Sahara: Wüste auf dem Vormarsch

Unaufhörlich verschlingt die Sahara Oasen und Dörfer. Nun machen die Menschen des Sahel gegen die Wüste mobil, pflanzen Bäume, schaufeln Verteidigungswälle, bohren Brunnen. Ist der Kampf gegen Wind und Sand zu gewinnen?
In diesem Artikel
Rasantes Wüstenwachstum
Die Furcht vor dem Treck der 60 Millionen
Die Materialschlacht der Italiener
Mit Akazien gegen die Hungersnot

Rasantes Wüstenwachstum

Auf meiner Landkarte ist der Sahel, jenes knapp 6000 Kilometer lange Band, das vom Atlantik bis zum Roten Meer quer durch Afrika verläuft, noch hellgrün eingezeichnet. Und müssten dort, wo ich stehe, nahe der Grenze zwischen Niger und Nigeria, weite Graslandschaften zu sehen sein, Akazien, Affenbrotbäume und Savannenbüsche. Doch zu meinen Füßen erstreckt sich eine gewaltige Sanddüne, und sie ist nicht die einzige ringsum, während der südliche Saum der Sahara doch eigentlich mehrere Hundert Kilometer nördlich von meiner Position verlaufen müsste.

Die Wüste ist schneller als die Kartographie

Am Fuß der Düne liegen die Ruinen des Dorfes Oumaradi. Es sieht aus, als wäre Oumaradi von schwerer Artillerie zerstört worden. Dazwischen streunen Ziegen, verfolgt von einem Mann, der, als er mich auf der Düne entdeckt, die Tiere laufen lässt und ruft: "Ich bin Mamadou Kanta. Mein Vater hat dieses Dorf gegründet." Ein Dorf mit nur zwölf Häusern?

Kanta schüttelt den Kopf, klettert die Flanke des Sandbergs hinauf und zeigt nach unten, in den Bauch der Düne. "Da drin liegen 40 weitere Gebäude. Hier zum Beispiel liegt das Haus, in dem mein erster Sohn geboren wurde. Hier war unsere Dusche. Und da hinten stand die Moschee!" Was ist hier geschehen?

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Im Niger müssen viele Hirten ihre Ziegen schon kilometerweit zur nächsten Oasen treiben

Kanta erzählt: Wie sein Vater während der Sahel-Dürre von 1973 mit anderen Viehbesitzern in Streit um die letzten grünen Weiden geraten war. Wie er fortging, tiefer in die ausgebrannte Savanne, gefolgt von 30 anderen Familien. Und wie er ein neues Dorf gründete, dem er seinen eigenen Namen gab: Oumaradi. "Es war ein guter Ort", sagt Kanta. "Nach der Dürre wurde die Ebene bald wieder grün. Wir hatten reichlich Wasser, Weiden und sogar einen kleinen Wald für Feuerholz." Doch gut zehn Jahre später zerstörte die nächste Dürre den Wald und eine mächtige Dünenfront rollte auf Oumaradi zu.

Acht Jahre lang haben die Dörfler versucht, die Katastrophe abzuwehren. "An manchem Morgen standen 300 Männer vor der Düne und schaufelten", erzählt Kanta. Doch immer mehr verloren den Mut. "Im Jahr 2002 haben die letzten Bewohner das Dorf aufgegeben."

Ohne Wüste kein Regenwald
Ohne Wüste kein Regenwald
Rund 240 Millionen Tonnen Sahara-Staub wechseln jährlich auf den amerikanischen Kontinent - mit dem Wind. Gut für den Amazonas-Regenwald. Denn der ist auf den flüchtigen Mineraldünger angewiesen
Wasser aus der Wüste
Wasser aus der Wüste
Exotisches Mineralwasser - in Europa ist das ein Lifestyle-Trend. Nun liegen unter der Sahara gigantische Speicher. Könnte man deren Wasser nicht hier verkaufen? Sagen wir: für sechs Euro die Flasche

Die Munition der Sahara

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Zwischen Januar und März stürmt der Harmattan, ein rauer Passatwind, über den Sahel

Kanta will mir sein neues Dorf zeigen, Tamsoua, 20 Minuten Fußweg vom Ruinenfeld entfernt. Es steht auf dem Rücken einer anderen Düne, die nun ihrerseits einen grünen Talstreifen

bedroht. Dahinter: Vor Kurzem, sagt Kanta, sei ein Nomade vom Volk der Tuareg in Tamsoua gewesen. Der Mann habe die Herkunft des Sandes nach der Farbe bestimmen können. Demnach stammt der ockergelbe Sand aus der Ténéré-Wüste im Nordniger, der hellgraue aus einem Dünenmeer nördlich des Tschadsees, der hellbraune Sand aus dem Tibesti-Gebirge.

