GEO schützt den Regenwald e.V.

Trinkwasser- und Nahrungssicherung im Tonto-Block von Jharkhand, Indien

"GEO schützt den Regenwald e.V." und die Karl Kübel Stiftung setzen sich hier für Ressourcen- schutz und verbesserte Lebensbedingungen ein.

Über die Region

Einst bedeckte das Gebiet des Bundesstaates Jharkhand ein halb-immergrüner Regenwald, so genannt, weil viele Laubbäume ihre Blätter in der Trockenzeit abwerfen. Doch seit Jahrhunderten schwindet der Wald aus vielfältigen Gründen: zunächst durch den Anbau von Zuckerrohr der Kolonialherren, dann den Bau der transindischen Eisenbahnlinie und schließlich kam noch das starke Bevölkerungswachstum nach der Unabhängigkeit des Landes 1947 hinzu.

Saisonale Klimaschwankungen werden häufiger und wirken sich immer stärker auf das sensible Ökosystem in der halbtrockenen Bergregion des Tonto-Blocks aus.

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Die im Tonto-Block lebenden indischen Ureinwohner sind politisch, sozial und ökonomisch marginalisiert.

Hintergrund des Projekts

Die Bevölkerung des Tonto-Blocks ist bitterarm: Im innerindischen Vergleich steht Jharkhand an vorletzter Stelle im "Hunger-Ranking". Der Tonto-Block selbst stellt im Bundesstaat wiederum eine besondere Problem- und Hungerregion dar.

Aus diesem Grund erscheinen nur integrierte Entwicklungsvorhaben effektiv, die Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zum nachhaltigen Ressourcenschutz miteinander verbinden.

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Ehemaliges Brachland auf dem nun Kohl wächst

Bereits 2004 und 2007 realisierten die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS) und "GEO schützt den Regenwald e.V." ein Projekt in der gleichen Region: Bislang ungenutztes Brachland konnte in fruchtbares Ackerland umgewandelt werden; Dutzende Wasserspeicher, die auch für die Fischzucht dienen, wurden gebaut; 72 Hektar Land konnten neu bewässert werden, weitere 105 Hektar Land aufgeforstet. Bei der abschließenden Evaluierung empfahlen die Gutachter die Weiterführung und Ausdehnung des Projekts.

In dem neuen Vorhaben profitieren nun 26 Dörfer von umfangreichen Aktivitäten in den Bereichen Ernährungssicherung, Trinkwasserversorgung, Aufforstung und nachhaltige Nutzung von Waldprodukten.

Dauer

Nov. 2010 bis Dez. 2013

Ziele

Die Ernährungssicherheit der Mitglieder von rund 950 Haushalten in 26 Dörfern des Projektgebiets im Tonto-Block ist gewährleistet, durch nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Produktion, Verbesserung der Widerstandskraft gegenüber Krisen- und Mangelerscheinungen sowie Anschlussfähigkeit zu den Märkten, Dienstleistungen und staatlichen Programmen.

Aktivitäten

  • Aufforstung von brachliegenden Flächen
  • Anlage von Dämmen, um den Wasserabfluss in den erosionsgefährdeten Hanglagen zu reduzieren
  • Bau von Wasserspeicherbecken zur Trinkwasserversorgung und für die Fischzucht
  • Förderung von Einkommen schaffenden Maßnahmen
  • - die Verarbeitung und Vermarktung von so genannten minor forest products zur Steigerung des Einkommens und zur Minderung der jahreszeitlichen Abwanderung
  • Anleitung zur nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion
  • Diversifizierung landwirtschaftlicher Produkte und hierzu Anlage von Demonstrationsflächen
  • Training im Bereich Vermarktung und Preisgestaltung, um der Ausbeutung durch Zwischenhändler zu begegnen
  • Förderung von Gemüse- und Kräutergärten
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Konturgräben verhindern das schnelle Abfließen von Regenwasser.

Ergebnisse

Aufbau von Selbsthilfestrukturen

54 Frauenselbsthilfegruppen mit 844 Mitgliedern sowie 26 Männerselbsthilfegruppen mit 468 Mitgliedern wurden gegründet, die Schulungen und Aufklärung über staatliche Hilfsprogramme erhielten. Die Gruppen treffen sich in den beiden für dörfliche Aktivitäten gebauten Gemeindezentren. Ziel ist es, dass die Gruppen Sparguthaben ansammeln, um sich nach bestimmten Regeln, kleine Kredite zu gewähren. Innerhalb von einem Jahr wurden beispielsweise 1795 Euro angespart. Die ersten Kredite für Einkommen schaffende Maßnahmen sind bereits vergeben. Darüber hinaus erhielten 935 Familien Solarlampen.

