größer meine Freude als Keith und Marisol Bunds, die Nachbarn von Carlos, uns einladen, bei der Produktion von Panela dabei zu sein. 

Auf dem 20-minütigen Fußweg füttert mich Carlos mit Fakten. Panela ist ein nicht-raffinierter Zucker, der vor allem im nördlichen Lateinamerika und in Indien hergestellt und gegessen wird. Im Vergleich zu dem Europa  ganz überwiegend konsumierten weißen Kristallzucker, ist Panela viel gesünder; denn dessen mineralischer Anteil, bestehend aus Eisen, Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium und Selen, ist 50 Mal größer als bei weißem Zucker; auch viele Vitamine bleiben erhalten.

Meist sind es Kleinbauern, die Panela produzieren und  sich so ein Einkommen erwirtschaften. Schätzungsweise 50.000 kleine Panela-Manufakturen  halten in Lateinamerika die Wirtschaft im ländlichen Raum in Schwung und geben mehr als einer Million Menschen Arbeit. Allein in Kolumbien, nach Indien der zweitgrößte Produzent weltweit, sind 350.000 Menschen in der Panela-Produktion beschäftigt. Die Herstellung ist ohne großen technischen Aufwand möglich: Zuckerrohrsaft wird so lange eingekocht  bis sich der Zucker herauskristallisiert. Das Aroma der süßen Köstlichkeit stammt von der Melasse, die in Panela erhalten bleibt.

Vom  Zuckerrohr zur Panela

Als wir auf der Finca von Keith und Marisol eintreffen, erleben wir ein Kollektiv von zehn jungen Leuten unter einem Wellblechdach, das trotz schwerer körperlicher Arbeit und Gluthitze Spaß zu haben scheint. Zwei, drei Helfer stecken die auf der Finca geernteten Zuckerrohrstangen nacheinander in eine einfache, motorbetriebene Presse. Der süße, farblose  Saft des Zuckerrohrs fließt unter den wachsamen Augen einer amerikanischen Freiwilligen über eine Holzrinne in einen riesigen Kessel unter dem ein mächtiges Feuer lodert. Dorthin müssen die getrockneten Überreste des Zuckerrohrs  gebracht werden, die als Brennstoff dienen. Der Dampf aus den Kesseln treibt die Mittagstemperatur in schwindelerregende Höhen; gefühlt sind es 50 °C. Nach nur wenigen Minuten Aufenthalt sind auch wir Zuschauer in Schweiß gebadet.

Immer weiter wird der Zuckerrohrsaft eingekocht  bis er sich in sirup-ähnliche, zähe  Melasse, verwandelt hat. Die Melasse wird in hölzerne Wannen gegossen, die meist aus alten, ausgehöhlten Baumstämmen bestehen. Kurz vor der Kristallisation, wird der Zuckerrohrdicksaft dann in Gießformen aus Holz gefüllt. Panela wird sehr hart, wenn es auskristallisiert und wechselt seine Farbe in ein intensives Braun. Nach dem Erkalten lösen sich Panela-Blöcke  etwa von der Größe von Seifenstücken aus den Formen. In seiner natürlichen, harten Form, wird es von Bauern in Lateinamerika als schnelle Energiequelle geschätzt. Das sehr beliebte, streufähige Panela-Granulat ist aufwendiger in der Herstellung: Damit die Panela später gelöffelt werden kann, wird die zähe Rohzuckermasse zunächst in flache Holztröge gegossen. Während des Abkühlungsprozesses müssen starke Arme die Masse unablässig mit Schiebern in Bewegung halten, damit das Produkt am Ende schön krümelig ist.

Immerhin zwanzig Tonnen der süßen Köstlichkeit produziert das Team um Keith und Marisol in einem guten Jahr. Ich darf die eben abgekühlte Panela probieren – der Geschmack ist einfach großartig. Fünf  Pfund davon schleppe ich in meinem Rucksack nach Hause. Und jedes Mal, wenn ich davon koste, denke ich daran, wie toll es war, bei der  Herstellung zuzusehen.

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Der Aufwand für das streufähige Panela-Granulat ist groß: Die zähe Rohzuckermasse wird zunächst in flache Holztröge gegossen. Während des Abkühlungsprozesses müssen starke Arme die Masse unablässig mit Schiebern in Bewegung halten, damit das Produkt am Ende schön krümelig ist

Juli 2016 - Eva Danulat, die Geschäftsführerin von „GEO schützt den Regenwald e.V.“, berichtet von ihrem spannenden diesjährigen Projektbesuch in der Intag-Region:

Wie im Flug vergehen die 75 Minuten im Bus von Otavalo nach Santa Rosa. Früher dauerte die Fahrt oft drei Stunden, erst seit ein paar Monaten ist die ganze Strecke perfekt ausgebaut und asphaltiert. Die schlechte Nachricht: Auf der neuen Straße gab es schon jede Menge Unfälle. Einen davon hatte Projekt-Mitarbeiter Milton Arcos - auf dem Motorrad - wie ich bei unserem ersten Team-Treffen erfahre;  zum Glück sind seine Verletzungen fast verheilt und er kann mich auf einigen der Feldbesuche begleiten. Schnell wird klar: Die Lage im Land ist angespannt, Ecuador durchläuft eine schwere wirtschaftliche Krise, die Regierung steht unter hohem Druck.  Nur aus unserem Projekt gibt es gute Neuigkeiten. Eine spannende Woche liegt vor mir!

