Schlüsselblume (Primula veris)

In ganz Europa und Vorderasien blüht die gelbe Heilpflanze. Die Inhaltsstoffe der Schlüsselblume helfen vor allem in der Erkältungszeit. Der hohe Bedarf wird fast ausschließlich durch Wildsammlungen gedeckt, da es nur einige kleinflächige Anbauversuche gibt. Nach Angaben des WWF importiert allein ein großer deutscher Händler jährlich 10.000 Kilogramm Schlüsselblumen. In der Türkei zählt sie zu den am stärksten bedrohten Heilpflanzen. In Deutschland dürfen wilde Populationen von Primula veris nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht gesammelt werden.

Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides)

Gegen Erkältung oder Bronchitis greifen Verbraucher gern zu pflanzlichen Mitteln: Umckaloabo ist eines davon. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach dem Präparat in Deutschland - und der Pelargonium-sidoides-Wurzel, deren Auszug aus der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gewonnen wird. Die nicht nachhaltige Sammlung und der intensive Handel mit der Pflanze finden derzeit nicht unter kontrollierten Bedingungen statt. Noch steht die Kapland-Pelargonie aber nicht unter dem Schutz von CITES. Doch sie wurde auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN vorläufig als "Least Concern" eingeordnet.

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. ist die Wirkung des Gelben Enzians als Stärkungs- und Magenmittel bekannt. Auch heute werden die aus den Enzianwurzeln extrahierten Bitterstoffe als Heilmittel bei Verdauungsstörungen sowie Leber- und Gallenleiden verwendet. Die Wildbestände der Pflanzen sind in den Bergregionen Zentral- und Südeuropas infolge der Übernutzung stark zurückgegangen. Der Weltbedarf der frischen Wurzeln zur Herstellung von Medikamenten und Branntwein wird auf 6000 Tonnen geschätzt.

Afrikanisches Stinkholz (Prunus africana)

Die Rinde der afrikanischen Baumart wird in der traditionellen Volksmedizin gegen Malaria, Fieber oder Bauchschmerzen genutzt - seit einigen Jahren auch gegen Prostataleiden. Die steigende Nachfrage und die nicht schonenden Erntemethoden haben zur Übernutzung des Stinkholzes geführt. Statt die Hälfte der Rinde am Baum zu lassen, damit er sich regenerieren kann, werden beim illegalen Sammeln ganze Bäume gefällt oder die gesamte Rinde entfernt. Das Stinkholz steht unter dem Schutz von CITES, IUCN und der Europäischen Artenschutzverordnung.

Arnika (Arnica montana)

Die Verwendung der Korbblütler mit zartem, gelbem Kopf hat in der Volksmedizin eine lange Tradition. Auch heute helfen Arnika-Salben und -tinkturen bei Verletzungen. Da Arnica montana eine der meistverwendeten Heilpflanzen Europas ist, hat sich ihr Wildbestand stark dezimiert. In Belgien ist sie vom Aussterben bedroht, in Deutschland gefährdet. Mittlerweile konnten erste Erfolge mit der Kultivierung der Pflanze verzeichnet werden.

Kostus (Saussurea costus)

Seit Jahrtausenden finden die 30 bis 40 Zentimeter langen Kostuswurzeln in China ihre heilende Verwendung. In der ayurvedischen Medizin werden die Wurzeln als Stärkungsmittel, bei Appetitlosigkeit und Hautproblemen verwendet.

Das im Hochgebirge des Himalaja, in Nordwestindien und China wachsende Kraut wird laut WWF vor allem für medizinische Zwecke wild gesammelt. Seit 1985 steht Kostus unter dem Schutz von CITES. Der größte Teil der Kostussubstanzen stammt heute aus dem Anbau. Doch Wildsammlungen finden weiter statt.

