Walfänger gegen Aktivisten: Krieg auf dem Meer

Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen Walschützern und Waljägern. Nun rammte ein japanischer Walfänger ein Boot der Tierschutzorganisation "Sea Shepherd"

Am 6. Januar kollidierte der japanische Walfänger "Shonan Maru No. 2" mit dem Hightech-Trimaran "Ady Gil". Die Aktivisten filmten den Zwischenfall in den australischen Gewässern der Antarktis - und sprechen von einem kalkulierten Zusammenstoß. "Als sie bemerkten, dass die 'Shonan Maru 2' direkt auf sie zuhielt, versuchten sie, zurückzusteuern, um den Bug wegzubewegen, aber das war zu spät. Die 'Shonan Maru 2' korrigierte ihren Kurs und pflügte direkt über das vordere Ende des Boots", berichtete der Erste Maat des Hauptschiffs, der "Steve Irwin". Die japanische Fischereibehörde konnte laut "Spiegel Online" zu dem Vorfall keine Details mitteilen.

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Auf Kollisionskurs: Im Video ist zu sehen, wie der Walfänger die "Ady Gil" seitlich rammt

Die australische Vize-Premierministerin Julia Gillard verurteilte die Auseinandersetzungen. Keine Form radikaler Aktionen dürfe toleriert werden. Gillard kritisierte aber auch die Walfänger, die illegal in australischen Gewässern Tiere töten. Es würden bereits Beweise gesammelt, um einen internationalen Prozess gegen die Wilderei führen zu können. Der japanische Außenminister Yasuhisa Kawamura griff die Sea Shepherd-Aktivisten an. Sie hätten das Leben der japanischen Besatzung gefährdet und den Zusammenstoß provoziert.

Energischer Kampf für wehrlose Giganten

Sea Shepherd hat dem internationalen Walfang den Kampf angesagt - und das mit radikalen Mitteln. Der Chef der Organisation, Paul Watson, Gründungsmitglied von Greenpeace, ließ unter der Totenkopfflagge seiner Organisation schon zehn Walfangschiffe in aller Welt versenken. Sea Shepherd-Aktivisten attackieren immer wieder Schiffe von Walfangflotten, unter anderem mit Buttersäurebomben und waghalsigen Steuermanövern, um ihre Kontrahenten vom Kurs abzubringen. Mit Erfolg: Immer wieder werden Walfänger von den Jagdgründen vertrieben.

Hunderte Wale sind so laut Sea Shepherd der Harpune entkommen. Auch langfristig könnte sich das Engagement lohnen: Durch die Aktionen hat Paul Watson die Diskussion über den Walfang in die breite Öffentlichkeit getragen. "Der durchschnittliche Japaner hatte keine Meinung zum Walfang. […] Nun fragt man dort, warum Japan sein internationales Ansehen so beschädigen lässt für etwas, das kaum Einnahmen bringt", sagte Watson in einem Interview mit der "taz".

Sea Shepherd stößt mit seinen radikalen Aktionen nicht nur auf Zustimmung. Die Walfangorganisationen, die Wale meist "für wissenschaftliche Zwecke" jagen, bezeichnen die Aktivisten als "Umweltterroristen", Paul Watson als "Staatsfeind". Auf der Internetseite des "Institute of Cetacean Research" (ICR), unter dessen Flagge auch der Walfänger "Yushin Maru" jagt, wurde gleich auf der Startseite eine Liste "illegaler Belästigungen" und "Terrorismus" gegen die angebliche Forschungsbehörde angelegt. Die meisten dieser Angriffe gehen auf das Konto von Sea Shepherd.

Aggressionen auf beiden Seiten

Doch auch die Kapitäne der Walfänger geben sich nicht zimperlich. Mitte Dezember attackierte die japanische Besatzung der "Shonan Maru No. 2" den Helikopter der "Steve Irwin" mit einer militärischen Akustikwaffe. In der offiziellen Verlautbarung der japanischen Fischereibehörde hieß es später, die "Shonan Maru No. 2" habe lediglich versucht, eine Funkwarnmeldung zu übermitteln.

In der Serie "Whale Wars" des US-Dokukanals "Animal Planet" ist zu sehen, wie die Besatzung der "Nisshin Maru" mit Leuchtgranaten auf den Beschuss mit Buttersäurebomben reagiert. In der gleichen Folge der Serie berichtet Paul Watson, dass er in die Brust geschossen worden sei. Dank seiner schusssicheren Weste sei er nicht verletzt worden. Das ICR dementierte umgehend.

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