USA Fracking-Boom sorgt für Rechtsruck

Während die Deutschen noch über das Pro und Kontra von Fracking diskutieren, verändert die riskante Gas-Fördertechnik in den USA die politische Landschaft. Aber anders, als gedacht
Fracking-Boom sorgt für Rechtsruck

Aus Hunderttausenden Bohrlöchern strömt in den USA unkonventionell gewonnenes Gas. Hier im Bundesstaat Colorado

Fracking hat in Deutschland nur wenige Freunde - und sorgt regelmäßig für kontroverse Diskussionen. Vor allem, weil es Umwelt und Klima - möglicherweise auch der menschlichen Gesundheit - schadet. Kritiker berufen sich vor allem auf Befunde aus den USA, wo schon zu Beginn des Jahrtausends ein wahrer Fracking-Boom ausbrach. Allein in den vergangenen zehn Jahren stieg dort die Schiefergasförderung von rund 85 Millionen auf 1,2 Milliarden Kubikmeter an - pro Tag.

Doch trotz des zunehmenden Widerstands gegen die riskante Technik ist in den USA von einem Umlenken auf Seiten der Politik nichts zu spüren. Im Gegenteil. Erstaunlicherweise - das zeigen Umfragen - profitieren auf politischer Ebene am meisten die Republikaner, die den Umweltschutz traditionell geringschätzen. Ihr Anführer, Donald Trump, hatte 2012 in einem Tweed sogar behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen - um die US-Wirtschaft zu schädigen. Der Multimilliardär kündigte bei einem Wahlsieg eine "Rückbesinnung" auf fossile Rohstoffe an und will nach eigenem Bekunden "die Kohle retten".

In den Reihen der Demokraten dagegen gibt es Politiker, die Fracking komplett ablehnen oder nur unter strengen Auflagen weiterbetreiben wollen. Spitzenkandidatin Hilary Clinton hält sich bei dem Thema bedeckt.

Wer finanziell profitiert, wählt rechts

In Regionen, die vom Fracking-Boom betroffen sind (beziehungsweise von ihm profitieren), gewannen Republikaner zwischen 1996 bis 2012 mehr als drei Prozent Stimmen hinzu. Für einen demokratischen Amtsinhaber erhöhte sich dadurch die Wahrscheinlichkeit, durch einen Republikaner aus dem Amt gedrängt zu werden, von 16 auf 39 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines internationalen Wissenschaftler-Teams. Für den Rechtsruck konnten die Forscher zwei Hauptgründe ausmachen. "Menschen, die der Fracking-Boom reich gemacht hat, wollen keine Umweltgesetze, die Fracking verhindern könnten", sagt der Leiter der Studie, Viktar Fedaseyeu von der Bocconi-Universität Mailand. Zweitens: Durch den plötzlichen Reichtum ändern sich die politischen Einstellungen. "Reiche Leute bevorzugen eine konservative Politik, die Steuern bekämpft", sagt Fedaseyeu.

Noch sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Clinton und Trump aus. Die Wahl im Dezember wird die Weichen auch für die Klimapolitik der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stellen. Umweltschützer sehen für den Fall eines Wahlsiegs der Republikaner schwarz. Kohlrabenschwarz.

Voter Preferences and Political Change: Evidence From Shale Booms

Mehr zum Thema

Fracking: Das sollten Sie wissen
Erdgasförderung
Fracking: Das sollten Sie wissen
Die Regierung hat einen Gesetzentwurf für Fracking vorgelegt. Doch vor der Abstimmung im Parlament gibt es Streit zwischen Fracking-Befürwortern und - Gegnern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen: Was ist Fracking eigentlich? Wie riskant ist es? Und ist Schiefergas gut fürs Klima?
O'zapft is
Fracking
O'zapft is
Schlechte Zeiten für Fracking-Gegner: Mit dem Gesetzentwurf des Umweltministeriums soll die umstrittene Fördermethode auch in Deutschland erlaubt werden. Die geplanten Freihandelsabkommen CETA und TTIP werden der riskanten Technik weiter Vorschub leisten, befürchten Umweltschützer
Energiewunder mit Rissen
USA
Energiewunder mit Rissen
Schon 2015 könnten die USA Saudi-Arabien als größter Ölproduzent ablösen. Das umstrittene Fracking macht's möglich. Doch die Euphorie könnte schon bald abebben
GEO.de Newsletter