Aufforstung von brachliegenden Flächen

35.000 Baumsetzlinge wurden gezogen und 31.848 Bäume auf rund 61 Hektar gepflanzt, darunter Fruchtbäume, wie Papaya-, Zitronen und Cashewnuss-Bäume, Futterbäume und Bäume für Feuerholz. Die Fruchtbäume verbessern das Nahrungsangebot für 65 Familien; bei Mehrproduktion kann das Obst verkauft werden und trägt zum Einkommen bei. Zudem trägt die Aufforstung zur Minderung des Holzeinschlags in den Wäldern bei.

Anlage von Konturgräben und Feldbegrenzungen

In einigen Dörfern wurden in den bewaldeten Hängen Konturgräben angelegt, damit Niederschläge langsamer ablaufen und sich dadurch der Grundwasserspiegel erhöht. Die auf rund 55 Hektar angelegten Erdwälle zur Feldbegrenzung dienen als Grenzwälle, aber auch, um von den Wällen eingesickertes Regenwasser länger als Bodenfeuchtigkeit der Felder zu erhalten.

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Bewohner beim Ausheben eines Bewässerungsteich

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Holz sparende Kochöfen mit Rauchabzug erleichtern den Frauen die Essenszubereitung

Bau von Wasserspeicherbecken, Kleinstaudamm

Zur Trinkwasserversorgung und für die Fischzucht wurden in drei Dörfern acht Bewässerungsteiche neu gebaut und zwölf weitere renoviert (fünf davon mit Hilfe des Staates). Beim Ausheben der Teiche wirkte die Zielgruppe – gegen Entlohnung nach den indischen Vorgaben - mit. Von den Aktivitäten profitieren insgesamt 211 Kleinbauern. Zudem wurde ein Kleinstaudamm erbaut; das angestaute Wasser wird nun von 15 Familien für den Anbau einer neuen Feldfrucht genutzt. Um die realisierten Maßnahmen im Bereich Wasser nachhaltig zu verwalten, wurden zwei Wasserkomitees gegründet, die etwa für die Instandhaltung der Wasserspeicherbecken zuständig sind. Durch Spareinlagen dieser Komitees sollen die anfallenden Reparaturen an den Bewässerungsteichen und andere wasserbauliche Maßnahmen ermöglicht werden.

Holz sparende Kochöfen

520 Familien erhielten im Rahmen des Projekts Unterstützung bei der Herstellung und Nutzung raucharmer Kochöfen mit Abzug. Diese verbrauchen viel weniger Holz als die traditionellen Öfen; außerdem wirken sie sich verbessernd auf die Gesundheit der Frauen aus, die zuvor in vollkommen verräucherten Küchen das Essen für ihre Familien zubereiten mussten. Kochdemonstrationen helfen bei der Überzeugungsarbeit zur Umstellung auf die neuen Kochöfen.

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Nachhaltige Landwirtschaft mit profitablen Anbauprodukten

Einkommen schaffenden Maßnahmen

Um die Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen zu mindern, lernen die Kleinbauern Produkte aus nachwachsenden Pflanzen wie Sawai-Gras herzustellen. Diese Produkte haben eine lange Tradition, doch jetzt erhalten die Kleinbauern Hilfe bei der Vermarktung ihrer Seile und geflochtenen Körbe. Im März/April 2012 war auf 2,4 Hektar Land eine erste erfolgreiche Ernte von Sawai-Gras möglich. Daneben wird die verbesserte Haltung von Hühnern und Ziegen gefördert. Mittels Teilkrediten erhielten 15 Familien jeweils vier Hennen und einen Hahn, 15 weitere jeweils zwei Ziegen. Die Bauern erhielten Schulungen zu Fütterung, Krankheiten und Haltung der Tiere. Zudem erhielten 60 Familien Gemüsesaatgut, um Küchengärten neben den Häusern anzulegen. Die Gemüseproduktion erfolgt im organischen Anbau.

Verbesserte landwirtschaftliche Praktiken

Um den Bauern zu zeigen, wie man mit weniger Saatgut hohe Ernteerträge erreichen kann, wurde eine Demonstrationsfläche für das System of Rice Intensification, der SRI-Anbaumethode für Reis angelegt. Dreißig kleine Kompostanlagen und zwei Wurmkompostanlagen wurden fertig gestellt. Die Kleinbauern produzieren dort nun Kompost für ihre Felder, die Umstellung auf organische Produktion hat begonnen und die Kosten für den Kauf von Dünger verringern sich durch die eigene Kompostherstellung. 949 Bauern erhielten Schulungen in der Wurmkompostherstellung und nutzen diesen nun für Reis- und Gemüseanbau. Weitere zehn Bauern wurden in der Produktion von "Biopestiziden" geschult und können ihr Wissen nun an die anderen Kleinbauern weitergeben.

