Wasserkraft Grüner Strom aus deutschen Flüssen

Effizient, leistungsfähig, flexibel: Der Großteil des "Ökostroms" deutscher Haushalte stammt aus Wasserkraftwerken. Der Schaden für die Natur lässt sich durch technische Mittel zumindest lindern
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Mosel: 17 Wasserkraftwerke auf knapp 400 Kilometern

Gut 7700 Wasserkraftwerke decken in Deutschland zusammen rund 3,5 Prozent des Gesamtstrombedarfs: 20.000 Gigawattstunden. 85 Prozent davon stammen aber aus nur gut 400 größeren Anlagen mit einer Leistung von je einem Megawatt oder mehr - überwiegend Speicherkraftwerke an Talsperren und Laufwasserkraftwerke an großen Flüssen, wo das gesamte Wasser durch Turbinen geschleust wird.

Solche Stauungen verändern die Lebensräume massiv: Sedimente setzen sich ab, Lachse und Aale können im Fluss nicht mehr wandern. Naturschützer klagen, dass an einer einzigen Turbine manchmal bis zu 50 Prozent aller Fische verenden. Und wenn es an einem Fluss wie der Mosel auf 394 Kilometern 17 Staustufen mit Wasserkraftwerken gibt, liegt die Chance nahe null, unverletzt zu den Laich- oder Überwinterungsgebieten und wieder zurück zu kommen.

Hilfe für wandernde Fischarten

Flussaufwärts helfen inzwischen oft Fischtreppen: "Da kommen die meisten Fische gut durch", sagt Stephan Naumann vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau. Das Problem sei der Rückweg. Bei den Rechen, die zum Schutz der Turbine vor Treibgut gebaut wurden, müssten die Abstände der Stäbe verengt werden - was die Betreiber aber wegen der hohen Umbau- und Folgekosten scheuen.

Das Land Rheinland-Pfalz lässt an der Mosel daher jährlich bis zu 15.000 Aale in Reusen fangen und im Rhein wieder aussetzen. Zudem drosselt der Betreiber der dortigen Kraftwerke in den Nächten mit der stärksten Aalwanderung die Turbinen. Auch andere Umweltprobleme versuchen die Anlagenbetreiber technisch zu beheben: Die Staubereiche müssen regelmäßig ausgebaggert, die Uferstrukturen renaturiert werden.

Laut Vertretern der Energieindustrie wäre die klimafreundliche Stromproduktion in Deutschland durch Umbau und Neubau von Wasserkraftanlagen um bis zu 50 Prozent zu steigern. Die Bundesregierung hat sich aber gegen den Bau neuer Wehre in frei fließenden Gewässern ausgesprochen. Sie will lieber vorhandene Wassersperren nutzen, alte Kraftwerke modernisieren - auch um den EU-Umweltvorgaben nachzukommen: Bis zum Jahr 2027 sollen alle Flüsse in der EU in einen ökologisch "guten Zustand" gebracht werden. Dafür aber, so UBA-Experte Naumann, bestehe noch erheblicher Forschungs- und Nachholbedarf.

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