GEO schützt den Regenwald e.V.

Wie GEO in Nepal hilft

Ein famoses Beispiel aus dem Himalaya zeigt, wie der Verein 'GEO schützt den Regenwald' auch mit wenig Geld eine ganze Region nach ökologischen Prinzipien entwickeln half - und ihren Bewohnern sozialen Fortschritt brachte
In diesem Artikel
Grüner Nachschub aus sieben Baumschulen
Nach dem Kassensturz noch 25 000 Euro übrig!

Vieles hat sich in Tamagaon, einem kleinen Dorf in der Nähe der Ortschaft Bhujung im Himalaya, verändert. Vor einigen Jahren noch war das Leben hier karg, und die Menschen hatten kaum Möglichkeiten, ihre Zukunft zu gestalten. Auf den Feldern unterhalb der größtenteils unter Schutz stehenden Monsunregenwälder wuchs wenig außer Reis und Linsen.

Heute lernen die Bauern in Kursen neue Anbaumethoden kennen. Eine Demonstrationsfarm produziert Saatgut. Frauen bauen mit Kleinkrediten eigene Geschäfte auf, und in den neu eingerichteten Jugendgruppen wird über Verhütung diskutiert.

Kompost statt Kunstdünger Stolz zeigt auch der 75-jährige Dan Bahadur Gurung seinen Besitz: In militärischer Ordnung wachsen die verschiedensten Gemüsepflanzen auf seinen terrassierten Feldern. Für seinen Büffel hat er einen blitzsauberen Unterstand gebaut. Dessen Mist vermischt der Alte mit jenem der Ziegen, kompostiert mit organischen Abfällen und produziert so Dünger für seine Beete. Abends schaltet er sein kleines Transistorgerät ein und hört BBC: "Das Radio ist mein Lehrer, der mir sagt, was auf der Welt geschieht."

Nur eines von fast 50 Hilfsprojekten Grund für all diesen Wandel: ein 1997 von "GEO schützt den Regenwald e.V." gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) initiiertes Projekt. In Zusammenarbeit mit der nepalesischen Umweltorganisation Annapurna Conservation Area Project (ACAP), die das Programm vor Ort umsetzt, ist die Initiative zu einem Mustervorhaben für Waldschutz und nachhaltige Entwicklung erwachsen. Und nicht dem einzigen: Seit 1990 hat die gemeinnützige Organisation "GEO schützt den Regenwald e.V." mit Spenden von GEO-Lesern und Unterstützung des Verlagshauses Gruner + Jahr, in dem GEO erscheint, weltweit fast 50 Projekte in tropischen Regionen gefördert.

Naturschutz hilft auch den Menschen Um aus dem Erfolg solcher Hilfsaktionen zu lernen, hat im Herbst 2000 ein Team aus erfahrenen Forst-, Agrar- und Gesundheitsexperten das Projekt Bhujung im nepalesischen Annapurna-Gebiet eingehend evaluiert. Und gerade dieses Resultat könnte tatsächlich Vorbild für weitere Projekte sein: Generell ist unter den rund 20 000 Anwohnern in der Region Bhujung das Interesse am Naturschutz gestiegen. Unter anderem, weil die Beteiligten gelernt haben, dass ein intakter Wald deutlich zum Einkommen beitragen kann.

130 000 neue Bäume So sammeln und vermarkten sie wild wachsende Arzneipflanzen wie "Pipla", eine Pfefferart, aus der Husten- und Erkältungsmittel produziert werden. Über eine Tonne der Samenkapseln kam im Jahr 2000 allein in der Ortschaft Pasgam zusammen. Insgesamt haben die Nepali in Bhujung 130 000 Bäume gepflanzt und damit über 80 Hektar Brachland aufgeforstet. Der Brennholzbedarf ist seit Projektbeginn um 36 Prozent gesunken, weil viele Haushalte effizientere Öfen zum Kochen nutzen. Die ersten der sorgsam gepflegten und eingezäunten Aufforstungsflächen liefern bereits Holz, außerdem Futter für das Vieh.

