Kreationismus: Getreu dem Wort der Bibel

Religiöse Fundamentalisten bekämpfen die Evolutionstheorie

In seinem Buch "Über die Entstehung der Arten" bricht Charles Darwin radikal mit dem christlichen Schöpfungsglauben. Die "natürliche Zuchtwahl" an die Stelle der Hand Gottes zu setzen, bedeutete für viele Menschen eine Zumutung, der sie nicht folgen mochten. Und das gilt noch heute. Trotz der erdrückenden Belege für die Evolutionstheorie verstehen vor allem evangelikale Christen in den USA die biblische Schöpfungsgeschichte nach wie vor als Augenzeugenbericht.

Besonders buchstabentreu sind die Verfechter des sogenannten Kurzzeit-Kreationismus: Sie glauben an ein Erdalter von lediglich rund 6000, höchstens 10 000 Jahren und erklären die Befunde der modernen Naturwissenschaft schlicht für fehlerhaft oder gar vorsätzlich gefälscht. Langzeit-Kreationisten gestehen unserem Planeten immerhin ein hohes Alter zu, etwa indem sie die Schöpfungstage der Genesis nicht streng als 24 Stunden, sondern als Zeitalter deuten. Manche räumen der Evolution auch eine Rolle bei der Entstehung der Arten ein, stets jedoch unter der leitenden Hand Gottes.

Vom simplen Beharren auf Bibelworten rückt die seit knapp 20 Jahren erstarkende Bewegung des "Intelligent Design" (ID) ab. Sie legt großen Wert auf einen Anschein von Wissenschaftlichkeit und postuliert, die komplexen Baupläne und Eigenschaften von Lebewesen ließen sich nur durch das Wirken einer planenden Intelligenz plausibel erklären. Das Wechselspiel von zufälligen Erbgutveränderungen und Selektion reiche nicht aus. Damit bestreiten ID-Anhänger zwar nicht, dass Spezies voneinander abstammen können, beharren aber darauf, dass die Vielfalt der Organismen einen Designer erfordere so wie ein Gedicht einen Dichter.

Während sich viele Wissenschaftler fragen, ob sie auf die Thesen des Intelligent Design überhaupt eingehen sollen, sind kreationistische Lehren in den USA längst mehrheitsfähig: In einer Umfrage des Gallup-Instituts vom Mai 2008 stimmten 44 Prozent der Interviewten der Aussage zu, der Mensch sei in seiner heutigen Form vor etwa 10 000 Jahren erschaffen worden. An eine Evolution ohne Gott glaubten dagegen nur 14 Prozent.

Aber auch in Europa breiten sich kreationistische Anschauungen aus. In Deutschland sticht dabei die evangelikale "Studiengemeinschaft Wort und Wissen" hervor. Ihr Feldzug für Intelligent Design findet prominente Unterstützer: Im Sommer 2007 regten der Augsburger Bischof Walter Mixa und die damalige hessische Kultusministerin Karin Wolff öffentlich an, die biblische Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht an Schulen zu integrieren - eine zentrale Forderung fundamentalistischer Christen, die in den USA immer wieder Gerichte beschäftigt.

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Wo die Evolutionstheorie entstand: In einem beispiellosen Fotoprojekt reiste GEO-Fotograf Peter Ginter um die Südhalbkugel - immer auf der Fährte Charles Darwins
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