Die einzelnen Stationen im Überblick

Von den Azoren bis zur Antarktis läuft Greenpeace mit der "Esperanza" 12 verschiedene Stationen an. Ihr Ziel: die Schaffung eines weltweiten Netzwerks von Meeresschutzgebieten. Mit Online-Tagebüchern

1. Station: Südpolarmeer (November 2005 - Januar 2006)

Seit 1987 lässt die japanische Regierung Wale im Südpolarmeer unter dem Deckmantel der Wissenschaft töten. Hier startete Greenpeace die erste Aktion der "SOS Weltmeer"-Tour. Zusammen mit dem Schiff "Artic Sunrise" verfolgte die "Esperanza" über zwei Monate lang japanische Walfänger mit dem Ziel, die Ereignisse zu dokumentieren und durch gezielte Aktionen den Erfolg der Jagd möglichst gering zu halten. Die Walfangflotte bestand aus drei Fangschiffen, die mit Sprengstoff-Harpunen Wale erlegten. Ein Fabrikschiff holte anschließend die verendeten Tiere an Bord, wo sie bis zur Ankunft in einem japanischen Hafen lagerten.

Mit Schlauchbooten versuchten die Aktivisten den Abschuss der Harpunen zu behindern, indem sie die Boote immer wieder schützend zwischen Wal und Harpune manövrierten. Doch die Walfänger waren auf solche Aktionen vorbereitet und attackierten die Schlauchboote mit starken Wasserwerfern. So konnte das Abschlachten der Meeresbewohner nicht vollständig verhindert werden. Eindrucksvoll schreibt die deutsche Greenpeace Aktivistin Regine Frerichs in ihrem Online Tagebuch über Erfolge und Misserfolge: "Ein verwundeter Wal versuchte dem Fangschiff zu entfliehen. Es hat sechs Schuss mit der Harpune gebraucht, wovon zwei getroffen haben. Der erste Schuss hatte dem Wal ein Loch in den Rücken gerissen, aus dem das Blut in Fontänen herausschoss. Der sechste Schuss dann verankerte das Seil im Körper des Tieres und es brauchte danach noch einmal weitere 30 Minuten, bis der Wal elend verendet war."

Das Online-Tagebuch der Aktion ist in drei Teilen zu finden unter: http://www.greenpeace.de/themen/meere/kampagnen/sos_weltmeer/tour/artikel/walfang_in_der_antarktis/

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Mit dem Schiff "Esperanza" sind die Umweltschützer von Greenpeace auf den Weltmeeren unterwegs

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Die Route der "SOS Weltmeer"-Tour

2. Station: Küste Westafrikas (Februar - April 2006)

Piratenfischer treiben überall auf den Weltmeeren ihr Unwesen. Ihre Schiffe sind, wenn überhaupt, in einem Land registriert, das keinem internationalen Fischereiabkommen beigetreten ist. So können Fischereifirmen den offiziellen Fangquoten ignorieren und sich den Gesetzen ihrer Heimatländer entziehen. Besonders stark betroffen ist die Westküste Afrikas: hier fischen die großen Trawler sogar innerhalb Zwölf-Meilen-Zone, in der nur der jeweilige Küstenstaat über die Fischerei-Rechte verfügt. Den Entwicklungsländern fehlt oftmals das Geld um wirksame Kontrollen durchzuführen. Ziel der zweiten Etappe der SOS-Weltmeer Tour war daher die afrikanische Westküste. Greenpeace gelang es dabei einem unter chinesischer Flagge fahrenden Trawler das Handwerk zu legen. Das Schiff fischte unerlaubt im Hoheitsgebiet von Guinea. Mit Hilfe eines Schlauchbootes brachten Greenpeace Aktivisten einen offiziellen Fischerei-Inspektor aus Guinea an Bord des Piratenfischers. Der Trawler musste daraufhin den nächsten Hafen anlaufen und wurde den zuständigen Behörden übergeben.

3. Station: Azoren (April - Mai 2006)

Von der afrikanischen Küste ging die Reise der "Esperanza" weiter zu den Azoren. Der Einsatz vor der Inselgruppe stand im Dienste der Wissenschaft und Forschung. Zusätzlich wollte Greenpeace auf der dritten Station der Tour die Schönheit der Unterwasserwelt in dieser Region dokumentieren und der Öffentlichkeit vorführen. Mit an Board der "Esperanza" war ein Walforscher von der IFAW (International Fund for Animal Welfare), der Untersuchungen zur Populationsdichte der Pottwale anstellte, und Wissenschaftler der Universität der Azoren, deren Ziel es war, die dort lebenden Arten der Tiefsee zu katalogisieren.

4. Station: Mittelmeer (Mai - Juni 2006)

Die nächste Etappe führte die "Esperanza" ins Mittelmeer. Dort dokumentiert die Schiffscrew die Jagd auf junge Blauflossen-Thunfische, die für die Mast in Thunfisch-Farmen gefangen werden.

Siehe dazu den Artikel "Thunfische in Gefahr".

5. Station: Rotes Meer (Juni 2006)

Die weltweit nördlichste Warmwasser-Korallenfauna ist stark bedroht durch übermäßigen Tauchtourismus und Abwässer, die ungeklärt ins Rote Meer fließen. Die Crew der "Esperanza" will die noch vorhandene, einzigartige Tier- und Pflanzenwelt dokumentieren und gleichzeitig Protestaktionen gegen die schleichende Zerstörung der Korallen durchführen.

