Schädlinge: Lauern in der Mauer

Chinesische Restauratoren haben Mühe, die Mauer der alten Kaiserstadt Xi’an gegen winzige Feinde zu verteidigen: Milben

Betroffen ist vor allem die Anlage um das acht Meter hohe und mehr als 26 Meter breite Hanguang-Tor, einem von ehemals 18 der antiken Metropole. Von dieser Pforte nahm während der Tang-Dynastie (618–907) die Seidenstraße ihren Anfang. Die unterste Schicht des Bauwerks geht bereits auf die Sui-Dynastie (581–618) zurück.

Nun haben Wissenschaftler an der Befestigung besorgniserregenden Schädlingsbefall festgestellt. "Die Milben haben seit Tausend Jahren ihre Nester in die Mauer gegraben und sie dabei von innen her ausgehöhlt", warnt der Archäologe Li Yuhu von der Shaanxi Normal University.

Wie die meisten historischen Gebäude Chinas besteht das Gemäuer aus gestampfter Erde, die hier mit Kalk und Klebreis-Extrakten angereichert wurde. "Ein idealer Lebensraum für Bakterien, von denen sich die Milben ernähren", erklärt Li Yuhu die Präferenz der Spinnentiere für das alte Gemäuer. Wenn sich die Bakterien über den Klebreis-Extrakt hermachen, wird das Baumaterial brüchig und ermöglicht es den Milben, Gänge zu graben.

Die Milben sind ein schwer zu erfassender Feind. Bis heute sind schätzungsweise nur fünf Prozent aller Arten bekannt. Ihr vermutlich 400 Millionen Jahre alter Stammbaum ist noch weitgehend unerforscht.

Um den Kulturgutfraß zumindest aufzuhalten, erhält das Mauerwerk alle 20 Tage ein Bad mit einem umweltfreundlichen Insektizid. Zusätzlich stärken Restauratoren das Mauerwerk mit einem neu entwickelten Reparaturmaterial. Das sorgt zum einen dafür, dass sich keine Bakterien mehr dort ansiedeln, zum anderen macht es die Struktur widerstandsfähiger.

Mit diesem Material hat Li Yuhu schon die Krieger der Terrakottaarmee des ersten Kaisers Qin Shi Huangdi sowie die Ruinen des Steinzeitdorfs Banpo behandelt, die ebenfalls in unmittelbarer Nähe von Xi’an gefunden wurden.

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