Zugvögel in der Lichtfalle

Können grüne Leuchten Leben retten?

Seit Kurzem kleidet sich die Uferpromenade der Insel Ameland nachts in grünes Licht. Andere Gemeinden wollen dem Beispiel folgen. Die Aktion dient dem Schutz der Zugvögel.

"Jährlich überqueren Hunderte Millionen von ihnen die Nordsee", sagt Ommo Hüppop, Leiter der Inselstation der Vogelwarte Helgoland. Manche Forscher schätzen, dass ein Zehntel der Tiere verenden, bevor sie das nächste Ufer erreichen.

Schuld daran ist auch das gleißend weiße Licht der Häfen, ufernahen Städte und der zahlreichen Erdöl- und Gasplattformen auf der Zugroute, das drei bis fünf Kilometer weit in den Nachthimmel strahlt. Es irritiert die Vögel so sehr, dass ihr natürlicher Richtungssinn versagt – besonders, wenn Wolken oder Nebel die Sicht auf Mond und Sterne behindern, die sonst bei der Orientierung behilflich sind. Statt ihrem Weg zu folgen,

umkreisen die verwirrten Tiere die Lichtquellen. Sie kommen nicht zur Ruhe und sind schließlich oft zu erschöpft, den langen Weg übers Meer zu überstehen.

Mit grünem Licht, so behaupten die Niederländische Erdölgesellschaft NAM und das Unternehmen Philips, lasse sich das vermeiden. Denn es sei hauptsächlich der rote Spektralanteil in weißem und rotem Licht, der den Orientierungssinn der Tiere empfindlich stört; blau-grünes Licht dagegen habe deutlich weniger Einfluss auf deren natürlichen Kompass.

Die Probe aufs Exempel lässt hoffen. So wurden auf der Plattform L15, rund 20 Kilometer westlich der niederländischen Insel Vlieland, alle 380 Lampen durch Leuchten mit blau-grünem Licht ersetzt. Mit erstaunlichem Resultat: Verendeten früher Tausende Vögel auf der Plattform oder im Wasser, waren es jetzt nur noch vereinzelte Exemplare. Joop Marquenie, Biologe bei NAM, plädiert deshalb dafür, alle Plattformen sowie Häfen und Piers mit grünem Licht auszustatten. Ommo Hüppop hingegen genügt der Farbwechsel noch nicht. Nötig seien eine drastische Reduzierung der Dauerbeleuchtung und eine Drosselung der Lichtintensität.

Die "grüne" Lösung hat zudem einen Haken. Die Hubschrauberlandeplätze auf den Plattformen sind bislang – wie überall auf der Welt – mit grünem Licht gekennzeichnet. Strahlte das Licht auf der gesamten Plattform blau-grün, dann verringerte sich der Kontrast zu dem Helideck – das könnte den Piloten irritieren. Dieses Risiko möchten die Betreiberfirmen unbedingt vermeiden.

Alle GEOskope im Heft Nr. 07/09

GEOlino Buchtipps zum Lesen
Eisenfresser im Eis
In der Antarktis leben fremdartige Wesen in Seen tief unter dem ewigen Eis
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Furchtbar bunte Hemden
Präriehunde unterscheiden Fressfeinde nach ihrer Farbe
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Furchtbar bunte Hemden
Präriehunde unterscheiden Fressfeinde nach ihrer Farbe
30 Nationen für die Robben
30 Nationen für die Robben
Seit Jahrzehnten kämpfen Umweltverbände gegen Kanadas Robbenschlachten. Nun erlässt die EU ein Handelsverbot
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Physik
Wenn Regentropfen zu schnell fallen
Wieso erreichen Tropfen früher den Erdboden, als es Berechnungen vorhersagen?
GEO.de Newsletter