Ginseng (Panax ginseng)

Berühmt und bedroht zugleich: Wild wachsender Ginseng gehört zu den am meisten gefährdeten Heilpflanzen weltweit. Die Wurzel soll unter anderem das Immunsystem stärken. In Deutschland und vielen anderen Ländern wird die Pflanze angebaut, doch die Zucht ist schwierig und langwierig. Erst nach sechs Jahren entfaltet Ginseng seine volle Wirkung. Deswegen wird Ginseng weiterhin wild gesammelt - und auch weil es Kunden gibt, die Wildpflanzen eine höhere Heilwirkung zuschreiben. Diese lassen sich dann zu hohen Preisen verkaufen. Der internationale Handel einiger Ginseng-Arten wird überwacht.

Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis)

Einst weit verbreitet in großen Teilen Europas, ist das Hahnenfußgewächs nun stark gefährdet.

Seine Substanzen sollen gegen leichte Herzbeschwerden helfen. Die hohe Nachfrage nach der Pflanze, hat zu einer nicht nachhaltigen, starken Wildsammlung geführt: Ganze Triebe des Gewächses werden entnommen und Wurzeln ausgegraben. Versuche, das Adonisröschen anzubauen beschränken sich auf sehr geringe Mengen. Der Anbau ist zu schwierig und nicht rentabel. Deutschland zählt nach Angaben des WWF zu den größten Importeuren des Adonisröschens. Seit 2000 steht das Gewächs unter dem Schutz von CITES.

Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum spp.)

Anfang der 1990er-Jahre entdeckte der internationale Markt die Heilpflanze für die westliche Medizin: Der Wirkstoff aus den getrockneten Wurzeln wird in Europa gegen Rheuma und Arthritis eingesetzt. Die starke Nachfrage und die zerstörerischen Sammeltechniken haben die Population im südlichen Afrika stark dezimiert - besonders in Botswana und Regionen Namibias. Das Sammeln der Wildpflanze ist für viele Einwohner die einzige Einnahmequelle. Mittlerweile gibt es erfolgreiche Anbauversuche der Teufelskralle wie auch Projekte, in denen eine nachhaltige Wildsammlung praktiziert wird.

Seepferdchen (Hippocampus spp.)

20 bis 30 Millionen Seepferdchen werden jedes Jahr aus den Meeren gefischt - ein Großteil für die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Getrocknete und zerriebene Seepferdchen sind wichtige Inhaltsstoffe von TCM-Präparaten - gegen Asthma, Arthritis, Herzbeschwerden und vieles mehr. Alle Arten der Gattung Hippocampus spp. sind stark bedroht und unterliegen dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES. Zu den Hauptabnehmern der Seepferdchen zählen neben den asiatischen Ländern auch Nordamerika, Europa, Australien und Mexiko.

Tiger (P. tigris)

Vor 100 Jahren streiften etwa 100.000 Tiger durch die Wälder, aktuell schätzungsweise nur noch knapp 3.200. Eine Ursache für den Rückgang ihrer Art ist die Wilderei. In der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Tigerprodukte illegal, aber auf dem Schwarzmarkt noch sehr gefragt. Fast allen Körperteilen werden Heilkräfte zugeschrieben, unter anderem Knochen, Zähnen, Hoden oder Augäpfeln. Sie sollen Kopfschmerzen lindern, bei Erbrechen, Epilepsie und Rheuma helfen. Seit 1975 steht der Tiger unter Artenschutz (CITES). Dennoch blüht der illegale Handel - vor allem in den asiatischen Ländern, aber auch in den USA.

Moschustier (Moschus spp.)

Der wertvolle Stoff in den Drüsen der männlichen Tiere, den wir auch als Moschusduft kennen, ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin begehrt. Mehr als 400 asiatische Medikamente enthalten Moschus: Herz-Kreislaufmittel, Nervenpräparate und viele mehr. Durch Wilderei und illegalen Handel sind die Bestände der Tiere stark zurückgegangen. In vielen Ländern sind die Tiere geschützt, das Jagen verboten. Doch die große Nachfrage und hohe Preise

(bis zu 36.000 Euro pro Kilo) bieten Wilderern starke Anreize.

