Ökologie: Wachstum aus der Asche

Jedes Jahr fallen über eine halbe Milliarde Hektar Wald und Savanne dem Feuer zum Opfer. Doch Waldbrände schaffen auch Raum für neues Leben - und neue Arten

Auf allen Kontinenten gibt es Landschaften, die sich an regelmäßig wiederkehrende Brände angepasst haben. In afrikanischen Savannen etwa haben zahlreiche Baumarten mit der Evolution feuerresistente Stämme gebildet, und wenn die Bodenfeuer welkes Gras und vertrocknetes Gestrüpp verschlungen haben, reichert deren Asche den Boden mit Nährstoffen an.

Das Feuer gehört zum Ökosystem

Manche Pflanzen - so genannte Pyrophyten - könnten ohne Feuersbrunst gar nicht existieren: Die riesigen Mammutbäume Nordamerikas ebenso wie viele Kiefern- und Eukalyptusarten geben ihre Samen erst nach großer Hitzeeinwirkung frei. Südafrikanische Narzissen- und Liliengewächse schieben wenige Tage nach einem Feuer, das lästige Konkurrenz ausschaltet, prächtig gefärbte Blüten in großer Zahl aus der verbrannten Erde (siehe GEO Nr. 3/2003).

Mehr Schaden als Nutzen? Dennoch waren sich Wissenschaftler bislang uneins, ob Waldbrände der Pflanzenwelt in großen, erdgeschichtlichen Zeiträumen eher genutzt als geschadet haben. Forscher um den südafrikanischen Botaniker William Bond untersuchten deshalb in einer Computer-Simulation, wie eine Welt ohne Flächenbrände aussehen würde. Sie erstellten dazu ein globales Modell der Vegetationsverteilung, das besonders die Ausdehnung der Wälder - mit und ohne Feuereinwirkung - berechnete.

Ohne Feuer doppelt so viel Wald Ergebnis: Einerseits gäbe es ohne Feuer doppelt so viel Wald auf der Erde. Vor allem die Graslandschaften in Südamerika und Afrika besäßen großes Potenzial für Baumgemeinschaften und geschlossene Wälder. Sie gehören zu den Gegenden, die am häufigsten von natürlichen Bränden heimgesucht werden - ausgelöst durch Blitzschlag und Selbstentzündung. Untermauert werden die virtuellen Befunde durch experimentelle Langzeitstudien in den Nationalparks von Südafrika oder Australien. Dort zeigen Testflächen, in denen es kein Feuer gab, schon nach 15 Jahren eine Tendenz zur Bewaldung.

Artenvielfalt durch Feuer Andererseits nimmt mit der Ausbreitung des Waldes die Artenvielfalt ab. Im Vergleich zu den speziesarmen Wäldern vor allem auf der Nordhalbkugel bieten Feuerlandschaften Raum für viele Pflanzenarten, die sich auf andere Weise nicht durchsetzen könnten. So war das Feuer vermutlich ein entscheidender Faktor für den Siegeszug so genannter C4-Pflanzen, zu denen auch die Nahrungsgewächse Hirse, Mais und Zuckerrohr gehören. Durch ihr schnelles Wachstum können sich die Bestände gegebenenfalls rasch erholen und erobern ihr Terrain in einer feuertoleranten Umwelt.

Mehr Raum für das Feuer Verkohlte Holzsplitter in Steinkohleflözen belegen, dass kontinentale Waldbrände bereits vor rund 360 Millionen Jahren immer wieder auftraten. Heute bestimmt zunehmend der Mensch den Verlauf des Feuers - meist zum Nachteil der Natur. Es brennt, wo es nur Schaden anrichtet; wo aber die Flammen zum Erhalt typischer Ökosysteme beitragen, werden sie bekämpft. Der Feuerökologe Johann Georg Goldammer von der Universität Freiburg drängt deshalb darauf, dem Feuer mehr Raum zu lassen: Wenn Biomasse hin und wieder in Flammen aufgehe, werde größeren Feuern die Nahrung entzogen, wo der Mensch kleinere Feuer unterdrücke, züngelten die Flammen bald wilder denn je.

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