Umwelt: Hoffnung für das Hochmoor

Renaturierungsmaßnahmen von Torfmooren zeigen erste Erfolge - und statt auf Torf kann auf Ersatzmaterialien zurückgegriffen werden

Diese Gegend war sogar den Römern unheimlich: Nebel und Sümpfe bis zum Horizont, undurchdringlich, nur Modder und Morast, tödlich für diejenigen, die sich darin verliefen. Die Gegend zwischen Weser und Ems war viele Jahrhunderte wie ein blinder Fleck auf den Karten.

Erst im vorvergangenen Jahrhundert wurden die Moore im heutigen Niedersachsen kolonisiert. Heute dehnen sich hier meist landwirtschaftliche Flächen oder klaffende Torfstiche bis zum Horizont. Von den mystischen Landschaften ist nur wenig übrig geblieben.

In den vergangenen Jahrzehnten aber wurde der Wert des Hochmoores als Lebensraum bedrohter Arten erkannt, manches der Moore unter Schutz gestellt. Die vielerorts zunehmend unrentable Landwirtschaft auf abgetorften Flächen wird immer öfter aufgegeben, stattdessen greifen erste Renaturierungsmaßnahmen. Und neue Lizenzen zum Torfabbau werden nach Angaben der Staatlichen Moorverwaltung in Meppen an der Ems nur noch dann vergeben, wenn ein Torfstech-Betrieb sich verpflichtet, stattdessen andere Flächen aus seinem Besitz dem Landschaftsschutz zu überlassen; auf Landesflächen ist der Torfabbau generell verboten.

Aufgebaut ist ein Hochmoor aus verschiedenen Schichten. Die obere besteht aus lebenden, ständig nachwachsenden Sphagnum-Torfmoosen und ist mit Gräsern, Beeren- und Heidegewächsen durchsetzt. Diese "Bunkerde"-Schicht geht in Weißtorf über; darunter folgt schließlich Schwarztorf. Torf bildet sich während eines sauerstofffreien Verrottungsprozesses der Torfmoose.

Abgeschlossen wird das Moor von der untersten, wasserundurchlässigen Schicht. Im Gegensatz zu einem flachen Niedermoor hat ein aufgetürmtes Hochmoor oft keine Verbindung zum Grundwas-ser. Allein durch den Niederschlag erhält sich ein solches Moor. Torf und Moos saugen den Regen auf und sind in der Lage, ihn zu speichern.

Bei Torfstechern begehrt sind Weiß- und Schwarztorf, die meist als Blumenerde genutzt werden. Um diese Sorten abzutragen, müssen die Hochmoore trockengelegt und tiefe Gräben bis in den Untergrund gezogen werden - das Moor blutet regelrecht aus. Zudem wird die Bunkerde abgeräumt und beiseite geschafft.

Die Bunkerde eignet sich wiederum als Startsubstanz einer Renaturierung dieser Flächen - sie enthält die Samen der Moorvegetation, ist in der Lage, Wasser aufzusaugen und kann Torfbildungsprozesse in Gang bringen. Voraussetzung ist, dass die untere Stauschicht und möglichst auch größere Weißtorfreste noch vorhanden sind. Weißtorf kann infolge seiner großen Poren besonders gut Wasser speichern. Nach dem Aufbringen der Bunkerde müssen Abflussgräben verschlossen werden. Dann allerdings muss man etliche Jahre warten - denn ein Moor wächst mit einer Geschwindigkeit von nur rund einem Millimeter pro Jahr. Als erstes gelungenes Renaturierungsbeispiel eines vormals völlig abgeräumten Torfmoores gilt das Leegmoor - ein etwa 450 Hektar großes ehemaliges Abbaugebiet in der Nähe von Papenburg - nach nunmehr 19 Jahren intensiver Maßnahmen. Für die Torfmoore nützlich kann auch ein neues Material sein, das die von Gärtnern geschätzten Eigenschaften von Torf besitzt, ohne dass zu dessen Gewinnung Naturlandschaften geschädigt werden müssen.

Hergestellt wird das so genannte "Pietal" in einem Betrieb nördlich von Magdeburg. Rohstoff sind frische Kiefernholzhackschnitzel mit Rinde. Diese Substanz wird unter Druck stark erhitzt. Wird der Druck plötzlich reduziert, entstehen watteartige Verbindungen. Nach Zugabe von Flüssigdünger, Fermenten und Sauerstoff fermentiert das Material und ergibt ein Substrat in der Farbe von Torf. Es nimmt Luft und Wasser sogar besser auf als hochwertiger Weißtorf, und Wurzelnkönnensichdarin besser entwickeln. Zudem enthält Pietal keinen Unkrautsamen. Hauptabnehmer für Torf sind bislang neben Hobbygärtnern (sie verbrauchen jährlich allein in Deutschland drei Millionen Kubikmeter) vor allem Blumen- und Salatzüchter mit einem europäischen Jahresverbrauch von sechs Millionen Kubikmeter Torf.

Aufgrund der riesigen Nachfrage ist die Torfindustrie inzwischen dorthin ausgewichen, wo es noch Moore - aber kaum wirksame Naturschutzvorschriften - gibt. Etwa ins Baltikum: Dort droht den ursprünglichen Moorlandschaften das Aus. Zudem werden beim Torfabbau riesige Mengen des als "Klimakiller" bezeichneten Gases Kohlendioxid freigesetzt. Denn das Moor bindet Kohlenstoff in einem sauerstofffreien Raum; eine chemische Verbrennung, die Oxidation, des Kohlenstoffes zum Treibhausgas kann dort nicht stattfinden. Gelangt das Material aber an die frische Luft, setzt sich der schädliche Prozess in Gang.

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