Die Munitionsreserven der angreifenden Wüste sind unerschöpflich. Im Dorf Tamsoua hockt die Bevölkerung, getrennt nach Männern und Frauen, gerade am Fuß der Düne. Sie feiert das Ende des Fastenmonats Ramadan. Hunderte von Häuptern verneigen sich gen Mekka – so tief, dass der helle Sand im Schweiß auf der Stirn der Betenden kleben bleibt.

Hinter dem Kamm der Düne tauchen in diesem Moment Säbelhörner auf. Dann Köpfe. Eine Zebuherde schreitet vorüber. "Die Kühe sind unser letzter Schatz", sagt Mamadou Kanta. "Jeden Morgen bringen wir sie zu ihren Weiden jenseits der Dünen, mehr als eine Stunde sind wir dafür inzwischen unterwegs. Abends finden sie allein zurück."- "Wenn wir die Tiere verlieren, dann hat die Sahara uns endgültig besiegt", sagt Kanta bedrückt.

Die Furcht vor dem Treck der 60 Millionen

"Wir führen einen Krieg. Es geht um das Überleben unseres Landes", sagt Mohamed Akotey, Nigers Minister für Umwelt. Akotey führt den Kampf gegen die Verwüstung. Dass er das in einem der ärmsten Staaten der Welt tun muss, in einem Land, das mehr als doppelt so groß wie Frankreich ist und dessen Oberfläche zur Hälfte aus Sand besteht, könnte ihn eigentlich verzweifeln lassen. "Aber jetzt machen wir gegen die Wüste mobil", sagt er trotzig.

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Gitter aus Zweigen sollen den Wind ausbremsen, 3850 in die Quadrate gesäte Akazien halten den Boden fest

Ist dieser Krieg zu gewinnen? Wenn sich die Lage bis 2020 nicht bessere, so schätzen Experten der UNO, dann könnten 60 Millionen Menschen aus der Sahelzone Richtung Norden aufbrechen.

"Wir tun, was wir können", sagt Minister Akotey. Ein Sonderprogramm des Staatspräsidenten, so die offizielle Angabe, verwandle jedes Jahr 20 000 Hektar Sand in Savanne zurück. Das Budget, mit dem Akotey sein Land gegen den Sand verteidigen soll, stagniert allerdings bei 0,8 Prozent des nationalen Haushalts. Würde die Regierung wollen, könnte es größer sein. Doch Gewinne aus den lukrativen Uranminen im Norden fließen zu großen Teilen in einen ganz anderen Krieg: jenen, den die Regierung seit zwei Jahren wieder gegen rebellische Tuareg-Nomaden im Aïr- Gebirge führt. Deshalb sagt Akotey: "Ohne Hilfe von außen werden wir es kaum schaffen, dass der Sahel seinen Namen wieder zu Recht tragen kann."

Die grüne Mauer der Hoffnung

Eigentlich bedeutet El Sahel "das Ufer". Arabische Karawanenführer benutzten das Wort im Mittelalter, um jenes rettende Grün am Südrand der Sahara zu benennen. Sahel! Wie eine Erlösung klang der Name. Seinen bitteren Beigeschmack erhielt er erst durch die Dürren der 1970er und 1980er Jahre. Seither steht Sahel für Bilder von Verhungernden in Äthiopien, für Gerippe verendeter Tiere in Niger, Mali, Tschad, für endlose Staublandschaften in Senegal, für die in Sandfluten allmählich ertrinkenden Kulturoasen Mauretaniens.