Zu Pferd ins Aufforstungsgebiet von Cuellaje

Als die Präsidentin von DECOIN, Silvia Quilumbango, und ich in Cuellaje ankommen, haben ratlose, wütende Eltern gerade das Colegio besetzt. Der Grund: Obwohl das Schuljahr schon vor Wochen begonnen hat, fehlen noch immer zwei Drittel des Lehrpersonals. Sirenen der Polizeiwagen aus Ibarra, stören den örtlichen Frieden, fachen die Wut der Eltern weiter an. Unser Gesprächspartner José Garzón, der Präsident der Bezirksregierung, wird als Vermittler gebraucht und gerufen. Wir müssen unser Planungstreffen später fortsetzen, ziehen den Besuch der kleinen Baumschule im Ort vor. Dort ziehen drei engagierte junge Leute seit dem vergangenen Jahr heimische und bedrohte Baumarten - im Auftrag des neuen Aufforstungsprojekts von „GEO schützt den Regenwald“ und DECOIN. Einige der Flächen im  knapp 3500 Hektar großen Gemeindeschutzwald von Cuellaje, der mithilfe von  LichtBlick-Spenden finanziert werden konnte, wurden Ende 2015  bereits aufgeforstet.

Am nächsten Tag steigen Milton, ein Bezirksvertreter und ich am Ende der Straße, in El Rosario, vom  Auto um auf Pferd. Zwei Stunden reiten wir über steile, teils feuchte und rutschige Pfade die Berge hoch und überqueren mehrere kleine Bachläufe. Dann die Herausforderung: Wir müssen auch den Fluss Cristopamba überqueren. Es klappt! Ich bin heilfroh als mich mein Pferd am anderen Ufer abliefert. Wir satteln ab, gehen zu Fuß weiter. Bis hierher auf 2700 Meter Höhe ü.d.M. haben Maultiere die Pflanzen aus Cuellaje gebracht. Die Baumschulengruppe hat auf drei Flächen fast 3.500 runde  Pflanzlöcher von etwa einem Meter Durchschnitt gegraben und von Hartgräsern befreit - ohne diese Maßnahme haben Bäume hier keine Chance zu überleben. Ich bewundere die Bäumchen, die seit Ende 2015 auf einer ehemaligen Viehweide im Wald gedeihen – noch klein, aber saftig grün und in perfektem Zustand stehen sie in den Pflanzlöchern.  Guarrumbos, Wachspalmen, Cedros, Guanderas und Drachenblutbäume sollen hier die Wunden im Wald bald wieder schließen. Nicht zu vergessen Aguacatillo, dessen Früchte die bevorzugte Nahrung der hier häufig gesehenen Brillenbären sind!

Neuer Schutzwald für Cachayacu Alto

Auf diesem Besuch lerne ich endlich auch die kleine Ortschaft Cachayacu Alto im Intag-Bezirk García Moreno kennen. Sie liegt am Ende einer staubigen, holprigen Straße, die sich die Berge hochschraubt, etwa eine Autostunde entfernt von Apuela. Hier gibt es noch viel Wald. Vor zwei Jahrzehnten hatte die kanadische Minengesellschaft Ascendant Copper Corp. – außerhalb des Kupfer-Konzessionsgebiets - mehrere dutzend Waldflächen gekauft. Nachdem das Unternehmen 2008 die Konzessionen für Kupfer-Bergbau verloren hatte, begann es, die Wälder wieder zu verkaufen. 2015 wandte sich die Gemeinde an DECOIN, bat um Unterstützung des LichtBlick-Projekts beim Rückkauf einer dieser Waldflächen. Der Kaufprozess zog sich über viele Monate hin; im Juli kann er endlich abgeschlossen werden. Zwei Mitglieder der Gemeinde begleiten Armando und mich zur Besichtigung des Geländes. Noch ist es sonnig und klar, doch zu Fuß hätten wir kaum eine Chance das Gebiet zu erreichen, bevor Nebel oder Regenwolken es verhüllen werden. „Lass uns mit dem Motorrad hinauffahren, so weit wie wir kommen!“  Ich steige also hinter Victor Hugo Ramírez (der mir versichert, bislang nur wenige Male gestürzt zu sein) auf ein Geländemotorrad.  Konzentriert und vorsichtig steuert er es über den steilen, kurvigen Weg. Die letzten Kilometer steigen wir zu Fuß durch ein Waldgebiet hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir freie Sicht genießen. Ich bin begeistert: Dichter Nebelwald überzieht die Hänge gegenüber, unzählige Grüntöne zeigen die Vielfalt der Baumarten an. Und: Der neue Wald grenzt an das Schutzgebiet „El Chontal“, das durch den Kauf  erweitert wird. Nach unserer Rückkehr,  beim gemeinsamen Mittagessen, versichern mir Bolivio Pérez und Marcia Ramírez  - beide Bergbaugegner, wie die meisten im Ort - wie wichtig die Projektinitiative für die Gemeinde ist "Wir sind so froh und dankbar, dass dieser Wald zurückgekauft werden konnte; er schützt unser Trinkwasser und wir schützen ihn!".

Ein weiteres Highlight meines diesjährigen Intag-Aufenthaltes: DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla besucht mit mir eine benachbarte Finca am Waldrand, wo im Familienbetrieb köstlicher Rohzucker, lokal unter dem Namen "Panela" bekannt, produziert wird - davon mehr im nächsten Bericht.

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Eva Danulat zu Pferd im Projektgebiet unterwegs

Juni 2016 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über die Bedeutung der Gemeindeschutzwälder in der Intag-Region aus der Sicht eines Begünstigten

Im Laufe der Jahre habe ich viel über die Naturschutzinitiative der Gemeinden berichtet, die ohne Unterstützung der LichtBlick-Kunden nicht möglich wäre. In diesen Berichten ging es vorwiegend um Erfolge, aber auch um organisatorische Hürden bei der Umsetzung der Aktivitäten. Diesmal möchte ich das Projekt aus der Perspektive eines Begünstigten beleuchten, den ich dazu befragt habe.

