Städtebau: Reinigende Beläge

Straßen und Betonbauten, die die Luft säubern - ein Zusatzstoff macht es möglich

15 Milliarden Tonnen Beton werden weltweit pro Jahr hergestellt, um Gebäude, Straßen oder Brücken zu bauen. Vor etwas mehr als zehn Jahren entdeckte ein japanisches Forscherteam, dass der begehrte Stoff außer Stabilität auch noch andere nützliche Eigenschaften hat: In leicht modifizierter Form könnte Beton helfen, die verdreckte Luft in unseren Städten zu säubern. Als US-Patent Nummer 5.861.205 meldeten die Wissenschaftler damals einen Betonpflasterstein an, der Anteile von Titandioxid enthält. Unter Sonnenlicht entzieht dieser Stoff der Luft giftige Stickoxide, die vor allem aus Autoabgasen stammen und an der Bildung von Smog und saurem Regen beteiligt sind.

Nun will der Niederländer Jos Brouwers von der Technischen Universität Eindhoven das perfekte Mischverhältnis von Beton und Titanoxid gefunden haben: Dazu stellte er jüngst einen Luftreinigungsbeton vor, den sein Team unter Alltagsbedingungen als Straßenbelag im niederländischen Hengelo getestet hat. Ergebnis: Über der windstillen Wohnstraße, in der der Versuch stattfand, verringerte sich der Stickoxidanteil in der Luft um 25 bis 45 Prozent; als Vergleich diente ein gleich großer, herkömmlich gepflasterter Abschnitt derselben Straße. Auch in anderen Städten, so in Erfurt und in Bergamo, hat man Titandioxidbeton bereits testhalber verbaut, am Rande von Rom wurde damit sogar eine ganze Kirche errichtet.

Doch noch hat der Wunderbaustoff Nachteile: Die Stickoxide werden in wasserlösliche Nitrate umgewandelt. Die könnten über das Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen und dort von Bakterien in giftige Nitrite verwandelt werden.

Städtebau: Reinigende Beläge

Bleiben Abgase auf der Straße haften?