Landwirtschaft Bio-Königreich Bhutan

Mit einem staatlichen Bio-Programm setzt die Himalaya-Monarchie auf 100 Prozent ökologischen Landbau
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Bäuerinnen im bhutanischen Paro-Tal pflanzen Reissetzlinge

Selbstverständlich meint Glück das Glück aller Lebewesen. Umwelt, Gesundheit, Artenvielfalt: alles eingeschlossen in Bhutans Staatsziel, die Steigerung des "Bruttosozialglücks", das Fortschritt neu definiert und das spirituelle Wohlbefinden der 742.000 Einwohner über, zum Beispiel, das wirtschaftliche Wachstum stellt. Das sagt Kesang Tshomo, Leiterin des staatlichen Bio-Programms, mit dem sich das Himalaya-Königreich als erstes Land weltweit komplett der ökologischen Landwirtschaft verschreiben will.

Der Verkauf von Schädlings- und Unkrautvernichtungsmitteln sowie Chemie-Dünger soll verboten werden. Bis 2020, hofft die Regierung, wird ganz Bhutan einen zertifizierten Öko-Status erreichen und vermarkten können. Der Wachstumsmarkt Öko-Landwirtschaft soll den Bauern neue Exportmöglichkeiten eröffnen - und einen Ausweg aus der mühsamen Konkurrenz mit der industriellen Landwirtschaft im Nachbarland Indien. Bhutans Ackerland macht weniger als drei Prozent der Landesfläche aus. (Mindestens 60 Prozent, das garantiert die Verfassung, müssen dauerhaft bewaldet bleiben.)

Chemie ist einfach zu teuer

Schon jetzt bewirtschaften die meisten Bauern ihre Felder und Pflanzungen mit traditionellen ökologischen Anbaumethoden. Nicht unbedingt aus Überzeugung: Häufig sind Chemikalien schlicht zu teuer oder in entlegenen Bergdörfern gar nicht erst verfügbar. Der im Sommer 2013 neu gewählte Premierminister Tshering Tobgay führte in der Liste seiner Wahlversprechen unter anderem eine motorisierte Bodenfräse für jedes Dorf.

Die Welternährungsorganisation FAO wies schon 2008 kurz nach dem Start des Bio-Programms darauf hin, dass Bhutan erhebliche Investitionen einplanen muss, um die Umstellung zu bewältigen: Eine erfolgreiche Öko-Landwirtschaft brauche Fachwissen und viele Arbeitskräfte, beides rare Ressourcen im Land.

Die Regierung aber gibt sich zuversichtlich. Nicht einmal mit Einbußen bei den Ernteerträgen sei durch den Verzicht auf Chemikalien zu rechnen. Mit neuen Anbaumethoden und der Auswahl traditioneller Pflanzensorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind, könnten die Erträge vielmehr sogar gesteigert werden: Bhutan, zurzeit Nettoimporteur von Nahrungsmitteln, will als Bio-Land künftig weitestgehend Selbstversorger sein.

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