Geowissenschaft: Eisiger Süden

Nahezu überall auf der Welt beobachten Forscher eine Klimaerwärmung. Doch ein Kontinent bildet in weiten Teilen eine Ausnahme: die Antarktis

Als Polarforscher der University of Illinois jüngst die von Wetterstationen auf dem Südkontinent neu ermittelten Langzeitdaten verglichen, kamen sie zu einem überraschenden Ergebnis: Schätzungsweise 60 Prozent der Antarktis haben sich in den letzten 35 Jahren deutlich abgekühlt.

Messungen am Ufer des Hoare-Sees, der in einem antarktischen Tal am McMurdo Sound liegt, ergaben einen durchschnittlichen Temperaturrückgang von 0,7 Grad pro Jahrzehnt. Besonders auffällig: die Abkühlung in den Sommer- und Herbstmonaten.

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Bisher waren die Klimatologen davon ausgegangen, dass die weltweit zu verzeichnende Klimaerwärmung auch für den Südkontinent zutrifft. Tatsächlich stützten Daten von dem sich nördlich Richtung Südamerika erstreckenden Landzipfel - der antarktischen Halbinsel - diese Vermutung. Die repräsentativen Messungen auf dem gesamten Kontinent jedoch deuten nach Aussage des Polarforschers Peter Doran von der University of Illinois in Chicago auf eine überwiegende Abkühlung hin.

Einige Klimaforscher vermuten schon seit längerem, dass die generelle Erderwärmung mit einem lokal begrenzten Temperaturrückgang einhergeht. Doch ein so großräumiger wie in der Antarktis fügt sich nur schwer in die bisherigen Modellrechnungen ein.

Auch verlässliche Daten über die Dicke der Eisschicht zu gewinnen, gestaltet sich für Polarforscher äußerst schwierig. Am Nordpol etwa haben sporadische, unsystematisch durchgeführte U-Boot-Messungen eine durchschnittliche Abnahme der Eisschicht um 40 Prozent zwischen 1958 und 1997 ergeben. Neue Untersuchungen mit einer so genannten elektromagnetischen Induktionsmessung (EM) hat der Meereisphysiker Christian Haas vom Bremerhavener Alfred-Wegner-Institut per Hubschrauber durchgeführt. Dieses Verfahren basiert auf dem unterschiedlichen elektrischen Widerstand von Eis und Meerwasser. Haas zufolge hat die Dicke der arktischen Eismassen in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent abgenommen.

Wesentlich verlässlichere Daten über die Veränderung der Eisstärke und -ausbreitung in Arktis und Antarktis wird ab 2004 der Forschungssatellit CryoSat liefern. (Eine Projektbeschreibung findet sich unter www.cryosat.de)

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