Denn mit jeder Dürre schaffte die Sahara einen Sprung nach Süden. Und nicht einmal in normalen Jahren reicht der Regen inzwischen noch aus, um die Verödung zu stoppen. Zwischen 1995 und 2005 hat sich die Sahara weitere 400 000 Quadratkilometer potenziellen Ackerboden einverleibt – was der 25-fachen Fläche von Schleswig-Holstein entspricht.

Afrikanische Regierungen haben daher schon vor Jahren Rettungspläne verkündet. Eine "Grüne Mauer" aus Millionen Bäumen solle errichtet werden: ein vegetativer Verteidigungswall, fünf Kilometer breit, 7000 Kilometer lang, von Dakar bis Dschibuti. Auf dass er den Sahel vor der Sahara schütze. Dass dies gelingen könnte, würde man gar nicht erst glauben, wären da nicht nigrische Widerständler, unterstützt von engagierten Mitstreitern aus dem Ausland.

Chris Reij, Professor für Humangeographie in Amsterdam, behauptet voller Überzeugung, der Krieg gegen die Wüste sei schon halb gewonnen. "Hunderttausende Bauern haben auf ihren Feldern Bäume geschützt und dadurch den Vormarsch der Wüste gestoppt", sagt der Professor. Insgesamt seien im Niger 200 Millionen Bäume gepflanzt worden.

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Jede Pflanze zählt. Ein Bollwerk aus sonnenverbranntem Gestrüpp wehrt den Vormarsch der Wüste ab

Die Materialschlacht der Italiener

In den meisten Fällen kommen die Generäle, die den Sand aufhalten wollen, aus Europa. In der Region Tahoua, Nigers bislang wichtigstem Schauplatz im Kampf mit der Wüste, sind die spektakulärsten Großeinsätze von Italienern geleitet worden. 1984, während der zweiten großen Sahel-Dürre, haben Entwicklungshelfer nahe Tahoua das "Keita-Projekt" ins Leben gerufen. Sie wollten auf vertrocknetem Grund ein völlig restauriertes Sahel-Ökosystem begründen. 40 Staudämme wurden gebaut, 708 Brunnen gebohrt, 313 Kilometer Straßen angelegt. Und tatsächlich auch 19 Millionen Bäume gepflanzt!

Das Ergebnis? 36 000 Hektar verloren geglaubtes Sahel-Land konnten der Wüste in dieser kolossalen Materialschlacht wieder abgekämpft werden. Für 380 000 Menschen hat das Projekt eine neue, solide Lebensgrundlage geschaffen. Der Preis? Über 22 Jahre summierte er sich auf 85 Millionen US-Dollar. Viel zu teuer, sagen internationale Geldgeber, die sich kein weiteres Unternehmen dieser Art im Niger vorstellen können.

Die Regenfänger aus Deutschland

Als beispielhafter, gilt die Strategie der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Nach den Worten ihres Koordinators in der Region Tahoua, Heiko Lütjen, hat die GTZ dort in knapp 34 Jahren 130 000 Hektar verwüsteten Boden wiederbelebt und in Agrar- und Weideland zurückverwandelt. Die Ingenieure haben erkannt, dass sie im Kampf gegen den Sand zuallererst das Regenwasser in den Griff bekommen müssen. Denn das prasselt im Sahel, wenn überhaupt, in gewaltigen Schauern auf die Erde nieder und richtet oft mehr Schaden als Nutzen an. Mit einem simplen, aber ausgeklügelten System von Dämmen und Mäuerchen gelingt es ihnen, die zerstörerischen Regengüsse zu zähmen und nutzbar zu machen.

Der neue Reichtum der Bauern von Bagaye ist dem jüngsten GTZ-Projekt im angrenzenden Tal zu verdanken: Wo sich noch drei Jahre zuvor eine in Trockenheit erstarrte Ödnis aus Stein und Staub erstreckte, prunkt nun eine Landschaft aus Weiden und Feldern. Für 271 000 Euro wurden 418 Hektar Ackerfläche nachhaltig wieder fruchtbar gemacht, sagt Lütjen. Das macht knapp 650 Euro pro Hektar: nur etwa ein Drittel dessen, was die Italiener in Keita ausgegeben haben.

