Ökologie: Sterben im Stock

Verursachen Milben den rätselhaften Bienentod in den USA?

Mehr als ein Viertel der 2,4 Millionen Bienenvölker in den USA ist seit Herbst 2006 gestorben. Seit Monaten fahnden Wissenschaftler nach einem Pathogen, welches das "Colony Collapse Disorder" (CCD) ausgelöst haben könnte. Bislang erfolglos. Zwar fanden sie im Verdauungstrakt toter Bienen ungewöhnlich viele Mikroorganismen: Viren, Pilze, Bakterien. CCD schwächt wohl das Immunsystem. Dennoch glauben einige Forscher nicht an einen neuen Super-Erreger. "Schon bekannte Szenarien reichen als Erklärung aus", sagt Jürgen Tautz, Leiter der "BEEgroup" an der Universität Würzburg. Vor allem ein klassischer Schädling spiele wohl eine entscheidende Rolle: die Varroa-Milbe. Sie bohrt Bienen und Larven an, wobei Keime in deren Körper eindringen.

In Deutschland löste die Milbe im Winter 2003 ein Massensterben aus, dessen Ausmaß dem in Amerika ähnelt: 30 Prozent der Bienenvölker verendeten. Doch die Verluste stabilisierten sich relativ schnell; sie lagen im Winter 2006/2007 bei rund zehn Prozent, einem normalen Wert. So halten deutsche Forscher auch das "Verschwinden" der US-Bienen für wenig mysteriös. Das "Kahlfliegen" der Stöcke sei ein typisches Verhalten sterbender Tiere. Denn Honigbienen leben so dicht aufeinander, dass nur radikale Hygiene die Artgenossen schützen kann. Entwarnung möchte Tautz aber nicht geben. Denn wie gut sich Bienen gegen die Milben durchsetzen können, hängt von ihrem Gesundheitszustand ab. Und der wird wegen einseitiger Züchtung und Monokulturen, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, immer schlechter.

GEO.de Newsletter