Umwelt: Asbest, gut gewürzt

Der Duftstoff der Gewürznelke kann helfen, krebserregende Asbestfasern zu binden und unschädlich zu machen

Noch befindet sich das feuerfeste, chemikalienresistente Material in vielen älteren Gebäuden: als Isolierung von Rohren, Heizungen und Elektrogeräten, als Asbestpappe oder -zement, in Dämmplatten, alten PVC-Fußböden und feuerfesten Geweben. Die Gesundheitsgefahr entsteht durch verwitternde Fasern, die in die Raumluft wirbeln; Arbeiter sind bei Asbest-Sanierungen dem gefährlichen Material ausgesetzt.

Mit einer ganz ungewöhnlichen Waffe will jetzt ein italienisches Chemiker-Team um Bice Fubini an der Universität Turin dieser Bedrohung begegnen: mit Eugenol, dem Duftstoff der Gewürznelke.

Am Anfang stand ein Irrtum: In den 50er Jahren vertrat der Biophysiker John Bernal die Hypothese, Eugenol habe eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Lebens gespielt. Damit lag er vermutlich falsch; aber seine Theorie über die Bildung von Biomolekülen war eine wertvolle Grundlage für die Arbeiten von Fubini und ihren Mitarbeitern: Bernal war davon ausgegangen, dass sich kleine Eugenol-Moleküle in Gegenwart von Mineralien und Wasserstoff-Peroxid zu ligninartigen Molekülen zusammenfügten (polymerisieren) - Lignin ist der Basisstoff für Holz.

Da es sich auch bei Asbest um Mineralfasern handelt, kamen Fubini und ihr Team auf die Idee, das Material womöglich durch eine feste Hülle aus Lignin unschädlich machen zu können. Denn die Gefährlichkeit von Asbest erwächst aus den zahllosen "freien Radikalen" - Molekülen oder Molekülbruchstücken, die auf den Fasern sitzen, ein Elektron zu viel oder zu wenig besitzen und deshalb äußerst reaktionsfreudig sind. Dringen die Fasern in menschliches Gewebe ein, können diese freien Radikale Mutationen in Zellen auslösen - eine mögliche Ursache von Krebs.

Das Rezept der italienischen Chemiker bestand darin, die Asbestfasern mit einer Lösung aus dem Duftstoff der Nelke sowie Wasserstoff-Peroxid zu behandeln. Wie vermutet, "verholzten" die Fasern durch die Polymerisation.

Ob es demnächst ein Spray geben wird, welches das gefährliche Material versiegelt und damit unschädlich macht, vermag Fubini allerdings noch nicht zu sagen.

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