GEO schützt den Regenwald e.V.

Eine Baumschule für das Bergdorf Tal, Manang, Nepal

In einer kleinen Siedlung am Fuße des Himalaya engagiert sich „GEO schützt den Regenwald e.V.“ für Wiederaufforstung und die Nahrungsvielfalt der Menschen.
In diesem Artikel
Über die Region
Hintergrund des Projekts
Dauer
Ziele
Aktivitäten
Fortschritte
Unsere Partner

Über die Region

Im Norden Nepals, an der Grenze zu Tibet, liegt der Distrikt Manang. Eine Gegend, die aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit ein beliebtes Ziel für Touristen ist. Etwa fünf Autostunden nordwestlich der Landeshauptstadt Kathmandu, endet die Straße in der kleinen Ortschaft Bhulbhule. Von dort aus geht es bislang nur zu Fuß weiter - über zahlreiche Berge, die das Bett des Marshyandi Flusses säumen. Der Weg ist Teil des „Annapurna-Circuit-Trail“, einer berühmten Trekking-Route. Die in knapp 2000 Meter Höhe gelegene Siedlung Tal im südlichen Teil von Manang, erreicht man nach zwei Tagen Fußmarsch. Die rund 10.000 Menschen der Region gehören überwiegend dem Volk der Gurung an. Sie leben von Landwirtschaft, Tierhaltung, Handel – und immer stärker vom Tourismus. Der Wald ist für diese Menschen die wichtigste Ressource für Brenn- und Bauholz, Tierfutter und Medizinpflanzen, mit der Folge, dass die Waldbestände bereits stark abgenommen haben.

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Der Weg nach Manang führt am Fluss Marshyandi entlang

Hintergrund des Projekts

Nepal gehört zu den Ländern, die laut Vorhersagen am stärksten unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden werden, etwa unter Schlamm- und Schneelawinen als Folge der erhöhten Temperatur. Zugleich schwinden die bewaldeten Flächen, da die Bevölkerung stark wächst und vor allem die Menschen der vielen kleinen Siedlungen zum Kochen und Heizen weitestgehend auf Holz angewiesen sind. Laut Daten der FAO gingen zwischen 1990 und 2005 rund 28 Prozent der Waldflächen in Nepal verloren. Klar ist: Der Holzverbrauch der wachsenden Bevölkerung kann nicht nachhaltig gedeckt werden.

In vielen Bergsiedlungen von Manang stellt der Tourismus mittlerweile die wichtigste Einkommensquelle der Bewohner dar, mit der Folge, dass die Holzressourcen hier noch stärker übernutzt werden. Das Gebiet gehört zur „Annapurna Conservation Area“, eines der größten Naturschutzgebiete des Landes; jedoch sind hier bislang kaum Umweltschutzprojekte durchgeführt worden. Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf die dringend notwendige Aufforstung um die Ortschaft Tal.

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Selbst ein Zicklein kann diese Bäuerin nicht vom Sortieren des Getreides abhalten.

Dauer

2008 bis 2012 (Verlängerung)

Ziele

  • Minderung des Drucks auf den Wald
  • Verbesserung der Nahrungsvielfalt
  • Nachhaltige Entwicklung der örtlichen Bevölkerung

Aktivitäten

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Die Ortschaft Tal am Fluss Marshyandi

Aufbau einer Baumschule und Aufforstung

Die Aufforstung in und um die Siedlung Tal orientiert sich eng an den Bedürfnissen der Bevölkerung, die in einer vorausgegangen Studie ermittelt worden sind. Es werden sowohl private als auch öffentliche Flächen bepflanzt. Aus Gründen des Naturschutzes werden in erster Linie einheimische Baumarten angepflanzt. Für nicht-einheimische Arten gilt eine strenge ökologische Prüfung. Fast alle Samen sammelt der für die Baumschule verantwortliche Baumexperte in der Umgebung. Freie Flächen verschiedener Größe werden mit Setzlingen aus der Baumschule von Tal bepflanzt. Wichtig für den Erfolg der Aufforstung ist, dass alle Aktionen in enger Kooperation mit den örtlichen Institutionen stattfinden. Nur wenn die Menschen begreifen, dass der Schutz des Waldes ihr Überleben sichert, unterstützen sie die Aufforstungsaktionen.

Bau eines Gewächshauses

Ein Gewächshaus, speziell für das Keimen der Baumsamen und die Aufzucht von Nahrungs- und Arzneipflanzen soll entstehen.

Verbesserung der Lebensumstände

Frisches Obst und Gemüse sind Mangelware in der Region. Zur Ergänzung der Ernährung sollen in der Baumschule daher auch essbare Pflanzen wie Erdbeeren, Kräuter und Medizinpflanzen produziert werden.

Fortschritte

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Das Baumschulenkomitee mit Kishor Gurung (3. v. re.) und Projektmitarbeiter Chandra Nepal (2. v. re.)

