Dschungel, Maßstab 1:1

Monumental in jeder Hinsicht, unterstützt von GEO: Der Berliner Künstler Yadegar Asisi enthüllt nach jahrelanger Arbeit ein gigantisches Panorama des Regenwaldes

Vor dem Betrachter streben Baumriesen gen Himmel. Rechterhand scheinen Gipfelkronen zum Greifen nah. Und der Boden in sechs Meter Tiefe ist mit dichtem Grün bedeckt. Von einer Plattform aus blickt der Besucher weit in den Regenwald – in den Regenwald von Leipzig: 100 Meter lang, 10 Stockwerke hoch und auf 3200 Quadratmeter Stoff gedruckt, der sich kreisrund um die Plattform spannt. Ein dreidimensionales Bild, geschaffen vom Berliner Künstler Yadegar Asisi, unterstützt von GEO.

Am 28. März 2009 enthüllt Asisi im "Asisi Panometer" in Leipzig sein neuestes und das weltweit größte 360-Grad-Panorama: "Amazonien" ist sein "Zauberbild der Natur" und eine Hommage an Alexander von Humboldt, der vor 150 Jahren gestorben ist. Asisi, der 1955 als Sohn persischer Emigranten in Wien geboren wurde, glaubt wie der deutsche Naturforscher daran, dass das Sehen die Hauptquelle der Erkenntnis sei. So sensibilisiere sein Bild für die Welt des Regenwalds.

Dschungel, Maßstab 1:1

Ein Bild von einem Urwald: Asisis fotorealistisches Amazonas-Panorama überwältigt die Zuschauer im Leipziger Panometer

Dschungel, Maßstab 1:1

Alles im Fluss: Auf mehreren Reisen an den Amazonas fertigte Asisi ungezählte Vorstudien an

"Erst sieht man nur Grün", sagt der Künstler. Die Details gebe der Dschungel auf Stoff dem Betrachter erst allmählich preis. Dann differenzieren sich die Grüntöne, das Bild gewinnt an Tiefe. Der Zuschauer entdeckt Insekten, Vögel in den Baumkronen, vielleicht ein Faultier und die Ureinwohner der Länder am Amazonas. Lebensgroß, im Maßstab 1:1.

Vier Mal reiste Asisi für sein Projekt nach Brasilien, machte 25.000 Fotos in verschiedenen Lichtsituation und entwickelte die erste Amazonien-Skizze. Zuhause komponierte er dann mit einem elektronischen Pinsel das Panorama am Computer. Es dauerte zwei Jahre bis die fertige Datei im Sauerland auf 37 Polyesterbahnen gedruckt wurde. Zurück in Leipzig spannten Industriekletterer den Stoffschlauch auf und tarierten das Gemälde so lange aus bis sie den perspektivisch richtigen Blickwinkel eingerichtet hatten.

Das Licht in Asisis Regenwald ist grünlich-düster am Tag, tiefdunkel in der gewittrigen Tropennacht. In 15-minütigen Schleifen simuliert eine Lichtinstallation 24 Stunden im Dschungel. Vögel singen, Insekten zirpen. Die Töne des Tages schallen aus unsichtbaren Lautsprechern. Alles untermalt mit einer eigens komponierten Musik. In der 3-D-Welt von Asisi aber ist das nur Beiwerk. Denn, so sagte Alexander von Humboldt: "Das Auge ist das Organ der Weltanschauung."