Asiatische Dreistreifen-Scharnier-Schildkröte (Cuora trifasciata)

In Vietnam ist die Dreistreifen-Scharnier-Schildkröte inzwischen fast ausgerottet. Sie gehört zu den am meisten gefährdeten Süßwasser-Schildkröten Asiens. Die Traditionelle Chinesischen Medizin schreibt vor allem ihrem Panzer heilende Kräfte zu. Der Verzehr von Schildkrötenprodukten soll unter anderem bei Krebsleiden wirksam sein. Die Anreize zum Wildern sind angesichts des Preises von 1000 US-Dollar pro Tier sehr hoch. Die Strafen bei Missachtung der Naturschutzgesetze dagegen sehr gering.

Nashorn (Rhinoceotidae)

Der Wert der Rhinozeros-Hörner übertrifft den des Goldes, schreibt der WWF. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wurden die Hörner der Tiere als Heilmittel verwendet. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist das aber verboten. Doch die illegale Nachfrage auf dem asiatischen Markt ist groß. Zu Pulver zermahlen sollen die Hörner eine fiebersenkende Wirkung haben. Auch bei Krämpfen, Blutungen und Infektionen wurde das Nashorn-Pulver eingesetzt. Zurzeit leben nur noch etwa 50 Tiere des Javanashorns und 320 Exemplare des Sumatranashorns in freier Wildbahn.

Saiga-Antilope (Saiga tatarica)

Die bernsteinfarbenen Hörner der Antilopen-Männchen sind den asiatischen Steppentieren zum Verhängnis geworden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden die aus Hörnern hergestellten Heilmittel gegen Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit verschrieben. Die illegale Jagd auf die Saiga-Antilope, die durch CITES geschützt ist, hat ihre Bestände stark dezimiert. Da lediglich Männchen Hörner tragen und gejagt werden, gibt es in einigen Gebieten bereits einen starken Überschuss an Weibchen: Auf ein Männchen kommen bis zu 100 Weibchen.

Bei Halskratzen oder Bauchgrummeln greifen wir schnell zu Medikamenten. Gerade der Griff zu natürlichen Heilmitteln ist beliebt. Denn pflanzliche Arzneien gelten als milder und verträglicher für unseren Körper. Schon unsere Vorväter wussten ihre Beschwerden durch Naturmittel zu kurieren. Die "sanfte Medizin" verschafft uns das Gefühl, bewusster mit uns und unserer Umwelt umzugehen.

Die Wirkung einiger Naturheilmittel ist bisweilen umstritten. Doch unstrittig ist, dass der hohe Bedarf der Konsumenten die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren bedroht.

Allein über 400.000 Tonnen Heilpflanzen-Rohware gelangen nach Angaben des WWF jährlich in den internationalen Handel - und der Bedarf steigt. Davon stammen etwa 80 Prozent dieser weltweit genutzten Arten aus sogenannten Wildsammlungen. Nicht nachhaltige Sammelmethoden oder -mengen stellen ein großes Problem dar. So werden teilweise Pflanzen von Sammlern aus dem Boden gerissen oder gegraben - ohne Rücksicht darauf, dass sie nicht wieder nachwachsen können. Häufig werden lediglich Pflanzenteile wie die Blätter für die Produktion der Medikamente verwendet, sodass ein Ausreißen des ganzen Gewächses nicht notwendig wäre.

Nachhaltige Ernte und auch der Anbau wären bei vielen Pflanzen durchaus möglich, sind für Händler aber teurer. Schließlich geht es darum, so günstig wie möglich zu produzieren - bis die Ressourcen ausgehen: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) vermutet, dass bis zu 15.000 Heilpflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet sind.

Auch Deutschland trägt einiges zum Raubbau an der Natur bei. Nach Angaben des WWF ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit ist das Land sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top 5. Die importierte Pflanzenware, vor allem aus Ost- und Südosteuropa, wird größtenteils hierzulande weiterverarbeitet und dann wieder vertrieben. Die fertigen Produkte werden legal in Apotheken und Drogerien verkauft.

