Erfolgsstory Evolutionstheorie

Was ist die treibende Kraft hinter der Veränderung der Gestalt von Tieren und Pflanzen? Wie entstehen Arten? Darwins Antwort auf diese Frage ist bis heute unwiderlegt

Schon bevor Charles Darwin seine Reise auf der "Beagle" antritt, haben Gelehrte die Gültigkeit der biblischen Schöpfungsgeschichte infrage gestellt und sich Gedanken über die Veränderung von Lebewesen gemacht. Darwin aber kreiert die Idee von einem sich verzweigenden Entwicklungspfad, vom "Baum des Lebens". Seine größte Entdeckung: Er liefert als Erster eine schlüssige, bis heute gültige Theorie für einen Mechanismus der Evolution, den er natürliche Auslese nennt. Den Einfall dazu hat Darwin, als er zwei Phänomene zu einem Bild zusammenfügt: die Zucht von Haustieren und Pflanzen sowie das Bevölkerungswachstum des Menschen, das nach Ansicht seines Landsmanns Thomas Malthus zum Überlebenskampf führen wird, sobald die Nahrung knapp ist. Darwin erkennt, dass in der Natur Ähnliches passiert. Organismen bringen in aller Regel trotz begrenzter Ressourcen mehr Nachkommen hervor, als nötig wären, um die Population konstant zu halten. Es muss also eine Form von Selektion stattfinden, eine natürliche Auslese.

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Bahnbrechende Konsequenz aus der Evolutionstheorie: die Ahnenreihe des Menschen

Aber wer geht aus diesem Kampf ums Dasein als Sieger hervor, wer als Verlierer? Um die Frage zu beantworten, zieht Darwin eine gewagte Analogie: Er hat beobachtet, dass Individuen einer Art unterschiedlich sind. Bei der Züchtung von Tieren und Pflanzen nutzt der Mensch diese Variabilität und lässt jeweils nur diejenigen Exemplare sich fortpflanzen, deren Eigenschaften ihm nützlich sind. In der Natur entsprechen dem Züchter die Umweltbedingungen. Das Individuum, das diesen am besten angepasst ist, hat auch die besten Chancen, zu überleben und vor allem: sich fortzupflanzen. Heute sind weitere evolutionäre Mechanismen bekannt, doch die "blinde" Selektion, wie Darwin sie beschreibt, gilt nach wie vor als der entscheidende.

Ein weiterer wichtiger Gedanke, der Darwin von seinen Vorgängern abhebt, vor allem von Jean Baptiste Lamarck: Über die Chancen im Kampf ums Dasein entscheiden nicht Anpassungen, die ein Lebewesen während seiner Lebensspanne etwa durch den vermehrten Gebrauch eines Organs erwirbt, sondern jene Eigenschaften, die es bereits von seinen Vorfahren im Erbgut mitbekommen hat. Durch das Überleben der Tauglichsten, das Survival of the Fittest - wie Darwin es später auf Vorschlag des Philosophen Herbert Spencer genannt hat -, bilden sich über Generationen neue Merkmale heraus. Auf den Begründer der Evolutionstheorie geht ebenfalls das Prinzip der Divergenz zurück, der Aufspaltung von Arten, etwa weil sie geografisch durch Wasser oder Berge getrennt worden sind: Jede Population durchläuft in ihrer Umwelt eine eigene Evolution, nimmt eine eigene Richtung. In komplexen Ökosystemen besetzen unterschiedliche Arten unterschiedliche Nischen. Die großen Differenzen zwischen Spezies, oft ohne erkennbare Zwischenstufen, führt Darwin darauf zurück, dass die meisten Arten wieder ausgestorben sind - die toten Enden am Lebensbaum.

Das Konzept vom Stammbaum des Lebens erklärt, weshalb letztlich alle Wesen miteinander verwandt sind. Die Theorie der gemeinsamen Abstammung führt auch zu Darwins vielleicht bekanntester und aufsehenerregendster Einsicht: Der Mensch stammt von Affen ab. Heute liefern Fossilienfunde, Erkenntnisse der Embryologie und Molekularbiologie unabweisbare Belege für die Richtigkeit von Darwins Evolutionskonzept.

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Wo die Evolutionstheorie entstand: In einem beispiellosen Fotoprojekt reiste GEO-Fotograf Peter Ginter um die Südhalbkugel - immer auf der Fährte Charles Darwins
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