Staub für die Welt

Jedes Jahr fegt der Wind ein bis zwei Milliarden Tonnen Staub aus den Wüsten und trägt sie weit über den Erdball

"Der Staub fällt in solchen Mengen, dass er alles an Bord schmutzig macht und den Menschen die Augen schmerzen." Charles Darwin hatte an Bord des Forschungsschiffes "Beagle" gerade die Kapverden erreicht, als er diesen Satz im Januar 1832 in sein Tagebuch schrieb. Er vermutete, der Staub komme aus dem mehr als 600 Kilometer entfernten Afrika. Darwin hatte Recht – ahnte allerdings nicht, wie weit in der Sahara aufgestiegene Partikel gelangen können. Inzwischen ist bekannt, dass aus den Wüsten der Erde jährlich ein bis zwei Milliarden Tonnen Staub in die Luft getragen werden. Starke Hitze am Boden und Windwirbel jagen den Staub bis zu fünf Kilometer hoch – allerdings nur Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,063 Millimetern.

Von starken Winden in entfernte Regionen befördert, sinken die Stäube dort wieder hinab – oft fein verteilt in Regentropfen. Im Sommer transportieren die Windsysteme über dem Atlantik den Sahara-Staub vor allem in die Karibik und nach Nord- und Mittelamerika, im Winter vorwiegend nach Südamerika. Der Rest wird im Winter etwa bis ins südliche Mittelmeer, im Frühjahr noch weiter in den Nahen Osten und nach Europa geblasen – sogar bis nach Skandinavien.

In Verbindung mit Regen kann der Staub den Niederschlag rot färben. Im Mittelalter glaubten die Menschen, dieser "Blutregen" sei Vorbote eines Unheils. Im Sommer 1991 landeten besonders viele rote Partikel in den Ötztaler Alpen. Sie fi ngen die Sonnenstrahlung ein und förderten das Abschmelzen des Gletschereises. So wurde eine 5000 Jahre alte, bis dahin im Eis konservierte Menschenleiche freigelegt, die bald als "Ötzi" Berühmtheit erlangte.

Der phosphat- und eisenhaltige Sahara-Staub düngt das Phytoplankton im Ozean – winzige Algen und Cyanobakterien, die die Basis der Nahrungskette aller Meeresbewohner bilden. Und weil viel Plankton viel Kohlendioxid bindet, wirkt der Staub aus der Sahara möglicher weise dem Treibhauseffekt entgegen. Auch der Amazonas-Regenwald hat sich auf die regelmäßige Nährstoffl ieferung aus dem mehr als 4000 Kilometer entfernten Afrika eingestellt. Die bislang weiteste registrierte Reise allerdings machte im Sommer 2003 Staub von einem anderen Kontinent: Aus der chinesischen Wüste Takla Makan wanderte er mit dem Wind über Ostasien, den Nordpazifik, Nordamerika und den Atlantik bis nach Europa und legte in 14 Tagen 20.000 Kilometer zurück.

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