Klimaforschung: Quietscheente auf Eis

Mithilfe von schwimmendem Plastikspielzeug will ein Forscher den Weg des Gletscherschmelzwassers sichtbar machen

Ihr eigentlicher "Lebensraum" ist das warme Wasser einer Badewanne. Alberto Behar vom NASA-Labor im kalifornischen Pasadena hat jedoch im August 2008 eine Flotte von 90 Spielzeugenten in einer grönländischen "Gletschermühle" ausgesetzt. Diese ist eine Art Trichter, durch den Schmelzwasser ins Innere eines Gletschers fließt.

Wohin es strömt, ist noch nicht bekannt. Vermutlich gelangt es unterhalb der Eismassen auf den Grund und wirkt dort wie eine Art Gleitfilm, auf dem sich die Eiswalze fortbewegt. Dies würde erklären, warum das Eis mitunter hohe Geschwindigkeiten erreicht.

Behars Studienobjekt ist der Jakobshavn Isbræ. Dieser Gletscher schiebt sich jeden Tag um 15 bis 35 Meter voran und ist damit der schnellste seiner Art in der Arktis. Rund sieben Prozent des Eises, das pro Jahr in den Nordatlantik gelangt, stammt aus Grönland. Der Forscher hofft, dass die Enten ins Meer transportiert und von Fischern gefunden werden. Damit wäre bewiesen, dass das Schmelzwasser tatsächlich den Gletscher verlässt. Tauchten die Enten nicht wieder auf, könnten sie entweder im Eis eingeschlossen oder vom Gletscher zermalmt worden sein.

Die "Versuchstiere" tragen neben den Aufschriften "Wissenschaftliches Experiment" und "Belohnung" auch Behars E-Mail-Adresse am Körper. Die Bitte um Rückmeldung ist auf Englisch, Dänisch und in der Sprache der Inuit verfasst. Zusätzlich hat Behar eine Sonde in die Gletschermühle versenkt. Mittels GPS, Druck- und Geschwindigkeitssensoren soll sie Aufschluss über die innere Struktur des Gletschers bringen. Zum Beispiel erhofft sich der Forscher Informationen über Wasserfälle, die sich unterhalb der Hülle des Jakobshavn Isbræ gebildet haben.

Inspiriert zu seinen Plastiktierversuchen wurde Alberto Behar von den rund 29 000 Entchen, Fröschen, Bibern und Plastikschildkröten, die ein Frachter 1992 mitten im Nordpazifik verlor. Auf ihrem Weg von Hongkong in die USA wurden sie bei schwerer See von Deck gespült. Seither reisen die Spielzeugtiere mit den Meeresströmungen um den Globus (siehe GEO Nr. 7/08).

Das Unglück hatte ausgesprochen erfreuliche Folgen für die Wissenschaft. Aufgrund der Daten zu den "Landeterminen", die der amerikanische Ozeanograph Curtis Ebbesmeyer von Findern der Spielzeugtiere rund um den Pazifik erhalten hat, ist das Wissen um den Verlauf der Meeresströme gewaltig gewachsen.

GEO.de Newsletter