Die Baumschule liegt am Ortseingang von Tal. Sie ist 85 m lang und etwa halb so breit. Ein großes Problem bei der geplanten Erweiterung: Ebene Flächen, die weder bebaut sind, noch landwirtschaftlich genutzt werden, gibt es kaum. Ein Gewächshaus wurde errichtet, in dem die Keim-Bedingungen der Pflanzen besser kontrolliert werden können.

Eine fünfköpfige Baumschulen-Kommission entscheidet über die Aktivitäten vor Ort, etwa die Produktion von Setzlingen und deren Verteilung an die Bevölkerung. Die Gruppe beschäftigt Kishor Gurung, den „Baumschulen-Betreuer“ („Naikee“), der mit ihnen zusammen arbeitet. Ein Projektmitarbeiter aus Kathmandu, Chandra Bahadur Nepal, besucht das Gebiet mindestens alle drei Monate, um die Fortschritte zu dokumentieren.

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Aufzucht der Setzlinge im Beet

Im Frühjahr 2008 musste das Projekt einen schweren Rückschlag hinnehmen: Das Gelände der Baumschule und das Gewächshaus wurden während des Monsuns zerstört. Eine Schlammlawine aus den höheren Berglagen begrub die Baumschule - ebenso wie große Teile der Ortschaft - unter sich. Die Betreiber mussten praktisch von vorne anfangen. Erst gegen Ende des Jahres konnte der Feinschlamm beseitigt werden, der die Beete bis zu ein Meter hoch bedeckte. Frische Pflanzerde musste herangeschafft werden, Keimgefäße und andere Materialien.

Mittlerweile hat das Projekt die Folgen der Naturkatastrophe überwunden und entwickelt sich sehr gut.

Auf dem Gelände der Baumschule werden unter anderem die folgenden Arten produziert: Tränenkiefern (Pinus wallichiana), Erlen (Alnus nepalensis), Gemeine Eiben (Taxus baccata), Lapsi (Choerospondias axillaris), Zedrach- oder Paternosterbäume (Melia azedarach) und Ohrfeigenbäume (Ficus auriculata), die Himalaya Wildkirsche (Prunus cerasoides), Jambulbäume (Syzygium cumini), Walnussbäume (Juglans regia). Darüber hinaus werden auf dem Gelände der Baumschule medizinische Pflanzen gezogen.

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Diese Posten markieren die schützende Umzäunung des Auspflanzungsgeländes für die Baumsetzlinge

Im Juni-Juli 2010 und 2011, zu Beginn des Monsuns, beteiligten sich jeweils mehr als fünf Dutzend Bewohner von Tal an den mehrere Tage dauernden Aufforstungsaktionen. Zu den Helfern gehörten nicht nur die Mitglieder des Baumschulenkomitees, sondern auch Polizisten und Angehörige des Militärs, Jugendclubmitglieder und Hotelangestellte. Schon Tage vor dem großen Termin wurden die Flächen von störenden Pflanzen befreit und die Pflanzlöcher gegraben. Angesichts der Hanglage und des harten, steinigen Grundes, eine schweißtreibende Angelegenheit. 5000 bzw. 8000 Setzlinge der verschiedensten Baumarten wurden gepflanzt, darunter hunderte Tränenkiefern, Lapsi und Eiben. Wo nötig, wird das Aufforstungsgelände durch den Bau von Mauern oder das Errichten von Zäunen geschützt. Ohne diesen Schutz würden Maultiere und Ziegen den zarten Setzlingen ein schnelles Ende bereiten.

Daneben wurden in beiden Jahren mehrere Tausend Setzlinge an die Bewohner von Tal zur Auspflanzung auf deren Privatgelände verteilt.

Im Sommer 2011 wurden außerdem 25 eiserne Strompfosten aus Projektmitteln finanziert, nach Manang transportiert und durch die Bewohner von Tal installiert - eine gute Investition, denn diese ersetzen in der Bergsiedlung jetzt die alten Holzpfosten, für die alle paar Jahre eine entsprechende Zahl großer Bäume eingeschlagen werden musste.
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Ein Mitglied des Baumschulenkomitees mit seiner Tochter

Unsere Partner

Das Projekt wurde auch durch Spenden von Polster & Pohl Reisen GmbH & Co KG, Leipzig, und Colibri Umweltreisen, Berlin, unterstützt.

In Nepal umgesetzt wird das Vorhaben durch die Umweltschutzorganisation National Conservation and Development Centre (NCDC), unter Leitung von Dr. Siddhartha Bajracharya, mit dem „GEO schützt den Regenwald e.V.“ seit mehr als zehn Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern, entwickelt NCDC die Aktivitäten gemeinsam mit der Bevölkerung. In Manang koordiniert NCDC die Aktivitäten eng mit dem District Forest Office und dem District Agriculture Office.

Letzte Aktualisierung: August 2012

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