Naturschutz: Kommerz im Nationalpark?

Ein amerikanisches Erbe von Weltruf ist bedroht: Die berühmten staatlichen Schutzparks der USA sollen privatisiert werden

Es sei "die beste Idee, die Amerika je gehabt hat". So lobte der Dichter und Pulitzer-Preisträger Wallace Stegner einst das Konzept der US-Nationalparks, das seit der Eröffnung des Yellowstone-Reservats vor 133 Jahren auf der ganzen Welt Bewunderer und Nachahmer gefunden hat. Mehr Naturschutz gibt es nirgends: 1964 beschloss der US-Kongress mit dem Gesetz zum "National Wilderness Preservation System" die Unantastbarkeit der Gebiete, die fortan ohne feste Straßen oder andere dauerhafte menschliche Einrichtungen der Nachwelt erhalten bleiben sollten.

Dieser großen Idee droht buchstäblich der Ausverkauf. Die Vereinigung ehemaliger Nationalpark-Angestellter sieht in aktuellen politischen Vorstößen "einen nie dagewesenen Angriff auf das System" der amerikanischen Schutzparks.

Im Jahr 2003 hatte die US-Regierung bereits beschlossen, den Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Anbietern zu forcieren. Aufgrund dieser Vorgabe sollen in Zukunft 70 Prozent der Parkangestellten, auch erfahrene Ranger und Umweltchemiker, durch schlechter bezahlte Kräfte ersetzt werden, die von privaten Firmen gestellt und kontrolliert werden.

In diesem Jahr hat nun das US-Innenministerium die Richtlinien für den National Park Service neu formuliert: Statt Schadensminimierung ("minimizing harm") erscheint in der Agenda zum Beispiel die Forderung, negative Einflüsse auf die Natur lediglich abzuschwächen ("mitigating harm"). Auch sollen neue Freizeitaktivitäten in den Parks nicht von vornherein ausgeschlossen sein, sondern erst gestoppt werden, wenn sich im Nachhinein eine Beeinträchtigung der Natur nachweisen lässt.

Als vorläufiger Höhepunkt gilt eine aktuelle Gesetzesinitiative des kalifornischen Abgeordneten Richard Pombo, 15 der über 50 Nationalparks an private Investoren zu verkaufen - unter anderem das Yukon-Charley Rivers National Preserve in Alaska. Derselbe republikanische Politiker hat gerade im Repräsentantenhaus für einschneidende Änderungen im strengen amerikanischen Artenschutzgesetz ("Endangered Species Act") plädiert. Unter anderem soll kein Gebiet mehr als "critical habitat" bedrohter Spezies ausgezeichnet werden. Damit könnte ein Areal nicht wie bisher grundsätzlich der Erschließung entzogen werden.

Wenig Vertrauen haben Naturschützer in die Versicherung von Präsident George W. Bush, das durch die Privatisierung eingesparte Geld werde dafür eingesetzt, die Pflege der Nationalparks zu verbessern. Ist doch deren Budget unter der konservativen Regierung bereits um ein Viertel geschrumpft, obwohl im gleichen Zeitraum die Besucherzahl um die Hälfte zugenommen hat. Resultat: Die Parks bringen nur zwei Drittel der nötigen Erhaltungsgelder auf und machen jährlich 600 Millionen Dollar Schulden.

Dass die Gewinne aus der Privatisierung die aufgelaufenen Sanierungskosten von bis zu acht Milliarden Dollar decken könnten, ist kaum zu erwarten. Es sei denn, man würde Konzessionen für Amüsierbetriebe und Freizeitaktivitäten wie Bungee Jumping erteilen. Schon jetzt gibt es im Yellowstone-Park geführte Snowmobiltouren. Der Direktor der National Off-Road Business Association, Bill Dart, hat noch weiter gehende Pläne: Obwohl sich motorisierter Freizeitspaß nicht für alle Reservate anbiete, gebe es Areale für individuellen Schneemobil-Tourismus.

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