Kuriose Forschung Was hat Wetter mit Popmusik zu tun?

Englische Forscher haben die Texte von 755 Popsongs einer großen Karaoke-Datenbank analysiert und festgestellt, dass es in 418 von ihnen ums Wetter geht. Karen Aplin, Physikerin der Universität von Oxford, erklärt, was daran interessant sein soll und warum Wetter im Pop raffinierter eingesetzt wird als in der Klassik
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"30 Prozent aller Wetter-Songs handeln von der Liebe. Wetterphänomene sind generell stark mit bestimmten Gefühlen verknüpft", sagt Karen Aplin

GEO: Frau Aplin, Sie forschen in Oxford und fanden heraus, dass die Beatles besonders häufig übers Wetter sangen. Ein ziemlich britisches Thema, oder?

KAREN APLIN: Die Vermutung liegt nahe, das Wetter spielt bei uns in Großbritannien tatsächlich eine besondere Rolle. Ein bisschen komplexer ist das Ganze aber doch. In einem Drittel aller Songs von Bob Dylan geht es ums Wetter, und der kommt aus den USA. Dylan hat sogar mal eine Radiosendung moderiert, in der es nur um die Rolle des Wetters in der Musik ging. Bei den Beatles lag die Quote bei etwa 15 Prozent – Platz zwei.

Und was genau ist so faszinierend an dem Thema?

Na ja, erst mal hat die Arbeit an der Studie Spaß gemacht. Aber es geht auch um eine ernste Frage: Wie werden Künstler von ihrer Umgebung beeinflusst? Und das hatte eben noch niemand zuvor für Musik und Wetter untersucht.

Welche Zusammenhänge gibt es?

30 Prozent aller Wetter-Songs handeln von der Liebe. Wetterphänomene sind generell stark mit bestimmten Gefühlen verknüpft. Sonne etwa steht für Freude, Regen für Traurigsein – so weit, so erwartbar. Aber dass Regenbögen Heiterkeit symbolisieren, hat mich überrascht. In der Klassik gibt es diese zweite Ebene übrigens viel seltener, da wird ein Geräusch meist eins zu eins imitiert, etwa Regentropfen. Popmusik ist in dieser Hinsicht also die anspruchsvollere Form der Kommunikation.

Sind Songs über Sonnenschein erfolgreicher als Regenlieder?

„Sunshine“ taucht zumindest am häufigsten auf, Regenbögen hingegen besonders oft in Songs aus den 1950er Jahren und in der Filmmusik. Danach kommt Regen, am seltensten geht es um Schneestürme, zum Beispiel in „Baby It’s Cold Outside“, das etwa Ella Fitzgerald oder Tom Jones gesungen haben.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee?

Ich habe früher Kontrabass gespielt. Im Orchester musste ich immer Donner imitieren. Seitdem begleitet mich das Thema.

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