Vicente Quiguango lebt in einem kleinen Dorf namens Villaflora. Er ist Vorsitzender des Wasserkomitees der Gemeinde und stellt sicher, dass alle Bewohner mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Auf sechs Hektar Land bauen Vicente und seine Frau Teresa Kaffee, Mais, Bohnen, Maniok, Baumtomaten und andere Feldfrüchte an. Sie halten ein wenig Vieh, sowie Hühner für Fleisch und frische Eier.

Wie bei vielen Gemeinden in der Intag-Region, gehören das Land, die Quellen, die Flüsse, aus denen sie ihr Wasser beziehen, nicht ihnen. Als Vicente vor einigen Jahren von dem Projekt von DECOIN zum Schutz der Wassereinzugsgebiete hörte, bat er darum, seiner Gemeinde zu helfen, das Land zu kaufen, aus dem ihr Trinkwasser kommt. Das war der Beginn der langjährigen, guten Beziehung mit der Gemeinde Villaflora, die heute 408 Hektar Wald besitzt. Weitere 827 Hektar Wald, die daran angrenzen, aber zum Bezirk Peñaherrera gehören, dürfen von Villaflora für nachhaltige Tourismusaktivitäten genutzt werden. Die gesamte Waldfläche, mit Ausnahme von 4,5 Hektar, konnte mithilfe der Spenden von LichtBlick gekauft werden.

„Wir sind einfach dankbar. Das Projekt ist eine echte Hilfe, wir beziehen aus dem Wald schließlich unser Trinkwasser. Und der Wald kostete die Gemeinde nichts!“, sagt Vicente. Er ist sich der Bedeutung des Waldes bewusst: „Wälder helfen, das Klima zu regulieren, sie ziehen Regen an und helfen, die Wasserressourcen zu schützen.“

Darüber hinaus weiß Vicente, dass Trinkwasserressourcen in den bewaldeten Schutzgebieten auch in Zukunft wichtig bleiben, besonders, wenn die Gemeinden wachsen und Wasserreserven knapp werden. Eine Beobachtung ist unmissverständlich: Während der Trockenzeit leiden schon heute einige Gemeinden der Region unter Mangel an Trinkwasser.

Auf die Frage, wie es denn der Gemeinde gelingt, das Schutzgebiet zu bewahren, antwortet Vicente „Es ist wichtig, die Grenzen klar abzustecken und das Gebiet durch Patrouillen zu kontrollieren.“.

Was die Zukunft des Schutzgebiets anbelangt, träumt Vicente von einer neuen Einkommensquelle: “Wir möchten hier gerne umweltverträgliche Tourismusaktivitäten aufbauen.“ Was könnten DECOIN und die Spender tun, um die Initiative weiter zu verbessern? “Das Projekt soll weitergehen, und außerdem wäre es toll, wenn ihr uns helfen könntet, den Tourismus bei uns in Gang zu bringen.“

Ich meine: Mit Partnern wie der Gemeinde von Vicente kann die Initiative für den Gemeindeschutzwald nur erfolgreich sein.

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Vicente Quiguango, ein Projekt-Begünstigter der ersten Stunde

Mai 2016 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über ein in der Intag-Region heimisches Gewächs namens Cabuya und dessen Nutzen:

Wenn man die Frauen, die in zwei Gruppen Sisalfaser verarbeiten, fragt, was sie am meisten an ihrer Arbeit schätzen, so kommt sicher sofort als Antwort: die Möglichkeit, einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Doch gräbt man ein wenig tiefer, wird klar, dass ihnen die Gesellschaft der anderen Frauen und der Gemeinschaftsgeist der Gruppe mindestens genauso wichtig sind.

Der Beginn einer starken Frauengruppe

Wie in den meisten ländlichen Gegenden weltweit, ist es für Frauen schwierig, zum Unterhalt der Familie beizutragen. Normalerweise sind es die Männer, die mit ihrer Arbeit (Vieh hüten, Acker bestellen, Ernte einbringen) das Einkommen erwirtschaften. In vielen Kulturen sind Frauen dagegen „nur“ für Kindererziehung, Kochen, Waschen und Haushalt zuständig. Wenn sie Zeit dafür finden, helfen die Frauen den Männern auch noch bei der Feldarbeit. Allerdings erhalten die Männer die Einnahmen für die verkauften Produkte. Und meist haben die Frauen nicht einmal ein Mitspracherecht, wofür das Geld verwendet wird. Auch in der Intag-Region ist kaum bezahlte Arbeit für Frauen zu finden. Bis die Amerikanerin Sandra Statz in den 1990er Jahren die Idee hatte, aus einer festen, vielseitigen Faser, vor Ort bekannt als „Cabuya“ oder „Fique“, Kunsthandwerksartikel für den Verkauf herzustellen – der Beginn der ersten Frauengruppe.

Eine Pflanzenfaser mit jahrhundertelanger Tradition

Die raue, robuste Faser der Cabuya wird aus der Sisalagave (Furcraea andina) gewonnen. Die Pflanze gehört zu einer Gattung der Agavengewächse und ist in der Karibik sowie dem nördlichen Südamerika heimisch. Lange bevor Plastik und Kunststoffe in unser Leben einzogen, wurde die Faser zur Herstellung von Hängematten, Leinensäcken, Schnüren und Seilen verwendet; bis heute werden Seile und Teppiche aus Sisal hergestellt. Und weil das Material so robust und dabei luftdurchlässig ist, werden aus ihm auch die Kaffeesäcke für den Export hergestellt.