Nicht nur Wildpflanzen sind gefragt

Während sich die westliche Schulmedizin insgesamt verstärkt auf pflanzliche Heilmittel zurückbesinnt, stützt sich die traditionelle Medizin außerhalb Europas seit jeher auf die Naturheilmittel. In diesen werden neben pflanzlichen auch tierische Wirkstoffe genutzt.

So verwendet die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), vor allem in Asien, auch heute noch in ihren Mitteln Substanzen von 1500 Tierarten. Viele Präparate enthalten Organe von Wildtieren. Denn deren Wirkung sei, so glaubt die TCM, stärker als die von Zuchttieren. In China gibt es zudem einen großen Schwarzmarkt für TCM. Laut WWF werden hier tierische Organe nachgefragt, deren Handel heute offiziell verboten ist.

Die Folgen des Schwarzmarkthandels sind für den Bestand von Tierarten verheerend. Tiere von ohnehin schon dezimierten Arten werden für medizinische Zwecke weiterhin gewildert und getötet. Trotz des weltweiten Verbots der Jagd und Nutzung sind einzelne Unterarten von Tigern und Nashörnern durch Überjagung bereits ausgerottet oder extrem bedroht. Die Nachfrage nach dem Sekret des Moschustieres hat die Arten teilweise an den Rand des Aussterbens gebracht.

Artenschutz versus Schwarzmarkt

Mittlerweile sind Moschustiere, wie viele andere vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten, durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt. CITES regelt oder verbietet den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Einen Schutzstatus bekommen die Arten aber oft erst, wenn sich ihr Bestand soweit dezimiert hat, dass sie vom Aussterben bedroht sind.

Doch Handelsauflagen allein reichen nicht aus. Nationale Gesetze laufen den internationalen Verordnungen teilweise zuwider. In Russland etwa ist nach wie vor die Jagd auf Moschustiere erlaubt. Ferner "gibt es für die medizinische Nutzung von Tieren keinen gemeinsamen internationalen Standard", moniert die WWF-Artenschutzexpertin Susanne Honnef. Die Schutzmaßnahmen von Tierart zu Tierart sähen grundsätzlich unterschiedlich aus.

CITES reguliert zwar den Handel mit gefährdeten, aber begehrten Tier- und Pflanzenarten, doch der illegale Verkauf blüht. Hinter dem Tierhandel stecken häufig Netzwerke, wie Patrick Brown in seiner Webreportage "Black Market" dokumentiert. Die Anreize zum Wildern sind vor allem in den Entwicklungsländern hoch: 36.000 Euro lassen sich etwa auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo Moschus vom Moschustier erzielen. Dagegen sind die Strafen bei Missachtung nationaler Naturschutzgesetze, etwa in Vietnam und Indonesien, sehr gering.

Um illegale Jagd und den artenbedrohenden Raubbau einzudämmen, entwickeln WWF und TRAFFIC (das gemeinsame Programm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN) seit Jahren Strategien für eine nachhaltige Wildartennutzung - mit Rücksicht auf die Sammler und Jäger, die auf den Handel angewiesen sind. So gibt es seit 2010 den weltweit ersten Nachhaltigkeitsstandard für Wildpflanzen - den FairWild Standard. Er regelt die "umweltverträgliche, sozial gerechte und ökonomisch tragfähige Wildsammlung von Pflanzen, Pilzen und Flechten", berichtet WWF-Artenschutzexpertin Susanne Honnef. Der Standard umfasst Richtlinien für das Sammeln und Handeln von Wildpflanzen. Es darf nur so viel gesammelt werden wie nachwachsen kann. Zudem sollen Arbeiter faire Löhne erhalten. Da dieser Standard die Einhaltung nationaler und internationaler Gesetze und Richtlinien fordert, kann er in Zukunft zur Eindämmung des illegalen Handels beitragen - zumindest mit geschützten Wildpflanzen.

Weitere Informationen zu gefährdeten Pflanzen- und Tierarten:

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