Algenblüte außer Kontrolle

Ein kanadischer Unternehmer will durch die Düngung des Ozeans Fischbestände vergrößern und das Klima schützen - und erregt Umweltschützer und Wissenschaftler weltweit

Lässt sich die Erderwärmung bremsen, indem man das Algenwachstum im Meer mit Eisendünger anregt? Wenn die Organismen sich explosionsartig vermehren, so die These, binden sie nämlich unter Umständen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid. Wissenschaftler streiten seit Langem über Chancen und Risiken eines solchen Eingriffs in die Natur. Entsprechende Versuche führten bislang zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Nun wurde ein Experiment aufgedeckt, für das Wissenschaftler erst gar nicht um Rat gebeten worden sind. Hintergrund: Die Haida, ein kanadisches Indianervolk, beklagen seit geraumer Zeit den Rückgang ihrer Lachsbestände. Russ George, Chef der kalifornischen Firma Planktos, versprach ihnen Abhilfe durch Eisendüngung jener Meeresregion, aus der die Lachse wieder ins Landesinnere schwimmen. Außerdem stellte Russ ihnen Einnahmen in Form von CO2-Zertifikaten in Aussicht, die es Unternehmen gestatten würden, die gleiche Menge an Kohlendioxid in die Luft zu blasen, die durch den entstehenden Algenteppich vor der Haida-Küste eingespart werden könnte.

Im Juli 2011 wurden schließlich große Mengen an Eisendünger vor der kanadischen Westküste ausgebracht; das führte zu einer Phytoplanktonblüte auf rund 10.000 Quadratkilometer Ozeanfläche. Ob das die Lachsbestände erhöht hat, weiß man in frühestens zwei Jahren. Und inwieweit dadurch tatsächlich CO2 gebunden wurde, lässt sich wohl nie belegen; Geld für Zertifikate werden die Haida vermutlich niemals bekommen. Immerhin: Die Behörden fordern, ab sofort alle Daten aus dem Projekt offenzulegen - was Auswirkungen auf das Ökosystem dokumentieren könnte.

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Algenblüte in der Ostsee: ein Segen fürs Klima?

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