Klima: Seefahrt bringt Not

Von Schiffen erzeugte Abgase belasten die Umwelt enorm. Nun endlich hat die Weltvertretung der Seefahrer reagiert

Feinstaub, Stickoxide und Schwefelverbindungen entweichen bislang meist ungefiltert aus den Schornsteinen der Handelsflotte. Fast fünf Prozent des globalen CO2-Ausstoßes, 1,2 Milliarden Tonnen jährlich, stammen von Schiffen. Das ist das Doppelte der Luftfahrtemissionen. Hinzu kommen 37 Millionen Tonnen Stickoxide und 20 Millionen Tonnen Schwefeloxide. Vor allem der im Schweröl, dem globalen Schiffstreibstoff, enthaltene Schwefel ist giftig.

Das niederländische Maritim-Unternehmen DK Group hat errechnet, dass beim Transport eines einzigen Containers auf der Strecke Shanghai-Hamburg so viel Schwefeldioxid entweicht, wie 3950 Autos in der gleichen Zeit erzeugen. Anders gesagt: 24 große Schiffe, die mehr als 8000 Standardcontainer tragen können, stoßen dieselbe Menge Schwefel aus wie die globale Automobilflotte, die 750 Millionen Fahrzeuge stark ist.

Nach jahrelangen Diskussionen hat die Vertretung der Seefahrer, die International Maritime Organization (IMO), nun erstmals feste Regelungen erlassen, um die Umwelt zu entlasten. Ab 2012 soll der Schwefelgehalt im Treibstoff von 45.000 auf 35.000 "parts per million" (ppm) sinken, bis zum Jahr 2020 sogar auf 5000 ppm. In bestimmten Kontrollgebieten (SECA), etwa in Nordund Ostsee, gelten bereits früher strenge Vorschriften: Ab dem 1. Juli 2010 darf der dort verwendete Treibstoff nur ein Prozent (10.000 ppm) Schwefel enthalten.

Im Vergleich zum Straßenverkehr ist auch das noch immer horrend viel: Diesel an europäischen Tankstellen weist bereits jetzt nur zehn ppm Schwefelanteil auf. Dabei könnten die Schiffe längst weitaus umweltfreundlicher über die Meere fahren. Mit entsprechender Ausrüstung und Technik ließe sich bis zur Hälfte des Treibstoffs sparen.

Eine Option im Sortiment der Verfahren ist zum Beispiel der "Flettner-Rotor". Bei diesem Antrieb werden an Deck große Zylinder montiert, die von einem Motor in Rotation versetzt werden. Streicht Wind über den rotierenden Zylinder, wirkt dieser ähnlich wie ein Flugzeugflügel: Es entstehen Sog- und Staudruckkräfte, die eine Ablenkungskraft quer zur Anströmrichtung des Windes erzeugen.

Diese als "Magnus-Effekt" bekannte Kraft treibt das Schiff voran. Geschätztes Energiesparpotenzial: 15 bis 20 Prozent. Der Windradhersteller Enercon lässt nach diesem Prinzip gerade ein Frachtschiff bauen. Es soll Komponenten von Windturbinen transportieren - effizient und umweltfreundlich.

Und noch eine weitere luftige Idee könnte den Dieselverbrauch großer Frachter senken: Wenn Schiffe auf Luftpolstern fahren, wird die Reibung zwischen der stählernen Hülle und dem Wasser reduziert. Mit diesem "Air Cavity System" wurde unlängst ein Frachter ausgestattet, der zurzeit auf Messfahrt in der Ostsee unterwegs ist.

Die Ergebnisse sind so vielversprechend, sagt der DKGroup-Gründer Jørn Winkler, dass er etliche Schiffe auf den Luftteppich setzen möchte: "Unsere Technik spart bis zu 15 Prozent Treibstoff ein, bei großen Schiffen, die täglich 250 Tonnen Öl verbrennen, bedeutet das sehr viel Geld."

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