Mythen-Check Fünf populäre Irrtümer über Bäume

Eichen haben das härteste Holz Europas und wenn Bäume extrem viele Früchte bekommen, folgt ein strenger Winter. Oder? Wir klären den Wald der populären Irrtümer über Bäume auf
Angel Oak Tree

1. Vor strengen Wintern tragen Bäume besonders viele Früchte

Das stimmt nicht, auch wenn eine Bauernregel dazu "Viele Eicheln im September, viel Schnee im Dezember" lautet. Aber weder Haseln, Eichen, Buchen noch irgendein anderer Baum können in die Zukunft sehen und das Wetter vorhersagen.

Viele Früchte am Baum deuten vielmehr auf den vergangenen Winter hin. Denn um viele Früchte zu bilden, muss der Baum bereits im Herbst des Vorjahres reichlich Blüten angesetzt haben, und den Spätfrösten im April sowie Mai entgangen sein, die diese Blütenpracht vernichtet hätten.

Das gilt natürlich auch für Tiere. Weder extreme Wintervorräte anlegende Eichhörnchen noch ein üppiges Winterfell von Hirschen deuten auf einen kommenden Eiswinter hin.

2. Eichen haben das härteste heimische Holz

Nein, haben sie nicht. Denn mit dem Holz von Hainbuchen können heimische Eichen in puncto Druckfestigkeit nicht mithalten - wenn auch nur knapp. Buchen lassen sich wegen ihrer glatten Holzstruktur auch wesentlich besser bearbeiten als Eichen. Eichenholz ist dagegen wesentlich witterungsbeständiger als alle anderen heimischen Hölzer. Kein Wunder also, dass die Hamburger Speicherstadt zum Beispiel seit über 100 Jahren auf einem Fundament aus über 3 Mio. Eichenstämmen steht, die tief in den Schlick gerammt wurden.

3. Holz schwimmt im Wasser

Meistens ja, aber nicht immer. Der Brasilianische Eisenholzbaum verhält sich zum Beispiel gar nicht so, wie man es von Holz erwartet: Wirft man ein Stück davon ins Wasser, geht es unter wie ein Stein. Kein Wunder, bei der enormen Dichte des Holzes. Es wiegt mehr als das verdrängte Wasser und kann sich so nicht an der Oberfläche halten.

Aber auch ein heimisches Gehölz ist ein absoluter Nichtschwimmer: Die Kornelkirsche (Cornus mas). Die bis zu acht Meter hoch werdenden Sträucher haben das schwerste in Europa vorkommende Holz, aber keine Bedeutung für die Holzindustrie. Lediglich die Früchte werden noch für Obstbrände oder Marmelade genutzt.

4. Nadelbäume sind immergrün

Fichten und Tannen sind für die meisten der Inbegriff von Nadelbäumen – und natürlich immergrün. Aber nicht immer. Es gibt aber auch Nadelbäume, die ihre Nadeln im Herbst wie Laubbäume abwerfen. Dazu gehört der Urwelt-Mammutbaum genauso wie die heimische Lärche. Immergrüne Nadelbäume haben einen Vorteil gegenüber den Laubbäumen: Sie müssen im Frühjahr nicht erst Energie in die Blattbildung stecken, sondern können sofort mit der Photosynthese loslegen.

Daher findet man im hohen Norden ab einem bestimmten Breitengrad nur Nadelbäume - die Sommer sind einfach zu kurz, um im Frühjahr erst noch mit der Laubproduktion anzufangen. Ein Nadelkleid sorgt im Winter allerdings auch für eine ständige Verdunstung durch die Nadeln. Damit Nadelbäume nicht vertrocknen, verfügen sie über spezielle Stöpsel in den Wasserleitbahnen, die einen ungehinderten Wasserverlust verhindern.

The Dark Hedges

5. Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen...

Wohl jeder kennt den Spruch über die richtige Verhaltensweise bei Gewitter. Aber wer diesen Spruch wörtlich nimmt, kann ernste Probleme bekommen. Denn dem Blitz ist die Baumart völlig egal. Er schlägt in Eichen genauso ein wie in Buchen oder in Birken. Vor allem, wenn diese exponiert als Einzelbaum auf einer Wiese wachsen.

Werden Sie in der Natur von einem Gewitter überrascht, meiden Sie die Nähe zu jedem Baum und hocken sich lieber auf freiem Feld in einer Erdmulde oder einem Graben hin und machen sich so klein wie möglich. Lassen Sie die Füße dicht beieinander, um eine möglichst geringe Kontaktfläche zum Boden zu haben.

Auch wenn es in der Umgebung höhere Landschaftspunkte gibt, schlägt der Blitz nicht zwangsläufig da ein. Blitze suchen sich nicht aus der Entfernung das höchste Ziel aus, sie sind vielmehr extrem kurzsichtig und entscheiden erst im letzten Moment, wo sie einschlagen.

Einen kurzen Info-Film zu Gewittern können Sie sich in diesem Video ansehen: