Technik Die Glühpflanze

Neue Vorschläge zur umweltschonenden Energiegewinnung setzen auf Pflanzenstrom - ohne dafür Biomasse zu vernichten

Die Revolution begann 2006 mit einem Nagel, den Gordon Wadle in einen Baum trieb. Als der Erfinder aus Illinois ihn mit einer Kupferelektrode im Boden verband, floss Strom: Wie sich später herausstellte, enthält der Boden eine höhere Konzentration an Wasserstoff-Ionen als der Saft des Baumes. Dieses Gefälle lässt sich zur Energiegewinnung nutzen.

Aber würde sich das Prinzip rentieren? Nach etlichen Rückschlägen - Wadles Baumstrommethode wirft gemessen am Aufwand einfach nicht genug Energie ab - sind Forscher nun erstmals zuversichtlich. Laut Bert Hamelers und David Strik von der niederländischen Universität Wageningen ließe sich pro Quadratmeter Grünfläche unter optimalen Bedingungen bereits heute etwa ein Fünftel dessen gewinnen, was Solarpaneele oder Windkraftanlagen auf derselben Fläche bereitstellen. Der Vergleich mit Biomassekraftwerken ist noch eindrücklicher: Die neue Art der Stromgewinnung mit Pflanzen könnte demnach das Siebenfache dessen abwerfen, was man aus Biomasse pro Quadratmeter Anbaufläche gewinnt!

Elektrischer Strom durch Bakterien-Aktivität

Der Trick: Bakterien im Boden ernähren sich von organischen Molekülen, die Pflanzen über ihre Wurzeln abgeben. Sie setzen dabei elektrisch positive Ionen und negative Elektronen frei. Wie in einer Batterie streben die Elektronen zur Anode – das sind in diesem Falle Matten aus Graphit, die im Erdreich versenkt sind und von denen der Strom via Kabel "abgeerntet" wird. Für die optimale Ausbeute, so die Forscher, müsse man die jeweils produktivsten Mikroorganismen benutzen und ihnen die geeignetsten Pflanzen anbieten. Zuckerrüben etwa produzieren reichlich Zucker, der den Bakterien als Nahrung dienen kann. Probleme bereiten noch die wenig effizienten Matten, für die sich bald bessere Materialien finden lassen dürften.

Als Pflanzenkraftwerk kommt im Prinzip jede Grünfläche infrage: bepflanzte Felder, ungenutztes Marschgelände oder ein Dachgarten, aus dem sich 20 Prozent des Haushaltsstroms abzapfen ließe. Und das selbst nachts, da im Gegensatz zum Solarstrom die Sonne keine direkte Rolle spielt.

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Pflanzenkraftwerk: In Wahrheit die Arbeit von Bakterien

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