Allergien Was Sie über Allergien wissen sollten

Von der Erblichkeit bis zum Einfluss der Umwelt: Antworten auf Fragen, die Allergiker sich häufig stellen

1. Welche Allergietypen gibt es?

Ärzte unterscheiden vier Typen von Allergien. Grundlage für die Klassifizierung sind die immunologischen Mechanismen.

Typ I umfasst die "klassischen" Allergien wie Heuschnupfen, allergisches Asthma und Nesselsucht. Charakteristisch ist die Beteiligung von Immunglobulinen der Klasse E (IgE). Der Organismus reagiert dabei binnen Sekunden bis Minuten auf den Reizstoff, weshalb Ärzte auch vom Sofort-Typ sprechen.

Bei Typ II greift die Immunabwehr körpereigene Zellen an. Meist wirken dabei Medikamente - Schmerzmittel oder Antibiotika - als Allergen. Die Stoffe docken an rote Blutkörperchen oder für die Gerinnung zuständige Blutplättchen an. An den Zusammenschluss heften sich wiederum Antikörper und geben die Zellen so zur Zerstörung frei. Folge ist unter anderem eine Blutarmut.

Den Typ III kennzeichnen sogenannte Immunkomplexe, die sich aus Allergen und Antikörper bilden. Diese heften sich etwa an die Innenwand von Blutgefäßen und verursachen Entzündungen. In diese Kategorie gehört die Farmerlunge, bei der sich aufgrund von Schimmelpilzsporen die Lungenbläschen entzünden.

Typ IV-Allergien werden ausgelöst durch sensibilisierte T-Zellen. Nickel, Chrom oder Substanzen aus Kunststoffen dringen in die Haut ein und binden sich an körpereigene Stoffe und Zellen. Die T-Zellen erkennen und bekämpfen diese Agglomerate, indem sie Botenstoffe absondern und Fresszellen anlocken. Bekannteste Reaktion dieses Typs ist das Kontaktekzem, ein stark juckender Hautausschlag.

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Heuschnupfen - auch eine Frage der Schicht: je höher der soziale Status, desto größer das Erkrankungsrisiko

2. Sind Allergien vererbbar?

Das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, wird in hohem Maß von den Erbanlagen bestimmt. Reagiert das Immunsystem eines Elternteils überempfindlich auf einen Stoff, erkrankt der Nachwuchs bis zum 13. Lebensjahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 bis 30 Prozent ebenfalls. Sind Vater und Mutter betroffen, steigt das Risiko für die Kinder auf bis zu 80 Prozent. Wissenschaftler haben eine Reihe von Genen identifiziert, die mit Asthma und Neurodermitis assoziiert sind. Dabei zeigt sich: Es gibt nicht das "Allergie- Gen". Eine Überempfindlichkeit bildet sich aus durch das komplexe Zusammenwirken einer Vielzahl von Erbanlagen. Und immer sind auch Umweltfaktoren beteiligt.

3. Welche Rolle spielen Umweltschadstoffe bei der Entstehung von Allergien?

Mit mehr als 70.000 Chemikalien können wir im Alltag in Kontakt kommen - in Kunststoffen, Kosmetika oder Lebensmitteln. Inwieweit diese Fremdstoffe das Entstehen von Allergien forcieren, wird intensiv erforscht. Bereits bekannt ist, dass Luftschadstoffe wie Ozon, flüchtige organische Stoffe, Stickoxide und feine Partikel, allesamt Substanzen, die vor allem aus dem Autoverkehr resultieren, die überzogene Reaktionen des Immunsystems fördern. Grobe Stäube und Schwefeldioxid, wie sie in der DDR die Luft belasteten, haben dagegen keinen Einfluss. Tabakrauch indes erhöht das Allergierisiko enorm.

4. Was ist eine Kreuzallergie?

Manche Allergene von Pollen ähneln denen in Nahrungsmitteln oder sind sogar identisch. Deshalb schlägt das Immunsystem bei beiden Alarm. Wer an einer Birkenpollenallergie leidet, reagiert häufig zudem auf Apfel, Karotte und Sellerie. Eine Kreuzreaktivität verbindet auch Latex mit Kiwi, Avocado, Litschi und Buchweizen.

5. Was ist der Unterschied zwischen einer Nahrungsmittelallergie und einer Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Die Symptome gleichen sich häufig. In beiden Fällen plagen Bauchschmerzen und Durchfall die Betroffenen, oder ein Hautausschlag tritt auf. Der Unterschied liegt im Mechanismus der Körperreaktion. Bei der "echten" Nahrungsmittelallergie ist stets das Immunsystem involviert. Unverträglichkeiten dagegen können auf einem Enzymdefekt beruhen wie bei der Laktose-Intoleranz - die Betroffenen können keinen Milchzucker verdauen. Bei anderen Substanzen, etwa Farb- oder Zusatzstoffen wie Karotin und Tartrazin, Sorbinsäure und Glutamat, brechen die Krankheitszeichen aus noch ungeklärter Ursache aus. Ein weiterer Unterschied: Bei einer "echten" Nahrungsmittelallergie reichen kleinste Mengen des Allergens aus, um Beschwerden auszulösen. Menschen mit einer Nahrungsmittel-Intoleranz spüren die Symptome dagegen oft erst nach dem Verzehr einer bestimmten Menge des Lebensmittels.

6. "Verwachsen" sich Allergien?

Fest steht: Allergien können in jedem Alter erstmals auftreten. Die gute Nachricht ist, dass die lästigen Symptome im Laufe der Zeit oft von allein wieder verschwinden. Bei 40 bis 60 Prozent der Menschen, die in der Kindheit an Asthma leiden, verlieren sich die Beschwerden im zweiten Lebensjahrzehnt. Auch Neurodermitis heilt häufig mit zunehmendem Alter ab.

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