Klimawandel Rätsel um den Regen

In Mexikos Sierra Madre Oriental hängen Mensch und Natur am Tropf. Und der tropft inzwischen immer unregelmäßiger
Rätsel um den Regen

Die Sierra Madre Oriental ist ein ökologischer Hotspot. Große Teile sind bereits als Schutzgebiete ausgewiesen

Alles in La Plazuela dreht sich ums Wasser. Denn das Wasser ist in dem mexikanischen Dorf über die Jahre immer knapper geworden. Es regnet nicht mehr so viel wie früher, hier im Biosphärenreservat Sierra Gorda de Querétaro in Zentralmexiko. "Und es regnet anders", sagt Don Tacho. Der 61-Jährige ist so etwas wie der Dorfälteste und die höchste Autorität in La Plazuela. "Früher gab es richtige Regengüsse, heute nieselt es", sagt er. Und: Früher regnete es im August und September, heute regnet es schon im Mai und Juni.

Es ist ein heißer, trockener Tag Anfang Juli. Die letzten Regentropfen über La Plazuela sind vor 15 Tagen gefallen. Dennoch blühen die Sträucher in dem Dorf auf, wirken die Papayas und Mangos in den wenigen Gärten besonders frisch. La Plazuela ist eine kleine Oase inmitten eines halbtrockenen, steinigen Gebiets. Hier auf rund 1700 Metern ist die Sierra karstig und kahl, fast wie eine heiße Mondlandschaft.

Wem gehört das Wasser?

Und doch gibt es Wasserquellen auf den Hügeln ringsum, aus denen sich die 1200 Familien in La Plazuela von alters her versorgen. Don Tacho hüpft in Jeans, Sombrero und den typischen Huarache-Sandalen durch das Gestrüpp der Berge und vorbei an Abhängen. Er zeigt die "Ojos de agua", die Wasseraugen genannten vielen kleinen Quellen, aus denen schwarze Schläuche kilometerlang das kostbare Nass in Auffangbecken oder direkt hinunter ins Dorf transportieren. Wie ellenlange Schlangen winden sie sich durch die Wildnis.

Das Wasser war immer Anlass für Konflikte für die Menschen in La Plazuela. Denn einige Familien haben seit jeher Zugriff darauf, andere fast nie. Wer wann und für wie viel Geld seine Reservoirs füllen darf, ist Streitthema, und es ist unklar, wer das reguliert. Das war früher allerdings mehr eine Prinzipienfrage, denn eigentlich war genügend Wasser da. Jetzt aber, wo es weniger regnet, reicht es bei vielen kaum noch für den Anbau von Mais und Bohnen für den Eigenbedarf.

Es wird heißer in der Sierra

Nicht nur dem Dorf macht der Klimawandel zu schaffen. Betroffen ist ein ganzer Gebirgszug, der sich in einigem Abstand zur Ostküste über etliche Bundesstaaten Mexikos erstreckt: die Sierra Madre Oriental. In der ganzen Sierra sei es heißer geworden, sagt Alejandro von Bertrab, Koordinator des vom Bundesumweltministerium (BMU) beauftragten Programms "Klimawandel und das Management von Naturschutzgebieten" bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Mexiko. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 60 Jahren ist die Temperatur im Jahresdurchschnitt um ein Grad Celsius gestiegen. Auch kühle Nächte gibt es jetzt seltener. Die Konsequenzen: Die Bestände von Borkenkäferarten wie Dendroctonus mexicanus und Dendroctonus frontalis nehmen drastisch zu. Ihre Larven befallen die Bäume jener ausgedehnten Wälder, die es ein paar Dutzend Kilometer entfernt noch gibt. Die Bäume sterben schließlich ab, die Brandgefahr in den Wäldern steigt, und seltene Vögel, Jaguare und Bären ziehen sich zurück.

Die zentrale Region der Sierra Madre Oriental ist ein "ökologischer Hotspot". Auf einer Fläche von 2,5 Millionen Hektar verteilen sich unterschiedliche Ökosysteme. Laubwälder, Nebelwälder, Pinienwälder sowie halbtrockene Gebiete wie das um La Plazuela. Und die Ökosysteme wechseln sich in der Sierra schnell ab.

Große Flächen hat die mexikanische Regierung als Schutzgebiete ausgewiesen. Eine nationale Kommission (CONANP) propagiert in den Schutzgebieten eine schonende Bewirtschaftung.

Unterstützung aus Deutschland

Die GIZ unterstützt sie dabei: Sie finanziert Wetterstationen, bildet Brandbekämpfer aus und zeigt, wie wichtig Klima-Monitoring ist. Auch bei der Wiederaufforstung von Wäldern leisten ihre Experten Hilfe. "Wir arbeiten mit den Menschen aus den Gemeinden zusammen, bilden sie weiter und zeigen ihnen, wie man die Ökosysteme nachhaltig bewirtschaftet, also von ihnen lebt und sie zugleich erhält", betont Alejandro von Bertrab.

Zum Beispiel die Pinien- und Eichenwälder, die sich lang und breit an der Schnellstraße entlangziehen. Von ferne sehen sie aus wie riesige Brokkoli-Gemüse. Nur viele rot verfärbte Stellen fallen auf - Hinweis auf den Befall durch Borkenkäfer. Deren Larven ernähren sich von den saftführenden Schichten in der Rinde, in denen die Lebensadern des Baumes verlaufen - daher führt der Larvenbefall meist zu dessen Absterben.

Zurück in La Plazuela, wo eine Workshop-Woche begonnen hat. GIZ und CONANP erarbeiten mit den Bewohnern eine lokale Klimaschutz-Agenda. Um Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden: Wie genau trifft sie der Klimawandel? Wo liegen die Konflikte? Wer entscheidet übers Wasser? "Wir lernen hier, wie wir die Natur besser gegen die Veränderungen schützen können", sagt Andrea. Sie ist 21 und studiert in der nahen Stadt Querétaro. Aber für den Workshop kommt sie fast täglich zurück ihr Heimatdorf. "Es geht ja schließlich um unsere Zukunft."

Mexiko
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