Botanik: Blüten auf Tauchstation

Die Fruchtknoten eines tropischen Gesneriengewächses baden in ihren Kelchen

Normalerweise legen sich Kelchblätter wie eine Hülle um die noch nicht geöffneten Blüten und schützen sie dadurch vor Fressfeinden. Nicht so bei Chrysothemis friedrichsthaliana. Die Blütenkrone dieses tropischen Gesneriengewächses verschmilzt zu einer Art Becher, der sich mit einem wässrigen Cocktail füllt. In jenen Gebilden tauchen die Fruchtknoten unter, bis die Blüte sich voll entwickelt hat. Eine besondere Form der Schädlingsabwehr? Die Vermutung liegt nahe, denn neben den Kelchen von Chrysothemis lassen sich bevorzugt Federmotten der Familie Alucitidae nieder. Deren Weibchen stechen die Fruchtknoten an und legen darin ihre Eier ab. Dem Rätsel der botanischen "Badewanne" gingen Jane Carlson von der Louisiana State University und Kyle Harms vom Smithsonian Tropical Research Institute auf den Grund.

Von August bis Oktober 2005 und 2006 untersuchten sie in Costa Rica mehr als 350 Exemplare von Chrysothemis - wobei sie 80 Individuen täglich die Flüssigkeit abzapften. Ergebnis: Während der Schädlingsbefall in den unbehandelten Bechern 2005 bei 38 und 2006 bei 19 Prozent lag, war er in den trockengelegten Kelchen jeweils mehr als doppelt so hoch. Offenbar, so die Forscher, könne der kurze Eiablageapparat der Federmotten die überschwemmten Samenanlagen im Kelchbecher nicht erreichen, wenn die Flüssigkeit darin zu hoch stehe.

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