Klima: Googeln heizt die Erde auf

Von wegen virtuell: Suchen im Internet, Chats und Avatare verschlingen eine Menge realer Energie

Ein Computer hat kein qualmendes Abgasrohr. Doch obwohl man den Geräten ihre umweltschädigende Wirkung nicht ansieht, entstehen reichlich Treibhausgase bei der Erzeugung von elektrischem Strom für den Rechnerbetrieb.

"Wir haben herausgefunden, dass der Besuch auf einer Internetseite pro Sekunde eine Emission von rund 20 Milligramm Kohlendioxid verursacht", sagt der US-amerikanische Physiker Alex Wissner-Gross, der Ökobilanzen zu Internetseiten erstellt.

Über das genaue Ausmaß der Umweltbelastungen streiten sich die Experten zwar. Google selbst geht von rund 0,2 Gramm CO2-Emissionen pro Suche aus. Multipliziert man diese Zahl mit täglich 103 Millionen Suchanfragen in Deutschland, summiert sich das Ergebnis allein hierzulande auf 20 Tonnen pro Tag.

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Server - das vergisst man leicht - verbrauchen Strom

Dies betrifft jedoch nur den Energieverbrauch der Server. Berücksichtigt man alle IT-Aktivitäten inklusive des Betriebs privater PCs, gehen laut der amerikanischen Beratungsfirma Gartner rund zwei Prozent aller CO2-Emissionen auf das "virtuelle" Konto.

Spielwelten saugen besonders viel Strom

Sehr verschwenderisch ist das Unterhalten virtueller Spielwelten wie Second Life. Im Schnitt sind schätzungsweise zu jeder Zeit zwischen 10.000 und 15.000 Kunstwesen, sogenannte Avatare, aktiv. Multipliziert mit der Leistung der PCs (120 Watt), Server (200 Watt) sowie den Klimaanlagen für die Serverfarmen (rund 50 Watt pro Server), ergibt dies 60.000 Kilowattstunden oder rund 4,8 kWh pro "Kopf" und Tag.

Aufs Jahr gerechnet, sind dies 1752 kWh. Damit benötigt ein einziges Kunstwesen nicht viel weniger Energie als ein Lateinamerikaner aus Fleisch und Blut: Ein Mexikaner verbrauchte im Jahr 2002 durchschnittlich 2280 kWh.

Solange freilich der Gebrauch des Internets andere energieintensive Aktivitäten überflüssig macht, etwa eine Autofahrt zur Bibliothek, ist die Umweltbilanz allerdings positiv.

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