Balkan Wasserkraft kontra Naturschutz

Der Balkan ist reich an fast unberührten Wasserläufen. Doch das Idyll am Rande Europas ist durch Tausende geplante Wasserkraftwerke bedroht
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Infarktgefahr im "blauen Herzen Europas" 714 Wasserwerke existieren in den Balkanstaaten (orange), über 2000 neue Anlagen sind geplant (rot). Mehr als 800 davon sollen in geschützten Gebieten gebaut werden, 113 sogar in Nationalparks. In Albanien ist die Entwicklung besonders rasant. Naturschützer befürchten, dass durch den umfassenden Ausbau der Flüsse wie zum Beispiel der Vjosa (Ausschnitt) zahlreiche einzigartige Lebensräume und seltene Arten verschwinden könnten: 28 Prozent der Bestände an gefährdeten europäischen Süßwasserfischarten sind in den Flüssen des Balkans heimisch; darunter 69 Arten, die nirgendwo sonst auf der Erde existieren.

Auch für Fischotter, Luchse und bedrohte Vögel wie den Schmutzgeier wären die Folgen fatal. Die Logik hinter der Finanzierung ist paradox: Der Bau der CO2-neutralen Wasserkraftwerke wird durch Geld von europäischen Institutionen gefördert. Und so von genau jenen Ländern, die ihre eigenen Flusslandschaften mit viel Aufwand renaturieren.

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Der Fierza-Stausee ist mit einer Fläche von fast 73 Quadratkilometern der größte Stausee in Albanien. Die Produktion seines Wasserkraftwerks deckt rund ein Drittel des albanischen Strombedarfs

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