Von der Pflanze zum Häkelgarn

Zur Herstellung von Cabuya-Garn werden die drei bis sieben Pfund schweren Blätter mit einem scharfen Messer von der Pflanze abgetrennt und von den Dornen an den Rändern befreit. Mit Hilfe einer einfachen Maschine werden die Blätter anschließend einzeln zerquetscht – zurück bleiben nur die Rohfasern. Diese werden dann gewaschen und an der Sonne getrocknet. Das Rohmaterial wird im Anschluss gefärbt und zu dem Faden verzwirbelt, aus dem schließlich Handarbeiten entstehen. Sandra zeigte den Frauen, wie sie mit Sisalfaser häkeln und schöne Produkte anfertigen, die sie an Touristen des „Intag Cloud Forest Reserve“ verkauften. Für das Färben der Faser verwenden die Frauen ausschließlich Pflanzen aus dem Wald, darunter die Pigmente vom Drachenblutbaum . Das macht die Produkte für die Käufer so attraktiv.

Zusammenhalt macht stark

Wenige Jahre nach Gründung der ersten Frauengruppe, als der Kampf gegen den geplanten Kupferbergbau in der Intag-Gemeinde Junín begann, gab sich die Gruppe den Namen „Mujer y Medio Ambiente“ („Frau und Umwelt“). Sie bekundeten so ihre Solidarität gegen das Bergbauprojekt. Aus privaten Treffen wurde schnell eine 30-köpfige Gruppe von Frauen aus drei verschiedenen Gemeinden. Anfänglich verkauften sie ihre Produkte nur regional, inzwischen exportieren die Frauen ihre Waren sogar nach Japan. Ein weiteres Ergebnis, das neben vielen anderen, positiven Aspekten hervorsticht ist, dass es nun mehr Gleichberechtigung innerhalb der Familien gibt. Sicher liegt das auch an den vielen lokalen Veranstaltungen zum Thema Frauenrechte und Gewalt in Familien. Die Frauen fühlen sich stärker, haben größere Entscheidungsbefugnis. Die Cabuya hat Nachbarinnen zusammen gebracht, die bis dahin kein gemeinsames Ziel, keinen gemeinsamen Traum, verfolgten. Manche von ihnen laufen zwei Stunden zu Fuß zu den Gruppentreffen, die immer noch in der Intag Cloud Forest Reserve gehalten werden, wo die Initiative einst begann.

Zwanzig Jahre ist das jetzt her und die Fraueninitiative ist stärker denn je. Besucher kaufen weiterhin ihre Hüte, Gürtel, Taschen, Netze, Teppiche und andere Produkte – ein Fair-Trade-System, in dem der Erlös direkt die Produzentinnen erreicht. All das, weil eine unscheinbare Pflanzenfaser das Leben der Frauen in den grünen Tälern und Bergen der Intag-Region verknüpft.

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Carlos Zorrilla neben einer Cabuya

April 2016 - Carlos Zorrilla, Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über ein Honigbienen-Projekt in Intag – eine geplante Katastrophe oder eine süße Gelegenheit?

Fremde Bienen für die Intag-Region

Bienenstöcke – vermeintlich von der Europäischen Honigbiene – sind Teil eines kleinen Entwicklungsprojekts, das hiesigen Kleinbauern helfen soll, ihren Lebensstandard zu verbessern und durch den Verkauf von Honig ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Ursprünglich sollten 100 Familien je fünf Bienenstöcke nach entsprechenden Schulungen über Bienenhaltung und einer Eigeninvestition von 230 Dollar pro Familie für Materialkosten erhalten. Nun sind es nur noch 30-40 Familien, die 500 Bienenstöcke bewirtschaften sollen. Zudem verpflichten sich die Kleinbauern, je 300 Baumsetzlinge, darunter Erle, Zeder und Guaba, auf ihrem Land zu pflanzen. Befürworter des Projekts betonen, dass sich die Imker in anderen Regionen von Amerika mit der neuen Bienenrasse erfolgreich arrangiert hätten. Doch diese Bienen sind in der Intag-Region nicht heimisch. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen immer wieder, dass Tiere oder Pflanzen, die eingeführt werden, nicht nur Vorteile bringen. Sie verdrängen heimische Arten, verändern das Ökosystem und können mitunter mehr Probleme verursachen als mit ihnen eigentlich gelöst werden sollten. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Wie kam die Honigbiene nach Amerika?

Vor der Ankunft der Europäer war die Honigbiene weder in Nord- noch Mittel- oder Südamerika heimisch. Dennoch gewannen bereits die Ureinwohner, darunter die Maya, Honig; dieser stammte von den mit den Honigbienen verwandten Stachellosen Bienen (Meliponini). Im Zuge der Kolonisierung führte man dann Europäische Honigbienen (EHB), meist deutsche oder italienische Rassen, ein. Im tropischen Klima erwiesen sich diese Bienen aber als nicht besonders leistungsfähig. Deshalb versuchte man durch die Einkreuzung Afrikanischer Bienen die Leistung der Honigbienen zu erhöhen .

Rapide Ausbreitung der afrikanisierten Bienen

Basierend auf Informationen der Projektbetreiber, erhalten die neuen Imker die Bienenvölker in der Annahme, diese seien harmlos – nur bei unkontrollierten, schnellen Bewegungen oder Missgeschicken wie das Umwerfen einer Kolonie, griffen diese an. Und hunderte Stiche seien nötig, um dem Menschen gefährlich zu werden. Die Projektinitiatoren verbreiten auch das Gerücht, dass Honigbienen 80 Prozent unserer Nahrung bestäuben, eine Behauptung, die schlichtweg falsch ist. Sollten morgen alle Honigbienen sterben, würde man den Effekt kaum spüren, da es schätzungsweise 20.000 andere Bestäuber gibt, darunter Wildbienen und Hummeln. Außerdem sind die meisten Kulturpflanzen – Weizen, Reis, Mais, Hafer, Roggen, Hirse, Tomaten, Kartoffeln, Bohnen, Erbsen und Soja – gar nicht auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Was mich zusätzlich an der Vertrauenswürdigkeit der Projektverantwortlichen zweifeln lässt, ist die schon fast absurde Annahme, dass die Überlebensrate der im Projekt gepflanzten Bäume 98 Prozent betragen werde. Meine jahrzehntelange Erfahrung mit DECOIN zeigt, dass langfristig eine Überlebensrate von 70-90 Prozent je nach Baumart realistisch ist.

