CO2-Speicher Wald Die Raucherlunge der Erde

Der Amazonas-Regenwald nimmt immer weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Das könnte dramatische Folgen für den Klimaschutz haben
Die Raucherlunge der Erde

Schwächelnde CO2-Senke: Der Amazonas-Regenwald speichert weniger Kohlendioxid als gedacht. Tendenz: weiter abnehmend

Dass wir uns bei unserer CO2-intensiven Wirtschafts- und Lebensweise nicht längst in einem überhitzten Treibhaus befinden, haben wir zu einem großen Teil den Bäumen zu verdanken. Denn sie entziehen der Atmosphäre das Klimagas und speichern ihn in Form von Kohlenstoff. Dabei wachsen sie sogar schneller, je höher die CO2-Konzentration in der Luft ist. Zumindest nach bisherigem Kenntnisstand.

Jetzt zeigt sich: Auch dieses Wachstum hat offenbar Grenzen. Forscher der Universität Leeds fanden heraus, dass die Bäume im Amazonas-Regenwald nicht mehr CO2 aufnehmen können - und sogar früher sterben (wobei sie das Klimagas wieder freisetzen). Die Menge des in der Atmosphäre gelösten Kohlendioxids, die von den Bäumen im Amazonasgebiet aufgenommen wird, fiel zwischen 2000 und 2010 im Vergleich zur vorangehenden Dekade um 30 Prozent. Alarmierend: Im selben Zeitraum stiegen die weltweiten Emissionen um über 20 Prozent.

Zu viel CO2 und Wetterextreme schaden dem Baumwachstum

Als möglichen Grund dafür benennen die Forscher um Roel Brienen von der Universität Leeds saisonale Wetterschwankungen - und ein Zuviel an CO2 in der Atmosphäre. Zwei Dürren in den Jahren 2005 und 2010 führten zu Massensterben der grünen Riesen. Doch das allein kann den Trend nicht erklären. Brienen nimmt an, dass insgesamt trockenere Trockenzeiten und nassere Regenzeiten - eine Folge des Klimawandels - dem Wald zu schaffen machen.

In jedem Fall sind die Erkenntnisse besorgniserregend. Denn die "grüne Lunge" ist eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Erde. Rund ein Viertel aller an Land gebundenen CO2-Mengen entfallen auf die Wälder Amazoniens. Negative Einflüsse durch Abholzung und Brandrodungen können die Forscher ausschließen; für ihre Untersuchungen über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten wählten Brienen und seine Kollegen 321 unberührte Orte im Amazonas-Dschungel aus.

Die Erkenntnisse haben möglicherweise weit reichende Konsequenzen für den Klimaschutz. Viele Forscher halten das 2-Grad-Ziel schon jetzt nicht mehr für erreichbar. Sollte die Fähigkeit der Wälder, CO2 zu speichern, tatsächlich sinken, müssen die Emissionsziele der wichtigsten Verursachernationen weiter verschärft - und auch erreicht - werden.

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