Wie entscheidend die Nachhaltigkeit ist, zeigt das Beispiel des Dorfes Koloma Dabagui, zehn Kilometer von Tahoua entfernt. Den Bewohnern der kleinen Sahelsiedlung wurde vor Jahren ein massives Aufforstungsprogramm beschert: Freiwillige Helfer aus den Niederlanden pflanzten 12 500 Bäume. Aber die einzigen Akazien, die zwei Jahre später noch leben, stehen auf dem Grundstück des Bürgermeisters. "Die Leute im Dorf wissen, dass sie schlecht handeln", erklärt der Ortschef. "Deshalb fällen sie die Bäume nur nach Einbruch der Dunkelheit." Seinen Nachbarn mag er keine Vorwürfe machen: "Die Leute hier sind arm. Ohne Holz können sie nicht kochen." Die Ebene um das Dorf ist jetzt wieder kahl. Kommt Wind auf, sieht der Bürgermeister sein Wäldchen unter einer roten Staubwolke verschwinden. Die Erde fliegt davon – genau wie früher.

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Ein Bauer hat einen Strauß praller Hirse-Ähren geerntet und der Sahara Land für den Getreideanbau abgerungen

Mit Akazien gegen die Hungersnot

Gäbe es Orden für Verdienste im Sahel-Krieg gegen die Sahara, so müsste eine ganze Palette davon auch an der mageren Brust von Al-Hadsch Koma hängen. Der 75-Jährige aus dem Dorf

Dan Saga, 500 Kilometer westlich von Tahoua, ist ein Pionier auf dem Gebiet der natürlichen

Regenerierung von Böden. Er war der Erste in seinem Dorf, der den Nutzen von Akazien für die Landwirtschaft Begriff. Der Erste, der verstand, dass Baumwurzeln Agrarböden fruchtbarer machen können - weil die Lebensgemeinschaften, die sich an ihnen ansiedeln, düngenden Stickstoff produzieren.

So wurde Al-Hadsch Koma zum erfolgreichen Betreiber der ersten Baumschule von Dan Saga. Er verteilte seine Klein-Akazien gratis an die Nachbarn. Und seit nun alle Felder im Umkreis von Dan Saga bewaldet sind, gedeiht die Hirse wie nie zuvor. Holzdiebe wurden auf der Stelle bestraft: mussten drei Euro für einen abgeschlagenen Ast bezahlen, acht für einen gefällten Stamm. Kaum jemand stiehlt nun mehr Holz.

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Die kleinen Bäume werden bald Schattenspender für Äcker werden. Damit sie bis dahin überleben, steht auf Holzdiebstahl eine hohe Strafe

Als eine Dürre samt Heuschreckenplage die Ernten in ganz Südniger vernichtete, überlebte Dan Saga bestens. "Von der Hungersnot haben wir nichts gespürt", prahlt Al-Hadsch Koma. Aber selbst die vollsten Getreidespeicher einiger Modelldörfer werden die wohl größte Gefahr für die Zukunft des Niger nicht lindern: die rasant wachsende Bevölkerung. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl des Niger auf 14 Millionen verdoppelt. Nimmt die Verwüstung des Landes zu – und das tut sie trotz einiger kleiner Erfolge –, sind neue Hungersnöte vorprogrammiert. Umso unbegreiflicher ist es da, dass der Niger längst nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ins Feld führt.

Die allzu geheime Geheimwaffe

Eine halbe Autostunde südlich von Niamey befindet sich die Afrikazentrale des International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics (ICRISAT) Auf 450 Hektar beschäftigen sich hier Forscher mit der Entwicklung von klimaresistenteren Getreide- und Gemüsearten. Das Problem ist, die nigerianische Regierung interessiert sich nicht für die Forschungsergebnisse. "Es ist, als würden wir revolutionäre Medikamente erfinden und keinen Zugang zu Patienten bekommen", bedauert einer der Biologen. Die Regierung versichert, zehn Prozent ihrer Staatsausgaben im Agrarsektor einzusetzen; schon, um Hungerrevolten wie jene Anfang 2008 im Nachbarland Burkina Faso zu vermeiden. Doch im Haushalt des Niger für 2008 waren gerade einmal vier Prozent für die Landwirtschaftsförderung eingestellt.

