Ökologie: Viel Stadt, wenig Regen

Schnelles Städtewachstum verändert das Wetter

Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Ballungsgebiete von Hongkong bis Kanton in der südlichen Provinz Guangdong um das Dreifache ausgedehnt. Das hat Folgen für das Klima in dieser Region, wie Forscher um den Geographen Robert Kaufmann von der Boston University herausfanden. Neun Jahre lang beobachteten sie mittels jährlicher Satellitenaufnahme das Perlfluss-Delta. Tägliche Daten über Niederschlagsmengen und Durchschnittstemperaturen lieferten 16 Wetterstationen, um die Kaufmann auf dem Satellitenbild Pufferzonen von je 6,20 und 40 Kilometer Durchmesser zog - als Raster für das Städtewachstum. Das Resultat: Während sich die Städte in die 26.000 Quadratkilometer große Region am Perlfluss fraßen, regnete es immer weniger, vor allem in der Trockenzeit.

In Ballungsgebieten gerate offenbar der Wasser- und Energiekreislauf durcheinander, meint Kaufmann. In Regionen mit überwiegend natürlicher Vegetation wird ein großer Teil des Regenwassers vom Boden aufgenommen oder verdunstet in Tröpfchenform, um anschließend in den kalten Zonen der Tropo- oder Stratosphäre als Wolke zu kondensieren. Auf versiegelten Flächen fließe das Wasser dafür viel zu schnell ab. Auch die Vegetation selbst spiele eine wichtige Rolle: Pflanzen geben einen Teil des Wassers, das sie aufnehmen, über Spaltöffnungen an der Unterseite ihrer Blätter wieder an die Atmosphäre ab. Bis zu 90 Prozent des Wasserdampfes, der über dem Festland entsteht, geht auf das Konto grüner Pflanzen. Wo keine Vegetation ist, kann auch fast nichts verdunsten. Zusätzlich beeinflussen Aerosole, wie Rußpartikel aus Industrie- und Verkehrssmog, die Wolken- und Niederschlagsprozesse. Schwebstoffe absorbieren die Sonnenstrahlung, was die Atmosphäre aufheizt, den Boden aber abkühlt. Verdunstung und Wolkenbildung verringern sich.

Kaufmann zufolge blicken nicht nur Chinas Großstadtbewohner bald schon trockenen Zeiten entgegen. Nach einer Prognose der Vereinten Nationen werden bis zum Jahr 2030 fast zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ballungszentren leben.

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