Landwirtschaft: Spucke macht dick

Wie Mottenspeichel Kartoffeln wachsen lässt - und Wissenschaftler aus Schäden klug wurden

Ausgerechnet das Sekret eines Kartoffelschädlings könnte den Ertrag der Knolle künftig erheblich steigern. Diese überraschende Entdeckung hat Katja Poveda von der Universität Göttingen gemacht. Zusammen mit Kollegen aus Südamerika und den USA hatte sie eigentlich untersuchen wollen, welche Schäden die Larven der Guatemala-Kartoffelmotte Tecia solanivora auf den Erdäpfelfeldern anrichten.

Dabei stießen die Forscher auf einen merkwürdigen Mechanismus, mit dem die Pflanze den Fraßverlust durch den Schädling teilweise wieder ausgleicht. Offenbar enthält der Larvenspeichel eine Substanz, welche die Photosynthese-Rate der Kartoffelpflanzen erhöht. So können sie mehr Stärke produzieren und schneller wachsen. Für die Motten hat das den Vorteil, dass sie ihre eigene Nahrungsgrundlage erhalten helfen. Wenn es gelänge, das Speichelsekret zu isolieren, künstlich zu erzeugen und gezielt zu verabreichen, könnten Bauern die Substanz zur Ertragssteigerung einsetzen – und damit nur den Wachstumseffekt nutzen, ohne den Fraßverlust.

Doch selbst mit den Schäden lässt sich leben. Bislang spritzen viele Kartoffelbauern Pestizide gegen Tecia solanivora. Dies dürfte jetzt in der Regel überflüssig werden. Allerdings darf eine bestimmte Befallquote nicht überschritten werden: Am größten ist die Zuwachsrate, wenn weniger als zehn Prozent der Knollen einer Kartoffelpflanze von den Larven angeknabbert wurden. In diesem Fall nimmt das Knollengewicht um das 2,5-Fache zu. Liegt die Befallsquote bei 50 Prozent, ändert sich das Kartoffelgewicht nicht. Um die ideale Ernte einzufahren, muss also nur etwas gegen eine sehr starke Vermehrung der Motten unternommen werden.

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