Grüner Nachschub aus sieben Baumschulen

Von sieben Baumschulen wurden, mit Ausnahme der ACAP-Demonstrationsanlage in Bhujung, alle privatisiert. Die Organisation hat jeweils für die Ausbildung der Betreiber und für eine Anfangsfinanzierung gesorgt. ACAP kauft einen Teil der Bäumchen auf, um sie an Dorfkomitees, die Gemeinschaftsland aufforsten, kostenlos zu verteilen.

Eigentlich unbeabsichtigt ist die Zahl der Nutztiere um fast 30 Prozent gesunken. Auf den ersten Blick eine Besorgnis erregende Entwicklung, denn vor allem Ziegen sind wichtige Proteinlieferanten in Bhujung.

Nutzen hat Vorrang vor Prestige Das Evaluierungsteam fand die Erklärung für den Rückgang: Weil ACAP die Waldweide zu unterbinden versucht, sind die Bauern dazu übergegangen, Ziegen vermehrt in Verschlägen bei ihren Häusern unterzubringen. Dort ist aber kaum Platz. Also halten die Dorfbewohner weniger Tiere als früher und schlachten sie schon mit einem Jahr. Zuvor wurden sie bis zu drei Jahre alt, weil große Herden Prestige verschaffen. Doch in der zusätzlichen Lebenszeit legen Ziegen kein Gewicht mehr zu, sondern agieren als reine Biomasse-Vernichter.

Das Projekt wirkt sich vielfältig aus Für den ACAP-Direktor Gehendra Gurung ist dies ein gutes Beispiel für den vernetzten Ansatz des Projektes: "Alle Einzelkomponenten des Programms sollen sich möglichst positiv untereinander beeinflussen." Besonders wichtig sind Gurung deshalb das Gesundheitsprogramm für Mütter und Kleinkinder, außerdem die Angebote zur Familienplanung. Denn nach wie vor stellt das Bevölkerungswachstum in armen Ländern wie Nepal die größte Bedrohung für die natürlichen Ressourcen dar.

Verhütung, Schule, Aufklärung Tatsächlich ist das Interesse an Pille und Kondom seit Projektbeginn erwacht: 91 Prozent der verheirateten Paare kennen mindestens zwei Verhütungsmethoden. 38 Prozent wenden Mittel zur Familienplanung an, die von den Hebammen des Projekts vertrieben werden. Speziell die Jüngeren sind über Sexualität mittlerweile gut informiert. Während nur 40 Prozent der Erwachsenen wissen, wie sich Aids überträgt, sind die Heranwachsenden zu 92 Prozent im Bilde - ein Erfolg der an den Umweltunterricht gekoppelten Aufklärungskampagnen in Jugendgruppen und Schulklassen.

Integration der "Unberührbaren" Fast sämtliche Kinder in der Region gehen inzwischen zur Schule. Dies ist vor allem ein Zugewinn für die Mädchen. Dank der neu eingerichteten Kinderkrippen in den meisten Projektdörfern brauchen sie nicht mehr auf ihre kleinen Geschwister aufzupassen, wenn die Eltern auf dem Feld arbeiten. ACAP legt dabei besonderen Wert auf die Versorgung der Mitglieder aus der niedrigsten Kaste, die am Rande der Dörfer leben und als "Unberührbare" traditionell vom Sozialleben ausgeschlossen sind. Für deren Kinder ist der Hort kostenfrei.

Nach dem Kassensturz noch 25 000 Euro übrig!

Die anderen zahlen umgerechnet etwa 50 Eurocents und ein Kilo Reis im Monat für die Mittagsspeisung. "Je ärmer die Menschen sind, desto mehr Druck üben sie auf ihre Umwelt aus", sagt Gehendra Gurung, "wenn sie wenig Land besitzen, müssen sie um so mehr den Wald nutzen."

Das über drei Jahre laufende Projekt Bhujung hat die meisten Ziele erfüllt, viele übererfüllt, und - gewiss ein Novum in der Entwicklungshilfe - mit einem Restbetrag von über 25 000 Euro in der Kasse geschlossen.

Dieser Betrag - und zusätzliche Mittel von GEO und DSW - fließen jetzt in das Folgeprojekt Bhujung II, das aufbauend auf der gesammelten Erfahrung und in einem größeren Gebiet die nachhaltige Entwicklung fördert.

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Hintergrund
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