Energie Eine (sehr) kurze Geschichte der Energiewende

Von der Kohle zur Solarzelle: Meilensteine der Energieerzeugung

Das neue Zeitalter begann in einer Höhle in Oberbayern. Im Park von Schloss Linderhof bei Ettal ließ König Ludwig II. aus Gips, Zement und Draht eine künstliche Tropfsteinhöhle errichten, samt Wasserfall, See und vergoldetem Muschelkahn. Revolutionär machte das Ensemble namens "Venusgrotte" die zukunftsweisende Energieversorgung: Ab 1878 lieferten zwei Dutzend von einer Dampfmaschine angetriebene Dynamos Strom für die höhleneigene Wellenmaschine und mehrfarbige Wechselbeleuchtung. Vier Jahre bevor in London und New York die ersten öffentlichen Elektrizitätswerke den Betrieb aufnahmen, läutete der ansonsten eher lebensferne Ludwig so das Stromzeitalter ein.

Das 19. Jahrhundert setzte Energietrends in jeder Hinsicht - fossil wie alternativ. Im Jahr 1891 baute der dänische Meteorologe Poul la Cour im jütländischen Askov die erste Windkraftanlage der Welt - kaum 30 Jahre später deckten 120 Anlagen immerhin schon drei Prozent des landesweiten Stromverbrauchs.

An den Niagarafällen ging 1896 das erste hydroelektrische Großkraftwerk in Betrieb. Öl und Gas, in China schon über 2000 Jahre zuvor per Bambus-Pipeline zum Heizen, Kochen und Beleuchten transportiert, wurden erstmals industriell gefördert.

Dass der fossilen Energie nur eine begrenzte Zukunft beschieden sei, predigte, als ihr Aufstieg kaum begonnen hatte, der französische Mathematiker Augustin Mouchot, Verfasser eines Pionierwerks über den Nutzen der Solarenergie. Im Jahr 1879 mahnte er anlässlich einer Veröffentlichung zu seinen solarbetriebenen Dampfmaschinen, Europas Industrie würden über kurz oder lang die Rohstoffe ausgehen: "Die Kohle wird zweifellos aufgebraucht werden. Was wird die Industrie dann tun?"

Eine (sehr) kurze Geschichte der Energiewende

Forscher arbeiten daran, die Effizienz von Solarzellen weiter zu steigern

Um 200 n. Chr. Der römische Kaiser Lucius Septimius Severus lässt in Konstantinopel Thermen bauen, die mit Erdöl beheizt werden.

1767 Der Schweizer Forscher Horace-Bénédict de Saussure baut den ersten Sonnenkollektor.

1846 Der kanadische Geologe Abraham Gesner destilliert erstmals Kerosin, das später Walöl als Brennstoff in Lampen ersetzt.

1956 Elizabeth II. eröffnet am 17. Oktober in der englischen Graf- schaft Cumbria das erste kommerziell betriebene Kernkraftwerk: Calder Hall. Die 25 Kilometer entfernte Küstenstadt Workington wird als erster Ort der Welt mit Atomstrom versorgt, binnen vier Stunden erreicht die Kernenergie die Hauptstadt London.