Die Fehlinformationen sind besorgniserregend. Selbst wenn alle neuen Bienen europäischer Herkunft friedlich sind, werden sie sich bald mit bereits im Intag entdeckten afrikanisierten Bienen fortpflanzen und mehr und mehr deren Eigenschaften übernehmen. Auffällig bei der afrikanisierten Biene ist die im Vergleich zur Europäischen Honigbiene schnellere Vermehrung und ihre Fähigkeit, sich sehr effektiv mit anderen Bienen zu kreuzen. Da sie viel häufiger ausschwärmen als die EHB bedeutet das, dass aus den ursprünglich 500 Kolonien voraussichtlich tausende unkontrollierte verwilderte Kolonien entstehen. Das ist keine Übertreibung oder Vermutung – man nennt dies aus Erfahrung lernen.

Was uns die Geschichte lehrt

Vor 1957 gab es in Amerika keine einzige Kolonie afrikanisierter Bienen. In diesem Jahr entkamen 26 Schwärme mit afrikanischen Königinnen aus einer Versuchsstation in Brasilien. Sie haben sich seither in ganz Südamerika verbreitet. Pro Jahr legen sie bis zu 300 Kilometer zurück, dringen auf diese Weise immer weiter in die südlichen Bundesstaaten der USA vor. Mit anderen Worten: Die afrikanisierte Biene besitzt die Fähigkeit, sich extrem schnell und erfolgreich auszubreiten. Neben der Konkurrenz um Nahrung mit heimischen Bestäubern (die sie verdrängen können), besetzen sie die Nistplätze vom Aussterben bedrohter Tiere wie etwa der Schleiereule, töten sie sogar. Außerdem übertragen sie einige der 24 Virusarten, die Honigbienen befallen können. Da sie genetisch eine Veranlagung für aggressiveres Verhalten aufweisen und sie ihren Bienenstock viel stärker verteidigen als die Europäische Honigbiene, kommt es häufiger zu tödlichen Angriffen auf Tiere und Menschen. So vor kurzem geschehen bei einem Nachbarn von mir, der durch nur drei Stiche fast an einem anaphylaktischen Schock (eine schlimme allergische Reaktion) starb.

Für und Wider

Ist ein solches Vorhaben überhaupt wirtschaftlich? Wie entwickelt sich der Lebensstandard der Familien durch die Bienenstöcke? Berücksichtigt man, dass der größte Teil der Intag-Region mit Nebelwald bedeckt ist und, dass es pro Jahr mehr als 2000 Millimeter Niederschlag gibt, so können wolkige und kühle Regentage die Honigproduktion mindern und die Imker zwingen, ihren Bienen Zucker zuzufüttern –was das Einkommen schmälert. Niemand weiß, ob die eingeführten Bienen auf Virusinfektionen überprüft werden, bevor sie in die Intag-Region kommen.

Was ist falsch daran, einige hundert Bienenkolonien in die Intag-Region zu schaffen, wenn es dort bereits afrikanisierte Bienen gibt und Imker anderenorts gelernt haben, mit ihnen umzugehen? Für mich lautet die bessere Frage: Ist es angesichts des fraglichen wirtschaftlichen Nutzens klug, hunderte neuer Bienenkolonien einzuführen, die schon bald ein Risiko für heimische Bestäuber, Mensch und Tier darstellen, in einem Gebiet, das eine reiche, schützenswerte Flora und Fauna besitzt?

Selbst wenn Projekte dieser Art gut gemeint sind: Wenn vorab die Sachlage nicht gründlich geprüft wird, können sie großen Schaden in der Natur und beim Menschen anrichten.

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Eine afrikanisierte Biene auf einer Kaffeeblüte

März 2016 - Carlos Zorrilla, Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über die LichtBlick- Aktivitäten in der Intag-Region

Es ist mal wieder an der Zeit, Neues aus der gemeinsamen Projektarbeit von LichtBlick, „GEO schützt den Regenwald“ und DECOIN hier im Intag zu berichten. Eine Nachricht vorweg: Zum Glück sind in unserer Region die Auswirkungen des gefürchteten Wetterphänomens El Niño , das seit Wochen in anderen Teilen des Landes zu Verheerungen führt, bislang kaum zu spüren. Starkregenfluten scheinen diesmal nur die Küste Ecuadors und Ausläufer der Anden heimzusuchen und uns von ihrer zerstörerischen Kraft zu verschonen.

Umweltschutz im Intag

Trotz aller bürokratischer Hürden von Seiten der Gemeinde- und Zentralregierungen, geht unsere Arbeit mit voller Kraft voran. Im vergangenen Jahr konnte das DECOIN-Team 426 Hektar Wald kaufen und als Gemeindewald schützen. Der Kauf von zwei weiteren kleinen Waldflächen hat sich so sehr in die Länge gezogen, dass er nicht vollständig abgeschlossen werden konnte. Diese Waldkäufe werden nun in diesen Wochen abgeschlossen. Das Interesse, die kostbaren Nebelwaldflächen durch Kauf zu schützen ist Dank der Zahl der LichtBlick-Kunden einerseits sowie der lokalen Regierungen andererseits ungebrochen. Den erwähnten Herausforderungen zum Trotz, sind die Aussichten, unsere Ziele zu erreichen, also weiterhin sehr gut und wir hoffen bis Ende 2016 das Vorjahresergebnis deutlich übertreffen zu können.

