Tourismus Energiereiseführer

Nicht Mallorca, nicht Toskana, nicht New York. Dieser Reiseführer stellt die ökologischen Attraktionen Deutschlands vor. GEO.de sprach mit dem Fachjournalisten Martin Frey über sein Buch

Reiseziel: Erneuerbare Energien. Wer bitte soll das als Urlaubshighlight wählen?

Mit dem Reiseführer möchte ich vor allem Individualreisende und Familien ansprechen, die Interesse an alternativen Energien haben. Hierdurch sollen Sie Anregungen bekommen, welche Projekte es gibt und welche Vorteile diese Energieformen bieten.

Energiereiseführer

Martin Frey

Und mit welcher Bereicherung kommt man aus einem derartigen Urlaub zurück?

Wünschenswert wäre es natürlich, wenn die Leute von den Ideen angesprochen sind und selbst in diesem Bereich aktiv werden. Indem sie sich nämlich auf den Reisen ganz über erneuerbare Energien unterhalten, werden sie in den Gesprächen merken, dass diese Energieformen eine Riesenchance bieten und dass die Umsetzung wirklich realistisch ist. Besonders sollen die Menschen aus den Gesprächen mitnehmen, dass die ersten Kosten für die Umstellung zwar sehr hoch sind, es sich dann aber schnell auszahlt und günstiger ist als die herkömmlichen Energieformen.

Ein Reiseführer als Werbung für Nachhaltigkeit, so lautet also Ihre Idee. Wie sollen die Leser aber das Buch lesen?

Der Reiseführer gestaltet sich als eine Anregungsbörse: Beim Durchblättern stößt man auf eine Großzahl ausgefallener Projekte, die die Vielseitigkeit des Themas zeigen. Dann freut es mich natürlich, wenn die Leser Ihren nächsten Urlaub damit planen. Sieben Touranregungen liefere ich mit. Der Reiseführer soll einfach Lust auf das Entdecken der 160 geschilderten Orte wecken. Zudem bekommen die Leser Hintergründinformationen zum Thema. erneuerbare Energien.

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Welche Projekte stellen Sie denn vor, bei denen die Menschen in Kontakt mit erneuerbaren Energie treten?

Eine ganz breite Mischung: angefangen bei familiengeführten Hotels, Restaurants, Fußballstadien, Museen bis hin zu Freizeitparks zum Thema.

Statt Achterbahn fahren im Erlebnispark geht der nächste Familienurlaub also in einen Energiepark. Was gibt es dort für die Kinder zu entdecken, was spannender als jede Wildwasserbahn ist?

In Deutschland gibt es zwei Freizeitparks zum Thema erneuerbare Energien: In Leverkusen das Naturgut Ophoven, wo man beispielsweise in eine riesengroße Steckdose hineinklettern kann. Und in Glücksburg steht der Artefact Powerpark. Hier können die Besucher an 30 Erlebnisstationen auf Fahrrädern um die Wette strampeln und sehen, wie viel Energie sie dabei erzeugen. Außerdem können die Besucher einen Lehmofen bauen oder Wind machen. Die Energieerzeugungsmöglichkeiten werden dort greifbar. Außerdem gibt es die Möglichkeit in nubischen Lehmgewölben zu übernachten.

Auf der Reise kann auch Kunst entdeckt werden…

Auf eine ganz besonders ansprechende Weise geschieht das in der Umgebung von Hannover. Dort zeigen leuchtende Punkte an Windräder an, wie viel Wind gerade in Energie umgewandelt wird. Je nach Stärke leuchten die Punkte heller. Spielerisch sieht man hier, was die Anlagen leisten.

Geht es noch ausgefallener?

Sicher. Zum Beispiel beim Erklettern von Windkraftanlagen, was im Windpark Holtriem in Westerholt bei Aurich möglich ist. 297 Treppenstufen geht es hoch, dann bietet sich ein toller Ausblick über die ganze Umgebung. Von dort oben betrachtet man Windenergie wirklich aus einer neuartigen Perspektive. Oder aber man reist in das entlegenste Hotel Deutschlands: den Leuchtturm Roter Sand, der in der Nähe der Insel Wangerooge liegt. Allein die Anreise ist eine Attraktion für sich, denn man fährt mit einem historischen Schlepper dorthin. Die Stromversorgung im Hotel läuft komplett über Solarenergie, deswegen ist es im Reiseführer aufgeführt.

Die Anreise zum Leuchtturm erfolgt aber nicht mit einem umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel. Obwohl es mittlerweile möglich wäre. Welches saubere Verkehrsmittel finden Sie empfehlenswert?

Solarschiffe sind eine schöne Sache. Es ist einfach unglaublich, wenn man ganz ruhig durch die Gegend plätschert – ganz ohne Diesel, ganz ohne Krach. Es gibt mittlerweile viele Regionen, in denen die Boote eingesetzt werden, zum Beispiel am Bodensee, in Heidelberg oder in Hamburg.

Klöster sind in dem Bereich erneuerbare Energien besonders aktiv. Wie ist das zu erklären?

Klöster versorgen sich schon seit Jahrhunderten traditionell und den neuen Energieformen sehr aufgeschlossen. Häufig sind es die Klosterbewohner, die früher einen Technikberuf gelernt haben, die sich heute für die erneuerbaren Energien stark machen. Klöster sind wirklich sehr fortgeschritten und damit äußerst zukunftsfähig. Von den Klöstern kann man sich viel abschauen.

Wird das auch gemacht?

Auf jeden Fall. Ich weiß, dass einige Bürgermeister besonders von kleinen Gemeinden zu den Klöstern reisen. Dort informieren sie sich über die Projekte und setzen Ähnliches in ihrem Dorf um.

Welche Gemeinden und Regionen haben sich als Vorreiter herausgestellt?

Wirklich sehr aktiv sind Wolfhagen in Hessen und Wildpoldsried in Bayern. Dort finanzierten die Bürger selbst Windkraftanlagen. Diese zwei Gemeinden hatten sich sehr hohe Ziele gesetzt und deckten schnell den Strombedarf aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Als Gesamtregion ist der Oberrhein mit der Stadt Freiburg federführend.

Energiereiseführer

Freiburg ist die Solarstadt Nummer eins in Deutschland

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Deutschland. Erneuerbare Energien entdecken. Baedeker Reiseführer, MairDumont, 14,95 Euro

Wie präsentiert sich Deutschland als Reiseziel erneuerbare Energien im Vergleich zu anderen Ländern?

Deutschland ist Vorreiter in diesem Feld mit der Vielzahl von Projekten, die es hier gibt. Lediglich einzelne Gebiete in anderen Ländern sind weiter, wie Dänemark etwa im Windbereich.

Wenn Deutschland also Vorbild ist, sind die Reiseziele als Entdeckungen nicht auch für Menschen aus anderen Ländern interessant?

Sicher. Ich kann mir vorstellen, dass Japaner und Chinesen beispielsweise einmal nach Deutschland kommen und hier Energie-Projekte fotografieren. Anzusehen gibt es viel.