Das Rückzugsgefecht

Wir sind nach Yerimana-3 gereist, einem Dorf in jener Region, die sich östlich der Stadt Zinder über mehrere Hundert Kilometer bis zur tschadischen Grenze erstreckt. Der 37-Jährige Ibrahim Gambo, der mit Mühe ein Auskommen als Bauer, Viehzüchter und Schneider findet, hatte sich einer Händlerkarawane nach Nigeria angeschlossen. Was riskierte er schon? Die Kamele, beladen mit Viehsalz, brachen im August auf; drei Monate später würden sie mit einer Ladung Hirse in Yerimana-3 zurück sein. "Aber als ich im November zurückkam", erzählt er, "war mein Haus schon fast bis zum Dach im Sand versunken." Gambos Frau hatte den Hausrat retten können. Nur das Bett nicht und auch nicht die Nähmaschine. Letztere aber, stellte den wertvollsten Besitz der Familie dar. Also riss Gambo am Morgen nach seiner Rückkehr ein Loch ins Dach seines Hauses und begann zu wühlen. Und als er am Abend endlich auf die Nähmaschine stieß, hievte er den Schatz mit Hilfe von Nachbarn ins Freie.

Wasserquellen auf dem Rückzug

Es ist noch nicht lange her, da war die Region, in der Ibrahim Gambo lebt, ein idealer Ort für Viehzüchter und Ackerbauern. Auf meiner gar nicht mal alten Landkarte sind der Fluss Komadougou Yobé und eine Kette kleiner Seen eingezeichnet. Doch der Komadougou Yobé wurde massiv für die Bewässerung von Feldern angezapft und fließt nur noch in der Regenzeit. Der Tschadsee, den der Fluss einst unablässig speiste, ist auf ein Zehntel seiner Fläche von 1963 geschrumpft. Und von den 120 Weihern, sind nach einer Studie der nigerianischen Regierung 103 bereits vertrocknet. Die noch existierenden sind oft stark versandet und künden von ihrer Zukunft. Auf den Feldern der Region, sofern es noch welche gibt, wächst die kümmerlichste Hirse im ganzen Land, nicht halb so hoch wie jene von Aminatou oder Al-Hadsch Koma. Angepasste Saat aus den Kühlschränken der Wissenschaftler des ICRISAT bei Niamey könnte hier noch ein Wunder bewirken. Oder ein Projekt wie jenes von Heiko Lütjen und der GTZ.

Mit Menschenhand gegen Naturgewalten

Allein das Befestigen der Dünen könnte die Wüste noch davon abhalten, dem Dorf des Ibrahim Gambo den Todesstoß zu versetzen. Elf Häuser liegen schon begraben, 26 weiteren droht akute Gefahr. Aber die Bewohner wollen nicht aufgeben. Darum haben sich 300 Männer und Kinder im Juni 2008, kurz vor der Regenzeit, zu einer zweiwöchigen Kampagne aufgerafft. Sie wollten versuchen, zumindest eine große Düne im Osten zu entwaffnen, 500 Meter vom Dorf entfernt. Denn so, glauben sie, ließen sich die kleineren Dünen am Ortsrand vom Nachschub abschneiden. Stolz führt Gambo über den Dünenrücken, auf dem 3850 Akazien gesät wurden um dem Sand zu trotzen. Gambo blickt der untergehenden Sonne nach, betrachtet die 500 Meter zwischen dem Dorf und der großen Düne. Dazwischen liegen elf kleinere Sandberge, als würden sie nur auf ein Zeichen zum Angriff warten. Wir werden sie alle bezwingen, eine nach der anderen", sagt Gambo: "Im nächsten Juni machen wir uns wieder an die Arbeit."

Ohne Wüste kein Regenwald
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Wasser aus der Wüste
Wasser aus der Wüste
Exotisches Mineralwasser - in Europa ist das ein Lifestyle-Trend. Nun liegen unter der Sahara gigantische Speicher. Könnte man deren Wasser nicht hier verkaufen? Sagen wir: für sechs Euro die Flasche
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