Im Fokus: das Wassereinzugsgebiet Nangulví

Ein interessantes Waldgebiet für Schutzflächen ist das zur Gemeinde Peñaherrera gehörende Wassereinzugsgebiet von Nangulví. Hier wird eines von mehreren Kleinwasserkraftwerken gebaut. Das Bauvorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt von HidroIntag; unter diesem Namen arbeiten verschiedene Organisationen und lokale Regierungsstellen zusammen; der Kanton Cotacachi, die Provinzregierung von Imbabura und Consorcio Toisán, ein Zusammenschluss verschiedener Gemeindeinitiativen, zu denen auch DECOIN gehört. Damit Wasserkraftprojekte umweltverträglich sind, müssen die Wassereinzugsgebiete intakt sein. Unser Kooperationsprojekt mit LichtBlick und „GEO schützt den Regenwald“ bewirkt, dass das Gebiet dauerhaft bewaldet bleibt und so Beeinträchtigungen – darunter die Erosion von Landflächen – möglichst vermieden werden. Wir hoffen, in den nächsten Jahren eng mit den lokalen Regierungen, Gemeinden und Organisationen arbeiten zu können, um die Umweltverträglichkeit des Nangulví-Wasserkraftwerks sichern zu können.

Die nächste Generation der Waldschützer

Waldkäufe für die Gemeinde- und Bezirksregierungen abzuwickeln ist bei weitem nicht alles, was DECOIN macht. Unsere Organisation engagiert sich auch stark für die Umweltbildung in der Region. Im vergangenen Schuljahr erreichte der Unterricht unserer „Umweltlehrer“ Freddy Villalba, Susana Navarrete und Milton Arcos hunderte Kinder. Zur Arbeit dieser Team-Mitglieder gehört es, die Schüler auf Ausflügen in einen der Gemeindeschutzwälder zu begleiten - und auch diese Aktivität wird durch das LichtBlick-Projekt finanziert. DECOIN kaufte im vergangenen Jahr zudem Sendezeit bei Radio Intag, um Radio-Spots auszustrahlen, die sich mit dem Artenreichtum der Region und dessen Bedrohungen beschäftigen.

Weihnachtsspende 2015

Seit 2010 spendet LichtBlick jährlich an Weihnachten einen zusätzlichen Betrag für Organisationen in der Intag-Region. 2015 wurde die Spendensumme aufgeteilt – je 50 Prozent gingen an die Frauenkooperative von El Rosal und an das Gemeindezentrum Casa Palabra y Pueblo (CPP). Als Carolina Carrión, die Leiterin des Gemeindezentrums, von dem unerwarteten Weihnachtsgeschenk erfuhr, war sie außer sich vor Freude. „Ich werde diese tolle Nachricht sofort an das Team weitergeben, wir machen uns gleich an die Arbeit. Es ist wirklich eine phantastische Neuigkeit, weil wir dank des Spendengeldes so viele Dinge dokumentieren und über Radio Intag verbreiten können!“. Das im Jahr 2010 gegründete Gemeindezentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Bürgertreffpunkt zu sein, wo sich die Intag-Bewohner informieren und miteinander austauschen können. In dem kleinen Gebäude der CPP in der Bezirksstadt Apuela befinden sich eine öffentliche Bibliothek, Archive über die Geschichte der Intag-Region und das Studio von Radio Intag. Daneben hält das Zentrum einen großen Spielraum für Kleinkinder bereit, bietet Schülern Internetzugang und druckt eine Buchserie mit den ungewöhnlichen Lebensgeschichten einiger Bewohner der Region. All dies auf Dauer zu finanzieren ist natürlich eine große Herausforderung. Ohne die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer, und ohne externe Spenden, hätte das Gemeindezentrum längst geschlossen werden müssen. Oft erhält die CPP Unterstützung durch Freiwillige aus Deutschland, die hier ein „Soziales Jahr“ verbringen – Interessierte können sich gerne mit CPP in Verbindung setzen (periodico.intag@gmail.com; http://casapalabrapueblo.blogspot.de/). Zweimal pro Woche berichtet Radio Intag für 10 bis 15 Minuten über aktuelle Geschehnisse und Veranstaltungen in Intag (http://www.radiointag.com/). Aufgrund der bergigen Landschaft und geografischen Lage wird das Intag-Gebiet kaum von den Radiosignalen anderer Sender erreicht. Daher ist Radio Intag nicht nur zur Unterhaltung der Menschen wichtig, sondern auch zu ihrer Information. Der kleine Sender berichtet über Themen, die sie bewegen – lokale Ereignisse und auch Umweltschutzthemen. Die Weihnachtsspende von LichtBlick ermöglicht dem Gemeindezentrum, zehn neue Radioprogramme zu produzieren, Sendezeit zu kaufen und Mitarbeiter für weitere Produktionen zu bezahlen.

Die zweite Gruppe, die am Jahresende 2015 besonderen Grund zur Freude hatte, ist die Frauenko-operative von El Rosal. Die Frauen stellen Seifen, Shampoos und andere Körperpflegeprodukte in Handarbeit her – in einem meiner nächsten Berichte erfahren Sie mehr darüber.

INTAG-Berichte

Patricia Varela bei einer Produktion von Radio Intag

Februar 2016 – Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt über unlautere Methoden, die auch Ecuador nutzt, um die Armut zu bekämpfen:

