Umwelt Klimaanlagen: Gift im Verkehr

Das neue vorgeschriebene Kältemittel in Autoklimaanlagen ist giftig, brandgefährlich und entweicht in die Atmosphäre

Es ist schon der zweite Beelzebub, der einen Teufel ersetzen soll. R-1234yf, so der Name des Stoffs, wird per Dekret seit Januar 2013 in Klimageräten von Neuwagen eingesetzt, nachdem die EU den Vorgänger R134a (Tetrafluorethan) aus dem Verkehr gezogen hat. Jenes Mittel, das einst für das 1987 verbotene, ozonschädigende FCKW einspringen musste.

Nun schlägt die schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa bereits Alarm gegen R-1234yf, chemisch Tetrafluorpropen genannt. Da keine Klimaanlage so dicht ist, dass nichts von dem Gas entweicht, kann der Stoff in die Atmosphäre gelangen, wo er sich zu Trifluoressigsäure abbaut. Dies ist ein extrem stabiles Molekül, das sich faktisch unendlich in Wasser und Lebewesen anreichert. Im Extremfall kann R-1234yf sich sogar entzünden - zum Beispiel am Auspuff - und zerfällt dabei zu dem giftigen und ätzenden Fluorwasserstoff. Zudem ist das Mittel ein potentes Pflanzengift - vor allem für einige Algenarten.

Die Empa hat auch schon eine Karte erstellt, an welchen Orten besonders viel des Stoffes in die Atmosphäre entweichen wird - unter anderem im Ballungsraum Stuttgart. Mit dem Regen gehen übers Jahr hingegen die größten Mengen südlich der Alpen nieder; dort, wo Niederschlag seltener ist, findet sich dafür eine besonders hohe Konzentration im Regenwasser - zum Beispiel im Südwesten Tschechiens. Warum in aller Welt kommt das Mittel dann überhaupt in Betracht? Ganz einfach: Anders als seine Vorgänger schädigt es weder die Ozonschicht noch fördert es - wie Tetrafluorethan - den Treibhauseffekt. Und seine jetzt bekannten Nachteile sind noch nicht explizit verboten. Auch verbindliche Grenzwerte gibt es noch nicht.

Einzig die Daimler AG hat bislang die Einführung verweigert.

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