6. Station: Indien (Juli 2006)

An der Ostküste Indiens, im Bundesstaat Orissa fand alljährlich ein wunderbares Naturschauspiel statt. An drei Stränden kamen die Weibchen der Oliven Bastardschildkröte zu Hunderttausenden zusammen, um ihre Eier in den Sand zu legen. Inzwischen werden an einem dieser Strände oft nur noch Kadaver angeschwemmt, denn die Schildkröten verfangen sich immer häufiger in Fischernetzen und ertrinken. Greenpeace Indien hatte bereits von Februar bis Mai 2006 ein internationales Camp an Orissas Küste zum Schutz der Oliven Bastardschildkröte errichtet. Mit der "Sugayatri", dem Greenpeace Schiff vor Ort, befestigten die Aktivisten Bojen, um das existierende Schutzgebiet zu markieren. Denn offiziell ist das Fischen mit Netzen vor den Brutstränden verboten. Im Juli wird die "Esperanza" an der Schildkrötenküste Station machen und ebenfalls gegen die illegale Fischerei im Schutzgebiet protestieren.

7. Station: Philippinen (August 2006)

1985 wurde Apo-Island mit seinen tropischen Riffen zum Meeresschutzgebiet erklärt. Die zu den Philippinen gehörende Insel und ihre angrenzenden Gewässer bilden ein eindruckvolles Beispiel funktionierender Schutzgebiete, auf die Greenpeace vor Ort aufmerksam machen möchte. Auch die größte Fischart der Erde, der bis zu 14 Meter lange Walhai, findet hier noch ausreichend Nahrung. Doch die Korallenriffe vor der Insel Rapu-Rapu sind durch Abwässer einer Minenbaugesellschaft bereits stark beschädigt. Zusammen mit örtlichen Umweltschutzorganisationen will die Crew der "Esperanza" auf die Wirksamkeit von Schutzgebieten aufmerksam machen. Gleichzeitig soll der fahrlässige Umgang von örtlichen Unternehmen mit der Unterwasserwelt dargestellt und ins Bewusstsein der philippinischen Bevölkerung gerückt werden.

8. Station: Pazifik (Oktober 2006)

Das Fischvorkommen an Europas Küsten reicht längst nicht mehr aus, um die Nachfrage auf unserem Kontinent zu befriedigen. Etwa die Hälfte des in Europa konsumierten Fischs wird

außerhalb europäischer Gewässer gefangen: jetzt sind auch die teilweise noch intakten Fischpopulationen im Pazifischen Ozean durch große Fischereiflotten bedroht. Ähnlich wie bei der zweiten Station der "SOS Weltmeer"-Tour vor der Küste Westafrikas will Greenpeace gegen die illegale Fischerei vorgehen, denn auch den pazifischen Ländern fehlen die notwendigen Mittel, um ihre Fischgründe ausreichend zu bewachen.

9. Station: Hawaii (Oktober - November 2006)

Ein riesiger Strudel aus Plastikmüll dreht sich langsam im nordpazifischen Ozean. Inzwischen soll er die Ausmaße von Texas angenommen haben. Greenpeace will den Strudel dokumentieren und gegen das ungebremste Einbringen von Plastikabfällen in die Ozeane protestieren. Zudem wird die "Esperanza" das bisher größte vorgeschlagene Meeresschutzgebiet besuchen, das vor den Inseln Hawaiis entstehen soll. Weitere Informationen unter http://oceans.greenpeace.org/de/unsere-ozeane/verschmutzung/der-strudel-aus-muell

10. Station: Mexiko (November - Dezember 2006)

Der Golf von Kalifornien: Jaques Cousteau nannte ihn einst das Aquarium der Welt, so sehr begeisterte ihn die große Artenvielfalt in der Meeresbucht zwischen dem mexikanischen Festland und der Halbinsel Niederkalifornien. Vor kurzem erst hat die mexikanische Regierung die Schutzbestimmungen im Golf von Kalifornien gelockert. Fischtrawler gefährden nun die einzigartige Unterwasserwelt. Greenpeace will vor Ort für die Einführung neuer, flächendeckender Schutzgebiete kämpfen.

11. Station: Ecuador (Dezember 2006)

Shrimps waren bis vor wenigen Jahren noch eine Luxusware - heute sind sie aus keinem Discounter mehr wegzudenken. Die billigen Garnelen stammen dabei überwiegend aus Aquakulturen an tropischen lateinamerikanischen und asiatischen Küsten. Um die Shrimps-Teiche anzulegen, werden ganze Mangrovenwälder abgeholzt. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass bereits 50 Prozent der weltweiten Mangrovenwälder dem Shrimps-Konsum zum Opfer gefallen sind. Das Team der "Esperanza" wird vor der Küste Ecuadors diese verheerende Industrie dokumentieren und die lokalen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen aktiv unterstützen.

12. Station: Antarktis (Januar - Februar 2006)

Auf der letzten Etappe der "SOS Weltmeer"-Tour schließt sich der Kreis: die "Esperanza" wird ins Walschutzgebiet im Südpolarmeer zurückkehren und erneut den Kampf mit den japanischen Walfangflotten aufnehmen.

Mehr Informationen zu den einzelnen Stationen und der "SOS-Weltmeer-Tour" gibt es unter http://www.greenpeace.de/themen/meere/kampagnen/sos_weltmeer/tour/

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