Expedition: Überraschung im Dschungel

Auf Neuguinea haben Forscher ein unberührtes Stück Regenwald entdeckt – Lebensraum bisher unbekannter oder als ausgestorben geltender Tiere

Ein sanft geschwungener Gebirgszug von 2200 Meter Höhe, vollständig bewaldet und nahezu isoliert – so beschreibt Bruce Beehler die Foja-Berge in Papua (Irian Jaya). "Es gibt dort nicht eine einzige Straße, nicht einmal einen Pfad. Unser Hubschrauber musste in einem kleinen Moor landen, das war die einzige Lichtung. Unterwegs im Regenwald haben wir Markierungen an Bäumen angebracht, um nicht die Orientierung zu verlieren."

Seit 30 Jahren erforscht der Ornithologe von der US-Naturschutz-Organisation Conservation International die Artenvielfalt des Regenwaldes von Neuguinea; sein Spezialgebiet sind Paradiesvögel. Eine seltene Spezies haben Beehler und seine Begleiter nun im Gebirge nördlich des Mamberamo-Bassins gefunden.

Bereits am zweiten Tag der Erkundung zeigte sich den Forschern ein Berlepscher Strahlenparadiesvogel (Parotia berlepschi), der zwar 1897 in einer Tiersammlung entdeckt, aber noch nie von Wissenschaftlern in seinem natürlichen Lebensraum beobachtet worden ist. Auch eine bisher unbekannte Vogelspezies, die vermutlich zur Familie der sperlingsartigen Honigfresser (Meliphagidae) gehört, wurde gesichtet – mit auffallend gelblich-orangefarbenen Gesichtsmarkierungen und Kehllappen.

Da sie Menschen nicht kannten, zeigten einige Tiere keinerlei Fluchtverhalten. Nachtaktive Langschnabeligel (Zaglossus bruijni) ließen sich sogar in einem Kissenbezug ins Camp tragen, vermessen und fotografieren. Diese äußerst seltenen Lebewesen gehören wie die Schnabeltiere und Kurzschnabeligel Australiens zu den urtümlichen eierlegenden Säugetieren (Protheria).

Eine Überraschung war auch die Begegnung mit dem Meliphagi nahezu ausgestorbenen Goldmantel-Baumkänguru (Dendrolagus pulcherrimus). Baumkängurus leben in Australien und Neuguinea. Darüber hinaus registrierten die US-Zoologen 20 bislang unbekannte Frosch- und vier neue Schmetterlingsarten. Selbst die einheimischen Teilnehmer der Exkursion von den Völkern der Kwerba und Papasena staunten über die Abgeschiedenheit des Gebietes. Nicht einmal ihre Vorfahren hätten es je betreten, da sie bei der Jagd im näheren Umkreis ihrer Dörfer stets genügend Wild hatten finden können.

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