Im Namen der Armutsbekämpfung

Trotz der schlechten Erfahrungen in Lateinamerika und Afrika: Bei vielen der sich selbst als „fortschrittlich“ bezeichnenden Regierungen – zum Beispiel in Ecuador und Bolivien – ist der Abbau von Bodenschätzen nach wie vor die Methode der Wahl, um der Armut eine Ende zu bereiten. Die Ausbeutung von Bodenschätzen ist förmlich zur magischen Formel dafür geworden, wie man die Armut ausrottet, und jegliche Mittel, dieses Ziel zu erreichen, sind erlaubt. Was die Bodenschatzgewinnung in Wirklichkeit so attraktiv macht, ist das schnelle Geld, das den wackelnden und/oder korrupten Regierungen winkt. Und in den meisten Ländern sind Korruption und großflächige Ausbeutung von Bodenschätzen eng miteinander verbunden. In Ecuador wurde Ende 2014 der so genannte ITT-Block im Yasuní Nationalpark, eines der weltweit herausragenden Schutzgebiete, für die Förderung von Erdöl geöffnet. Dies war der Beginn der Verhärtung der Fronten in der „Ausbeutung von natürlichen Ressourcen“. Erzabbau im großen Maßstab ist ein Teil dieses Kuchens, obgleich er längst noch nicht das Ausmaß der Erdölindustrie erreicht hat. Denn im Vergleich zu Nachbarstaaten sind die Kosten für den Abbau von Erzen in Ecuador ziemlich hoch. Großangelegte Proteste der Bevölkerung gegen Bergbauvorhaben und hohe Steuern sind Gründe für die verlangsamte Entwicklung vieler Minenprojekte.

Maßgeschneiderte Gesetze für die Bergbauunternehmen

Doch besonders in korrupten und rohstoffabhängigen Ländern, zu denen auch Ecuador gehört, sind die Bergbaukonzerne gut darin, Überzeugungsarbeit bei den Regierungen zu leisten. Und dies tun sie so lange, bis schließlich ihre Pläne durchgesetzt sind. Seit dem neuen Bergbaugesetz, das 2009 von der Regierung von Rafael Correa erlassen worden ist, sind zahlreiche Gesetzesänderungen vorgenommen worden, die es für Bergbauunternehmen einfacher und billiger machen, Rohstoffe zu „plündern“. Die Gesetze brachten ihnen etwa die Befreiung von der Mehrwertsteuer, eine Steuer, die alle Bürger und alle normalen Firmen im Land zahlen müssen. Durch eine weitere Gesetzesänderung fiel die Zufallsgewinnsteuer weg, die während der Hochkonjunktur der Bodenschatzgewinnung erhoben worden war. Die ecuadorianische Regierung schaffte zudem viele Regularien und Genehmigungen ab, die die Unternehmen einhalten bzw. einholen mussten. Die Folgen dieser Regierungsentscheidungen sind enorm. Sie sind noch Jahrzehnte später zu spüren, schaden Hunderttausenden Menschen, beeinträchtigen die Bürger- und Menschenrechte und verursachen albtraumhafte Umweltschäden, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang andauern können. Das passiert, wenn diese Form der „wirtschaftlichen Nutzung“ rücksichtslos durchgesetzt wird. Dann nämlich wird es plötzlich akzeptabel, Menschenrechtsverletzungen zu begehen, lokale Regierungen zu untergraben, Bürgerrechte zu missachten und Proteste von Menschen – die spüren, dass das Gemeinwohl, ihre Rechte und ihre Lebensgrundlage in Gefahr sind – zu kriminalisieren.

Probebohrungen in Junín mit spürbaren Folgen

Fast ein Jahr lang hat in unberührten Nebelwäldern der Intag-Region der chilenische Konzern CODELCO, der größte Kupferproduzent der Welt, für das Kupfertagebauprojekt von Junín Aufschlussbohrungen durchgeführt, mit voller Unterstützung der nationalen Regierung. Während der Untersuchungsphase werden Bohrungen mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern bis in hunderte Meter Tiefe durchgeführt. Nur, um festzustellen, ob sich der Kupferabbau auch lohnt – gerade angesichts der derzeit sinkenden Kupferpreise ist dies eine wichtige Frage.

Obwohl bislang nur die erste von drei Untersuchungsphasen abgeschlossen wurde, sind schon jetzt die Folgen spürbar. Uralte Bäume in unberührten Wäldern wurden gefällt, um Zufahrtswege für die Bohrungen zu erschließen. Geschützte Waldgebiete wurden nach Belieben benutzt, Wanderwege des Gemeinde-Tourismusprojekts zerstört. Das aus den Bohrungen aufsteigende Wasser verunreinigt die Flüsse und Bäche. Und, wie in allen Bergbauprojekten, waren die sozialen Auswirkungen lange vor den Umweltproblemen spürbar. Zum Beispiel die groben Verletzungen der Menschenrechte, vielfach durch Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Etliche Bewohner von und den umliegenden Gemeinden fielen auf das beim Bergbau relativ schnell zu machende Geld rein; dies hatte die Spaltung von Familien und Freundeskreisen zur Folge. Trotzdem, und das bezeugt die Kraft der Gemeinden und Menschen in der Intag-Region, geht der Widerstand gegen dieses verheerende Projekt weiter. Junín liegt etwa eine Stunde Fahrzeit von den Regenwaldschutzgebieten von LichtBlick entfernt.

Fazit

Ohne Frage: Wirtschaftliche Armut ist furchtbar. Doch selbst wenn der Wunsch, diese auszurotten, gut gemeint ist, riskiert man eine noch schlimmere und nachhaltigere Armut. Dann nämlich, wenn die angewendeten Methoden rechtswidrig sind, wenn Menschenrechte verletzt und Bürger bedroht werden, wenn biologischen Juwelen geschadet wird und Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Diese neue Armut wird die künftigen Generationen heimsuchen.

INTAG-Berichte

Verseuchte Umwelt durch das ehemaligen Erdöllager Lago Agrio in Ecuador

Januar 2016 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet über das REDD+ - Programm für den Waldschutz in den Tropen

Wofür steht REDD+?

Die Klimarahmenkonferenz der UNO hat 2008 als Teil des REDD- Programms den so genannten REDD+-Mechanismus verabschiedet. Auf Deutsch steht die Abkürzung für „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung sowie die Rolle des Waldschutzes, der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und des Ausbaus des Kohlenstoff- speichers Wald in Entwicklungsländern“. Abholzung und Waldschädigung aufgrund der Ausweitung von Agrarflächen, Umwandlung in Weideland, Infrastrukturmaßnahmen und Feuer tragen fast 20 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen bei – mehr als der Verkehrssektor weltweit!