Workshops und Training

Insgesamt 285 Kleinbauern wurden durch verschiedene Trainingsmaßnahmen erreicht. Einige Beispiele: "Alternative und profitable Anbausysteme", "Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten", "Anregung zu Anbauvarianten in der organischen Landwirtschaft durch Austausch mit darin erfahrenen Bauern". Zudem erhielten 120 Personen Schulungen, mit Hilfe derer der Zugang der Bevölkerung zu staatlichen Förderprogrammen verbessert werden konnte, darunter zu Pensionsansprüchen, Gesundheitsabsicherung, Job-Karte, Brunnen, Solarlicht.

Bewertung des Projekterfolgs

Der indischen Nicht-Regierungs-Organisation „Catholic Charities“ ist es eindrucksvoll gelungen, sowohl die natürlichen Lebensgrundlagen als auch die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den 26 Zieldörfern des Projektgebiets im Tonto Block zu verbessern. Eine unabhängige Abschlussevaluierung hat die Erfolge der Maßnahmen für die ausgewählten Zielgruppen bestätigt.

Die besten Erfolge sind bei der Landwirtschaft sichtbar, hier führten die Erosionsschutz- bzw. wasserhaltenden Maßnahmen zu deutlichen Ertragssteigerungen für die Kleinbauern. Bisher war in fast allen Dörfern nur eine Ernte während der Regenzeit möglich, meist Reisanbau. Durch die Bewässerungsteiche und verbesserte Anbauformen können nun 434 statt ursprünglich 283 Kleinbauern, eine zweite Ernte einbringen, wobei verschiedene Feldfrüchte angebaut werden („Multicropping“). Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Kleinbauern liegt bei 500 Euro.

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Frauen in ihrem gemeinsam mit Sarguja (Ölsaat) angebauten Feld

Die Zielgruppe hat gelernt mehrere Einkommensmöglichkeiten zu nutzen: Tierhaltung, Verkauf von Forstprodukten, Diversifikation im Anbau, wie Reis, Linsen und andere Hülsenfrüchte, Gemüseanbau an den Ufern der Bewässerungsteiche, Blumenanbau und Verkauf, Sawaigras-Anbau und -Weiterverarbeitung, sowie weitere Einkommen verbessernde Optionen. Von 1203 Kleinbauernfamilien, verdienen 570 Familien ein zusätzliches Einkommen, während 755 Familien ihr Einkommen diversifiziert haben. Durch angepasste Anbaumethoden wie das System of Rice Intensification (SRI), konnten die Reiserträge um 60 Prozent gesteigert werden. Die sonst starke Migration in die Städte während der Trockenzeit konnte fast komplett gestoppt werden, da die Familien auch durch den Zugang zu staatlichen Programmen eine alternative Einkommensmöglichkeit haben und in ihren Dörfern bleiben können. Die verbesserte Verfügbarkeit von Wasser hat die bewässerbare Fläche vergrößert; dadurch ist eine intensiverer Anbau und eine zweite Ernte in vielen Fällen möglich. Die Anpflanzung von Nutz- und Forstbäumen, dient dem Erhalt der Vegetation und ebenso teilweise als zusätzliches Einkommen bei den Fruchtbäumen. Die Überlebensrate der gepflanzten Bäume liegt bei 70 bis 80 Prozent.

Unsere Partner

Implementiert wird diese Kooperation mit der Karl Kübel Stiftung www.kkstiftung.de und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch die bewährte Partnerorganisation „Catholic Charities“ in Jamshedpur. Diese setzt sich für eine nachhaltige Entwicklungsperspektive der Menschen und den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaften ein.

Letzte Aktualisierung: August 2014

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Projektbegünstigte in Jharkhand.

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Bildergalerie zum Projekt

Eindrücke aus dem Projektgebiet
Eindrücke aus dem Projektgebiet
Einige Fotos die "GEO schützt den Regenwald e.V." von der Karl-Kübel-Stiftung zur Verfügung gestellt wurden

Mehr zur Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ist eine Stiftung mit Sitz in Bensheim (Hessen). Sie wurde 1972 durch den Unternehmer Karl Kübel gegründet und leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit, setzt sich für benachteiligte Familien ein und bietet flexible Hilfe in Notsituationen.

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