GEO schützt den Regenwald e.V.

Indien Mangrovenschutz in den Sundarbans

Dieses Projekt mit der Karl Kübel Stiftung verbessert nachhaltig die Lebensumstände der Bevölkerung und sichert den Küstenschutz durch Mangroven
Mangrovenschutz in den Sundarbans

Das Projektgebiet im indischen Bundesstaat Westbengalen (gelber Pfeil) liegt unmittelbar nördlich des 1.330 Quadratkilometer großen Nationalparks Sundarbans (rot umrandet)

Über die Region

Sundarbans – mit rund 10.000 Quadratkilometern Fläche das weltweit größte Mangrovengebiet – erstreckt sich zwischen dem indischen Bundesstaat Westbengalen und Bangladesch. Das Gebiet umfasst zahllose Inseln im Mündungsdelta von Brahmaputra, Ganges und weiterer großer Ströme. Die Sundar­bans sind nur wenig erschlossen; es gibt fast hier keine Industrie und kaum Möglichkeiten der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft. Infrastruktur, Gesundheitswesen, Schulen, Verkehr, Stromversorgung, staatliche Präsenz und Dienst­leistungen sind sehr wenig entwickelt, auch im regionalen Vergleich.

Die Bewohner der Inseln sind Selbstversorger und leben von Landwirtschaft und Fischerei. Immer wieder bedrohen Naturkatastrophen wie schwere Stürme oder Tsunami-Wellen die flachen Inseln. Daher ist hier Küstenschutz zum Erhalt des natürlichen Lebensraums von besonderer Bedeutung und Dringlichkeit.

In der Region sind die Anbaubedingungen aufgrund von Bodendegradierung stark erschwert.  Die landwirtschaftlichen Erträge sind gering, das Einkommen der als Tagelöhner arbeitenden Bevölkerung ist unsicher. Die meisten Bewohner gehören den niedrigsten Kasten Indiens ("scheduled castes") an und sind auch im Landesvergleich benachteiligt.

Mangrovenschutz in den Sundarbans

Hintergrund des Projekts

Zur Bedeutung und Bedrohung von Mangroven

Die herausragende Bedeutung von Mangrovenflächen liegt darin, dass sie das Hinterland vor der zerstörerischen Kraft von Sturmwinden und Tsunami-Wellen schützen und die Bodenerosion mindern. Darüber hinaus spielen Mangroven auch überregional eine wichtige Rolle: Sie sind „Kinderstube“ für unzählige Fischarten, Krebstiere und andere Meereslebewesen, die dort Schutz und reichlich Nahrung finden. Mangroven leisten auf diese Weise „Ökosystemdienste“ im Gegenwert von jährlich mindestens 1,6 Milliarden Dollar (Quelle: Polidoro und Kollegen 2010).

Trotz vieler Schutzbemühungen hält weltweit die Zerstörung von Mangroven an – vor allem aufgrund des schnellen Bevölkerungswachstums. Mangrovenflächen schwinden durch Infrastruktur-Maßnahmen, die Errichtung von Aquakulturbetrieben (etwa in Ecuador), illegale Gewinnung von Feuer- und Bauholz. In Indien und Südostasien gingen in nur 60 Jahren etwa 80 Prozent aller Mangrovenflächen verloren (IUCN 2012). Die Gesamtfläche der globalen Mangrovenwälder ist nur schwer zu bestimmen. Laut FAO waren 2001 weltweit weniger als 15 Millionen Hektar von Mangroven bedeckt – 1980 waren es noch 19,8 Millionen Hektar, also 25 Prozent mehr. Die größten Verluste in den 1980er Jahren gab es in Brasilien, Indonesien, Pakistan und Mexiko. In jüngeren Jahren hat sich der dramatische Schwund der Mangrovenflächen zum Glück wieder verlangsamt. Dennoch: Die Weltnaturschutz- union IUCN hat elf der 70 bekannten Mangroven-Spezies auf die Rote Liste bedrohter Arten gesetzt. Weltweit ist mehr als jede sechste Mangroven-Art bedroht – so das Ergebnis einer globalen Studie (Polidoro und Kollegen 2010).

In Kooperation mit der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS) engagiert sich  „GEO schützt den Regenwald e.V.“ in Sundarbans bereits seit 2007  für den Mangrovenschutz. Das Neuvorhaben baut auf den Erfolgen der beiden gleichnamigen 2012 bzw. 2017 erfolgreich abgeschlossenen Vorgängerprojekte auf (s. ARCHIV). Die Maßnahmen des neuen Projekts werden in sieben Dörfern der Insel Satjalia sowie fünf Gemeinden der Nachbarinseln Amtoli und Choto Mollakhali umgesetzt. Die direkt Begünstigten des neuen Projekts sind rund 10.000 Menschen aus 2.500 benachteiligten Kleinbauern-Familien, die unter den Inselbewohnern nach Armutskriterien ausgewählt wurden.

Dauer

Oktober 2017 bis Dezember 2020

Ziele

Nachhaltige Selbstversorgung Verbesserung der Lebensbedingungen von insgesamt 2.500 Familien auf den drei Inseln Amtoli, Chota Mollakhali, sowie Satjalia:

  • Erhöhter Schutz der Menschen und ihrer Lebensgrundlage vor Wirbelstürmen und Überschwemmungen
  • Verbesserte Einkommens- und Ernährungssituation für 1.200 Familien
  • Bewusstseinsstärkung sowie Schaffung von Selbsthilfegruppen und Netzwerken
  • Wissenstransfer
Mangrovenschutz in den Sundarbans

Einführung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktionsmethoden

Aktivitäten

  • Aufforstung von etwa 50 Hektar Deichvorland mit Mangroven
  • Gründung und behördliche Anerkennung von Mangrovenschutzgruppen
  • Erhalt des Mangrovenbesucherparks
  • Bau von Trinkwasserbrunnen
  • Pflanzung von Fruchtbäumen und Bäumen zur Feuerholzgewinnung
  • Einführung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktionsmethoden
  • Schulung von „Muster-Bauern“ und Schaffung von Demonstrationsbetrieben
  • Renovierung und Bau von Bewässerungsteichen
  • Durchführung von Einkommen schaffenden Maßnahmen
  • Berufliche Qualifizierung von jungen Erwachsenen
  • Installation von Solarlampen und Holz sparenden Kochherden
  • Aufbau und Stärkung von Basisstrukturen

Unsere Partner

Implementiert wird das Projekt vor Ort durch die "Tagore Society for Rural Development", Partner der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie. „GEO schützt den Regenwald e.V.“ arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit der KKS zusammen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

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