Waldschutz Baumhüter gesucht

Die mongolische Taiga ist nicht nur durch das Klima bedroht. Auch durch von Menschen verursachten Kahlschlag. Zumindest damit soll bald Schluss sein
Baumhüter gesucht

Lebensraum für Bären und Maralhirsche: der boreale Nadelwald am Khuvsgul-See

Wer im Norden der Mongolei das Khentii-Gebirge oder das Gebiet um den Khuvsgul- See bereist, kann dort eines der ursprünglichsten Waldgebiete der Erde besichtigen: kaum Waldwege, wenige Förster und vor allem eine stark zerklüftete Hochebene mit Sibirischen Fichten, Kiefern und Lärchen, so weit das Auge reicht. „Zehn Tage kann man im Khentii-Gebirge durch die Wälder reiten, ohne auch nur auf eine einzige Menschenseele zu treffen“, sagt Klaus Schmidt-Corsitto, Leiter des GIZ-Projekts „Biodiversität und Anpassung von bewaldeten Schlüssel-Ökosystemen an den Klimawandel“.

Die Unberührtheit der Wälder ist kein Zufall: Bereits 32 Prozent der Waldflächen des sogenannten borealen Nadelwaldes - des nördlichsten Waldtypus der Erde - befinden sich offiziell in Schutzgebieten. Darin tummeln sich zahlreiche wilde Tiere wie Braunbären, Elche und Maralhirsche. Doch das Idyll trügt. Jährlich nimmt das Waldgebiet der Mongolei um rund 26.000 Hektar ab, eine Fläche fast von der Größe der Stadt Dortmund.

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Hauptverantwortlich dafür ist die Klimaerwärmung. Der Temperaturanstieg in der Taigabetrug in den vergangenen 70 Jahren über zwei Grad Celsius und damit deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt. Am südlichen Rand der Taiga fällt immer weniger Regen. Die Folge: Neue Keimlinge können nicht mehr sprießen und verdorren.

Kahlschlag am Waldrand

So verlagert sich die Südgrenze der Taiga wegen der Trockenheit kontinuierlich Richtung Norden. Die lokale Bevölkerung ist daran nicht unbeteiligt: Viele Hirten lassen ihre Ziegen und Kühe regelmäßig an den Waldrändern die Jungpflanzen fressen. Von Menschen entfachte Waldbrände verbreiten sich unkontrolliert über große Gebiete. Und dann ist da noch der Raubbau, der dem Wald unwiderruflich schadet. „Nachhaltig wäre die Nutzung von circa zehn Prozent des Holzes in zehn Jahren, gleichmäßig über die Waldfläche verteilt“, so Klaus Schmidt-Corsitto. Stattdessen werden die Waldränder immer wieder kahl geschlagen.

Da wächst dann nichts mehr nach. Für die zunehmende Trockenheit gibt es noch einen weiteren Grund: den kommerziellen Bergbau, einen der stärksten Treiber der boomenden mongolischen Wirtschaft. Insbesondere die zahlreichen Goldgräberfirmen benötigen für das Goldwaschen große Wassermengen. Und da während dieses Prozesses viel Wasser verdunstet, werden am Ende nur etwa 80 Prozent wieder in die Flüsse zurückgeleitet.

Dabei sind die mongolischen Gesetze zum Schutz des Waldes durchaus fortschrittlich. Parlament und Umweltministerium haben zuletzt sowohl das Forstgesetz als auch das Umweltgesetz reformiert. Auch liegt ein nationaler Plan zur Anpassung an den Klimawandel vor. Nur können die Gesetze nicht entsprechend umgesetzt werden, denn es mangelt an qualifizierten Forst- und Umwelttechnikern.

Genau hier setzt das Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit an: Im Auftrag der Bundesregierung unterstützt die GIZ die mongolischen Behörden dabei, ihren Waldbestand zu stabilisieren. Zunächst mit einer Bedarfsanalyse mit einem beachtlichen Resultat: Um die Wirtschaftswälder der Mongolei mit einer Gesamtfläche von Belgien nachhaltig zu bewirtschaften, braucht es 2700 Waldfacharbeiter. Die können die Helfer nicht alle selber anlernen. Stattdessen entwickeln sie Lehrmaterial und bilden Forstwirtschaftslehrer aus.

Ausbildung für mehr Nachhaltigkeit

Dies ist der Punkt, an dem der Transfer von Know-how beginnt. „Unser Ziel ist es, sieben Forstschulen so weit zu bringen, dass sie zukünftig ihre Waldfacharbeiter selber ausbilden können“, sagt Schmidt-Corsitto. Auf dem Lehrplan wird stehen, wie man in Baumschulen Bäume korrekt pflanzt, wie man den Jungwuchs pflegt und wie viele Bäume pro Hektar nachhaltig herausgeschlagen werden können.

Ist das Personal einmal ausgebildet, soll die Mongolei ihren gesamten Holzbedarf selber legal decken können - was dem Raubbau jegliche Legitimation entzieht. Der wird zusätzlich erschwert durch ein geplantes Zertifizierungssystem für Holzwirtschaftsbetriebe, an dessen Ausarbeitung der Landesbetrieb Hessen-Forst beteiligt ist. Das Zertifikat erhalten dann nur jene Betriebe, die nicht mehr Holz schlagen, als der Wald verkraften kann.

Mongolei
Klimadaten im
  • Temperatur:
  • 7.5 °C max/-7.7 °C min
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