Was soll REDD+ bewirken?

REDD+ bietet Menschen und Regierungen – speziell in den Tropen – die Möglichkeit, sie mit Geld dafür zu entschädigen, dass sie Wälder erhalten anstatt sie abzuholzen. Die Höhe der zu leistenden Entschädigung richtet sich dabei nach der Menge an Kohlenstoff, die in den betreffenden Wäldern gespeichert ist. REDD+ bietet also, kurz gesagt, einen Anreiz, durch Walderhalt zur Verringerung der weltweiten Kohlenstoffemissionen beizutragen. Gleichzeitig dienen die finanziellen Anreize auch dazu, die Artenvielfalt zu bewahren, und gleiches gilt auch für andere „Ökosystemdienste“ oder Leistungen, die wir der Existenz des Waldes verdanken, wie etwa den Schutz von Wasser- einzugsgebieten. Zudem stellt REDD+ auch finanzielle Unterstützung zur Förderung der lokalen Entwicklung und der Verbesserung des Lebensstandards in Entwicklungsländern bereit.

Welche Chancen und Tücken birgt das Programm?

Auf dem Papier ist REDD+ großartig. Bei richtiger Anwendung bringt das Programm enorme Vorteile für mehr als eine Milliarde Menschen mit sich, die am oder im Wald leben. Dagegen kann es bei falscher Anwendung zu Korruption im großen Stil führen oder zur Missachtung von Menschenrechten – etwa für den Fall, dass Ureinwohnern der Zugang zu ihren Waldressourcen verwehrt werden würde. Und es birgt auch zahlreiche technische Probleme, darunter nicht zuletzt die Schwierig- keit, die Menge Kohlendioxid zu messen, die die verschiedenen Waldtypen speichern.

Wie viel Kohlendioxid speichert ein Wald pro Jahr?

Die korrekte Ermittlung des gespeicherten Kohlendioxids ist Voraussetzung für die Anwendung von REDD+. Doch hinsichtlich der Faktoren, die die Speicherung von Kohlendioxid beeinflussen, gibt es noch große Wissenslücken. Wird zum Beispiel der Kohlenstoffkreislauf eines Waldes während einer Dürreperiode stark gestört, so kann er mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre abgeben als er speichert! Durch Feuer werden unter Umständen Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen. Darüber hinaus können Feuer dazu führen, dass die Fähigkeit eines Waldes, Kohlendioxid zu speichern, über viele weitere Jahre gestört bleibt.

Natürlich muss überprüft werden, ob die Bedingungen für die finanziellen Anreize erfüllt werden und das setzt voraus, dass die jährlich gespeicherte Menge an Kohlenstoff gemessen wird. Viele Menschen bemühen sich darum, effiziente und transparente Systeme zu entwickeln, mit denen die Kohlenstoffspeicherung korrekt gemessen werden kann, doch trotz der guten Aussichten gibt es hierbei noch zahlreiche Hürden. Zudem fordern manche Regierungen, dass die Messung auf Institutionen der betroffenen Länder übertragen wird, während andere für die Einrichtung einer unabhängigen Institution plädieren, die eigens zu diesem Zweck geschaffen werden soll. Neu entwickelte Satelliten-basierte Messsysteme sollen objektive, überprüfbare Informationen liefern.

Wie viel ist ein Ökosystem wert?

Eine der grundsätzlicheren Fragen zu REDD+ ist die, ob es ethisch vertretbar ist, den Diensten eines Ökosystems Kosten zuzuordnen. Viele indigene Gruppen lehnen es ab, die Dienste der Natur wie Waren zu handeln. Ein weitere Hürde: Wer genau soll dafür zahlen, dass die Wälder erhalten bleiben, und wer genau soll finanziell davon profitieren? Das Misstrauen ist groß, inwieweit die nationalen Regierungen erhaltene Gelder an jene weitergeben werden, die den Wald besitzen oder ihn aktiv schützen. Rund um das Geld gibt es auch andere Fragen: Sollen Regierungen von Ländern mit hohen Kohlendioxidemissionen dafür Ausgleichszahlungen leisten dürfen an andere Länder, die niedrige Emissionen haben, aber großen Waldbestand? Was wäre ein gerechter Preis dafür, dass ärmere Länder darauf verzichten, ihre Wälder abzuholzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsstellen zu schaffen? Wie viel Geld soll pro Tonne gespeichertes Kohlendioxid gezahlt werden?

Wenig Aufsehen erregt die illegale Landaneignung durch skrupellose Landhändler, die auf schnelles Geld aus sind. Dieses Problem betrifft auch einige bewaldete Gebiete in Ecuador und bedroht die Kultur und die Lebensgrundlage indianischer Volksgruppen. Schließlich haben auch die Geldgeber Zweifel, wie sicherzustellen ist, dass die Wälder erhalten bleiben und nicht etwa in Weideland umgewandelt werden. Daher haben die meisten REDD+-Projekte bislang eher vorbereitenden Charakter.

Fazit

Ohne massive Einsparungen bei den Kohlendioxidemissionen von fossilen Brennstoffen ist das Klima nicht zu retten, auch nicht durch REDD+. Immerhin hat dieser Mechanismus großes Potential, beim Klimaschutz zu helfen. Alles hängt von transparenten Verhandlungen ab, und davon, ob die Menschen in den Projektländern tatsächlich von den finanziellen Anreizen für den Walderhalt profitieren werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Rechte indigener Volksgruppen und der ländlichen Bevölkerung nicht geschwächt werden.

INTAG-Berichte

Orchidee im Bergnebelwald der Intag-Region, Ecuador

Links zur weiteren Chronologie der Ereignisse im Intag