Tagsüber erzeugen die Solarzellen den Strom für die vier Motoren. Was nicht gebraucht wird, speichern die Akkus für den Nachtflug

Nachts soll das Flugzeug die tagsüber gewonnene Höhe in Strecke ummünzen. Die Speicherkapazität der Akkus würde allein nicht ausreichen

Die Elektronik an Bord passt auf, dass das Flugzeug nicht in Schräglage gerät - denn das hätte unkontrolliertes Trudeln zur Folge

Die Herausforderer: Bertrand Piccard und André Borschberg

Die enorme Spannweite des Fliegers stellt hohe Anforderungen an die Konstrukteure

Es ist größer als ein Airbus und nur wenig schwerer als ein Mittelklassewagen. Es soll um die Welt fliegen. Und es verursacht keine Emissionen. So die Vision der beiden Pioniere Bertrand Piccard und André Borschberg von einem Flugzeug der Superlative, angetrieben nur von der Kraft der Sonnenstahlen. Seit nunmehr fünf Jahren planen und konstruieren Ingenieure dieses Rekordflugzeug.

Das Ziel: maximale Effizienz

Die Entwicklung eines solchen Fluggefährts bietet zahlreiche Herausforderungen. Die Konstruktion muss extrem leicht, aber auch stabil sein und ein Maximum an Auftrieb gewährleisten. Die Solarzellen müssen ausreichend Strom auch für die Nachtflüge erzeugen. Die Motoren müssen bei minimalem Gewicht ein Maximum an Leistung bereitstellen. Das größte Problem stellt jedoch die Speicherung des Solarstroms für die Nachtflüge dar. Allein die dafür benötigten Akkus machen ein Viertel des Gesamtgewichts aus.

Die Lösung, der Prototyp "HB-SIA", sieht einem modernen Segelflieger nicht unähnlich: ein durchgehender, über 63 Meter langer Flügel, vier unter der Tragfläche montierte, je zehn PS starke Motoren mit zweiflügeligen Propellern, kreuzförmig angeordnete Höhen- und Seitenruder. Flügel und Rumpf sind aus Karbonfaser gefertigt, die Oberseite der Tragfläche ist mit 12.000 Solarzellen beschichtet.

Fünf Tage Flug bei extremen Bedingungen

Bei einem Gesamtgewicht von 1600 Kilogramm bietet der Flieger gerade noch Platz für einen Piloten. Im etwas größeren Rekordflugzeug wollen die beiden Pioniere Piccard und Borschberg im Jahr 2012 gemeinsam die Weltumrundung versuchen. Fünf Tage lang werden die beiden in Höhen zwischen 1000 und 8500 Metern im Cockpit ausharren - ohne Druckkammer, bei Temperaturen zwischen minus 45 und plus 80 Grad Celsius. Nur bei den geplanten Zwischenstopps auf allen Kontinenten werden sich die beiden ein wenig die Beine vertreten können.

Die Familie Piccard ist für ihre Abenteuer und Rekorde berühmt: Auguste Piccard, der Großvater von Bertrand Piccard, drang als erster Mensch in einem Ballon in die Stratosphäre vor, sein Sohn Jacques tauchte im Marianengraben fast elf Kilometer tief - und stellte damit einen bis heute ungebrochenen Rekord auf. Bertrand Piccard umrundete als Erster die Erde in einem Ballon.

Mit dem Projekt wollen die Initiatoren die Leistungsfähigkeit der erneuerbaren Energien unter Beweis stellen. Hauptgeldgeber ist die Deutsche Bank.

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