Biologie: Perfekte Kommunikation

Bienen können einander sehr genau mitteilen, wo Nektar zu finden ist

Die Entdeckung brachte dem österreichischen Verhaltensforscher Karl von Frisch im Jahre 1973 den Nobelpreis ein: Bienen, so seine Erkenntnis, verständigen sich mittels eines Tanzes, der den Tieren signalisiert, wohin sie fliegen müssen, um zu einer Futterquelle zu gelangen. Die wichtigsten Koordinaten zu Entfernung, Flugrichtung und Ergiebigkeit entnehmen die Insekten speziellen "Tanzeinlagen": Dazu gehören kreis- oder schleifenartige Bewegungen, die unterschiedliche Intensität des Schwänzelns und Flügelvibrationen sowie die Ausrichtung der Tanzachse in Bezug auf den Sonnenstand.

Ein internationales Forscherteam um Randolf Menzel und Uwe Greggers von der Freien Universität Berlin hat erstmals nachgewiesen, wie perfekt diese Informationsweitergabe funktioniert.

Um auszuschließen, dass Duftmerkmale die Bienen zum Futter leiten, wählten die Forscher für ihr Experiment eine geruchlose Nahrungsquelle aus. Zu dieser brachten sie eine Biene, die sich daran laben konnte. Zurück im Stock, signalisierte das Tier seinen Gefährten den Weg zum Futter, die daraufhin aufbrachen. An 19 dieser "Suchbienen" hatten die Wissenschaftler Minisender angebracht, um den Flug verfolgen zu können. Die meisten Tiere nahmen direkt Kurs auf den einen Viertelkilometer entfernten Futterstand und näherten sich diesem bis auf wenige Meter. Die Quelle tatsächlich finden konnten jedoch nur zwei der Bienen: Offenbar sind auf den letzten Metern optische und Duftsignale nötig, den Nektar aufzuspüren. Bei einem weiteren Experiment wurden 17 Bienen von den Wissenschaftlern nach Erhalt der Tanzbotschaft vom Stock weggetragen und woanders freigelassen. Diese absolvierten den Flug so, als ob sie von ihrer Behausung losgeflogen wären, verfehlten dann aber das Ziel um die Wegstrecke, die sie vom Stock wegtransportiert worden waren. Die Information über Richtung und Entfernung zur Quelle entnehmen sie also ausschließlich dem Bienentanz.

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